sich aufhielte; und wurde aus einer ganz eitlen Dame, eine sehr eifrige Christin: diese aber, als meine Verlobte, begab sich in die Abtei Gnaden-Tal, und starb darin vor einigen Jahren in dem Geruch der Heiligkeit.
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Der fromme Einsiedler hatte auf diese Weise kaum seine sehr nachdenkliche und erbauliche Erzehlung zu Ende gebracht; als man das Trappeln einiger Pferde hörte, die vor dem haus stille hielten. Der Herr von Ridelo trat darauf ins Zimmer. Ich dachte wohl, redete er den Grafen an, ich würde sie bei unserm Einsiedler antreffen: sie haben uns unterdessen zu haus keinen geringen Schrecken verursacht, da ihre Bedienten bei später Abends-Zeit allein wieder kamen, und ihren Herrn nicht mit zurück brachten. Der Graf entschuldigte sich darüber bei seinem höflichen Wirt so gut er konte: es scheinet aber, fügte er hinzu, ich habe durch eine besondere Schickung mit diesem ehrwürdigen Greiss bekant werden sollen; um mich, durch die Befolgung seiner weisen Lehren, ihrer Freundschaft würdiger, und zum Dienst des Königs desto fähiger zu machen.
Der Graf gab sich darauf dem alten Pandoresto zu erkennen, und nach einigen wenigen Reden nahm er von demselben Abschied: er dankte ihm für seine gute Bewirtung, und versprach ihn hinfort nicht mehr aus Irrtum, sondern mit gutem Vorsatz zu besuchen. Er setzte sich damit nebst dem Herrn von Ridelo in die Gutsche: die 6. Pferde, die vorgespannt waren, ranten aus allen Kräfften: es war Morgens um 3. Uhr, als diese beide Herrn in ihrem Pallast abstiegen: die Frau von Ridelo war noch auf: sie kam ihnen entgegen, und fragte ihren Gemahl, ob er das verlohrne Schaf wieder gefunden hätte. Der Graf sprang damit eilends aus der Gutsche, küsste ihr die Hand, und bat sie, wegen der Unruh, die er in ihrem haus verursacht hatte, um Vergebung.
Man begab sich darauf zu Bette. Dem Grafen wolte die Gestalt des alten Eremiten nicht aus dem Sinn, er bewunderte sowohl dessen sonderbaren Lebens-Lauf, als seine ihm gegebene Lehren: er wiederholte solche bei sich selbst und schlief darüber ein. Als er des Morgens wieder erwachte, fand er sich in seiner gefassten Entschliessung ungemein stark, sowohl einen redlichen Hofmann, als guten Christen abzugeben.
Das dritte Buch.
Der König hatte bereits die drei und zwanzig Jahr zurück geleget: er wolte sich noch nicht bereden lassen dem Reich eine Königin, und der Crone rechtmässige Erben zu geben. Er hatte sich bissher von den Lüsten seiner Jugend und einer trägen Sorglosigkeit dergestalt einnehmen lassen, dass er sich um nichts bekümmerte, als wie er sich täglich neue Veränderungen und Ergötzlichkeiten machen mögte. Er verabscheute deswegen alle Verbündnisse einer ordentlichen Liebe: er bildete sich ein, der Zwang und die Ordnung schickten sich für keinen König, der wohl andern gesetz geben könnte, selbst aber solche zu halten nicht verbunden wäre.
Gleichwohl erforderte es des Reichs Wohlstand, dass der König sich vermählen sollte. Er hatte sich um diese Zeit in die Gräfin von Monteras, eine Base des Hertzogs von Sandilien, und eintzige Tochter seines verstorbenen Bruders, verliebet, welche sich seit einigen Monaten in dem Pallast ihres Vettern aufgehalten hatte.
Diese Neigung war bei dem König von einer solchen Heftigkeit, dass sie denselben auf einmal von seinem wanckelmütigen Herumschweifen zurück zoge. Die Gräfin von Monteras war eine von denen lebhaften und glänzenden Schönheiten, die gleich im ersten Anblick gefallen; und welche sowohl durch ihren ungemeinen Verstand, als durch die holdseligste Sitte diejenige Eindrücke am längsten erhalten, die sie so hurtig zu geben wissen. Ihre Gestalt hatte alle Reizungen der Liebe, und in ihrem Gemüte herrschten die stärkste Empfindungen einer wahrhaftig hohen und tugendhaften Seele.
Der König wurde Anfangs bei ihr bloss allein durch die Annehmlichkeiten ihrer Gestalt gerühret. Diejenige Schönen, welche er zuvor geliebet hatte, waren von einer solchen eigenschaft, dass sie bei ihm wohl die sinliche Lust rege machten; das Herz aber selbst unempfindlich liessen. Er wuste noch nicht, dass in dem Geist des Menschen etwas verborgen war, welches hauptsächlich seinen Einflus in das Gemüt hatte, und welches eigentlich nur allein den Namen der Liebe verdienet.
Hier hätte also der König eine ihm noch unbekante Neigung gefast; er meinte, die Base seines ersten Ministers müste es sich gleich andern zur Ehre rechnen, wann er sich für ihren Liebhaber erklären würde; er suchte gelegenheit sich ihr als ein solcher zu erkennen zu geben. Die vornehmste Damen des Hofs hielten eine um die andere ihre Gesellschaften. Der König fande sich insgemein mit dabei. Die Gräfin von Monteras konte sich aus Wohlstand nicht entbrechen bei diesen ordentlichen Zusammenkünften mit zu erscheinen. Hier suchte der König gelegenheit sie zu sprechen, um ihr seine Neigung zu offenbahren. Die Gräfin aber entzog sich mit der grössten Sorgfalt sowohl seinen Blicken, als seiner Unterredung.
Endlich fand er sie einsmahl ganz allein, in ihrem an den Sandilischen Pallast stossenden Garten; sie hatte ihre Augen auf einer mit allerhand Blumen und raren Gewächsen besetzten Gallerie nach dem unten vorbeifliessenden Strohm gerichtet; und war dabei in so tiefen gedanken, dass sie des Königs nicht eher gewahr wurde, als bis er ihr die Hand ergriff und solche zum mund fuhrte: sie erschrack darüber heftig; doch fasste sie sich bald, und begegnete dem König als eine Fraulein, die vollkommen wohl zu leben wuste.
Hier muste sie sich es gefallen lassen, des Königs liebes-Erklärung anzuhören; sie antwortete ihm darauf mit