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untermengter Schamröte, dass sie für denselben alle schuldige Ehrerbietung hätte; dass sie aber dabei nicht absehen könnte, worzu demselben ihre Liebe dienen sollte; denn ihre Geburt setzte sie zu weit unter den Königlichen Tron, und ihr Gemüt zu weit über das Glück seiner Königlichen Buhlerin.

Die Gräfin brachte diese Worte mit einem so edlen und grossmütigen Wesen vor, dass der König so geschwind nicht wuste, was er ihr darauf antworten sollte. Je mehr er dieselbige betrachtete, je mehr fand er an ihr Reizungen sie zu lieben, und ernstafte Gebehrden, sie zu ehren. Schönste Gräfin! brach er endlich heraus, sie würden meine Neigungen nicht verdammen, wenn sie ihre reine Absichten betrachten wolten; sie schenken mir nur ihr Herz: es wird mich niemand hindern, ihnen als meiner Gemahlin die Hand zu geben, und als meiner Königin die Crone aufzusetzen. Die Gräfin, die sich auf einen so wichtigen Antrag von Seiten des Königs nicht versehen hatte, schlug darüber die Augen schamhaftig nieder, und suchte mit einer demütigen Bescheidenheit das Anerbieten einer so hohen Liebe von sich abzulehnen; sie sagte, dass sie dazu viel zu gering wäre; dass sie der Himmel nicht hätte zu Cron und Scepter lassen gebohren werden, und dass sie ihm notwendig missfallen müste, wann er sehen sollte, dass sie sich durchaus dazu nicht schicke.

Der König schmeichelte ihr ganz mit dem Gegenteil: er rühmte ihren ungemeinen Verstand; er sagte, dass ihre Tugenden und Vollkommenheiten sie schon allein des Trones würdig machten; und dass er noch keine gebohrne Prinzessin gesehen hätte, die denselben mehr zieren könnte. Allein diese Reden, so verbindlich sie auch waren, vermochten die Gräfin nicht zu rühren: eine vorgefaste Neigung war bei ihr viel stärker, als die Ehrsucht Königin zu werden: sie hatte über ihr eigen Herz nicht mehr zu befehlen: der König kam zu spät, um solches in Besitz zu nehmen.

Der König war nicht gewohnt die Damen an seinem hof so kaltsinnig für ihn zu finden: die Crone hat allzuschimmerende Eigenschafften, als dass sie nicht die Augen der Schönen verblenden sollte: Er fande sich darüber beleidiget: er konte sich aber deswegen nicht entschliessen etwas zum Nachteil seiner Liebe zu tun. Er suchte den Herzog von Sandilien. Dieser war nicht weit; er fand ihn in seinem Pallast.

Mein lieber Herzog! redete er ihn an, ich komme von eurer Base; ich habe ihr gesagt, dass ich sie liebte; sie hat mir aber kein Gehör geben wollen, ob ich ihr gleich sagte, dass ich sie zur Königin machen wolte. Ew. Majestät, versetzte hierauf dieser verschmitzte Hofmann, belieben mit meiner Basen zu schertzen. Es muss eine Printzessin aus Königlichem Geblüt, es muss die vollkommenste Fürstin von der Welt das Ehbett meines Königs und dero Tron besteigen; und es wird ein Glück für meine Base sein, wann sie derselben als eine Magd wird aufwarten können.

Was habt ihr aber dargegen, fragte der König wenn ich eure Base selbst zu meiner Gemahlin verlange? Allergnadigster König! antwortete der Hertzog, mit einer ganz demütigen Gebehrdung, ich suche keine andere Hoheit und keine andere Glückseligkeit, als diejenige von Ew. Majestät. Der Glanz, welcher davon durch dero mir geschenkte Gnade auf mich und mein Haus abstrahlet, ist mir genug; und ich werde als ein getreuer Diener von meinem König, nimmer zugeben, dass derselbe etwas zum Nachteil seiner Crone tun sollte, wann es auch gleich zur grössten Ehre meines Hauses gereichen würde.

Auf diese Weise, fuhr der König im Eiffer heraus, bin ich mehr dem Zwang unterworfen, als der geringste meiner Untertanen. Allzubeklagens-würdiger Fürst! der nicht einmal die Freiheit hat, sich eine Gemahlin nach seinem Wohlgefallen zu wehlen. Meinet ihr dann nicht, sagte der König zu dem Hertzog, dass ich im Stand war, euch und euer Haus zu schützen? Ich habe euch zum Herzogen gemacht, warum sollte ich eure Base nicht auch zu einer Königin machen können? Eure Geburt ist edel, und eure Ahnen sind ehedessen durchlauchtig gewesen: welche grosse Niederträchtigkeit sollte ich demnach begehen, wenn ich mich an eine fräulein aus eurem haus vermählen sollte, deren Tugenden des Trones so würdig sind? Es ist wahr, fuhr der König fort, ihr seid mein Untertan: alleine, mehr die Gewohnheit, als ein vernünftiges Gesetz haben bisher die Könige bewogen, mit auswärtigen Fürstinnen sich zu verloben. Die Folgen davon, wie ihr mir oft selbst erzehlet habt, sind mit nichten allezeit so glücklich gewesen, besonders in diesem Reich, wo die ausländische Prinzessinnen die Land-verderblichste Kriege und das gröste Unheil verursacht haben.

Der Herzog konte sein Vergnügen nicht genug bergen, da er den König also reden hörte; er schrieb solches den glücklichen Unterweisungen zu, womit er bisshero sich hatte angelegen sein lassen, dem jungen König einige Begriffe von den Sachen des staates beizubrigen. Er suchte sich nichts destoweniger bestens zu verstellen, und den König zu bereden, dass er sich mit der ältesten Prinzessin des Königs der Arbaten vermählen und zu dem Ende einige Gesandten an dessen Hof abschicken sollte.

Der Herzog hatte nicht so bald von dieser Heirat Meldung getan, so geriet der König darüber in einen ungemeinen Eiffer. Ich, sprach er, voller Verachtung, soll eine Printzessin zur Gemahlin nehmen, deren blose Vorstellung mich mit Eckel erfüllet, und deren Vater mir als ein Hofmeister vorschreiben würde, wie ich meine Regierung einrichten sollte? Gedenket nicht mehr daran,