meine aufgebrachte Phantasie. Ich war darüber öfters ganz erstarrt, wann ich aufwachte. Nur das Herz, als die Quelle des Lebens, bewegte sich noch allein, und trieb, durch die nahe Angst des Todes, das Leben wieder in die schon erkalte Glieder. Ich fiel endlich ganz vom Fleisch und wurde so unbesorgt um mein Leben, dass ich solches vielmehr tausendmahl wünschte aufzugeben, wann ich nur die geringste Empfindung des Glaubens, als den einzigen Trost, den ich suchte, dadurch hätte erlangen können.
Mein Geistlicher, der mich noch immer fleissig besuchte, wünschte mir zu allen diesen grausamen Anfechtungen und Glaubens-Ubungen Glück. Sie haben, mein Herr, sprach er, den HErrn der Weisheit und der Liebe so oft und vielmahl von sich abgewiesen und seiner Allmacht Sohn gesprochen. Er zeiget ihnen nun, dass er sich kan Recht schaffen; wiewohl diese Ahndung nichts anders ist, als eine Vorbereitung zu derjenigen Uberzeugung, welche sie suchen. Sie sehen jetzt deutlich, was der Mensch vor eine elende und jämmerliche Creatur ist, so bald GOtt die Hand nur ein wenig von ihm abziehet, und ihn in seinem eigenen unreinen grund wühlen lässt. Sie empfinden jetzt den Schrecken der natur, wenn der Geist, der in dem Menschen ist, seinen Ursprung verläugnen und gegen den Schöpfer sich empören will. Wollen sie noch mehr Uberzeugungen haben? worauf warten sie noch? wollen sie, dass GOtt die ganze natur verkehren und ihre Ordnungs-Kette zerreissen soll, um sie durch neue Wunder-Wercke zu überzeugen? oder warten sie bis GOtt selbst mit ihnen aus einem feurigen Busche, unter dem Krachen und Blitzen der Elementen reden, oder ihnen unter der Gestalt eines alten Manns, oder eines sichtbaren Geistes erscheinen wird? O wie übel würden sie sich dabei finden: ihre Vernunfft würde es für ein Gauckelspiel der Phantasie halten, oder für eine androhende Verrückung des Gehirns, oder für einen Betrug der Geistlichen, wie sie dessen öfters beschuldiget werden. Dieses alles würde sie und ihre grüblende Vernunfft noch lange nicht überzeugen.
Lasst uns desswegen fuhr der Geistliche fort, ein wenig aufrichtiger und einfältiger mit GOtt handeln. Lasst uns in unser eigen Herz eingehen, und darin die Wirkungen des Göttlichen Geistes wahrnehmen. Was ist dasjenige, das uns, da wir von natur ganz elend und verdorben sind, das Gute wünschen und lieben macht? woher kommt die Regung, die uns ein Verlangen nach einem unendlichen Gut einflöset? diesen inneren Bewegungen müssen wir Raum lassen, und ihrem Ursprung nachspüren. Da findet die Seele bald, was sie suchet. Hier sind keine blosse Phantasien und Hirn-Bilder; die Liebe zu GOtt ist das deutlichste Kennzeichen, dass er uns liebt; wo er sie nicht liebte, so hätte er sie auch in ihrer vorigen Sicherheit lassen hingehen; sie würden wenig sich darum bekümmern, ob ein GOtt wär, der die Welt regierte, oder sonst ein etwas von ungefähr: ob die Tugend etwas guts, oder das Laster etwas böses sei: Ob sie Vergebung der Sünden hätten, und glaubig wären, oder nicht: dieses alles würde sie eben so wenig anfechten als zuvor.
Ja, unterbrach ich hier mit einer ausserordentlichen Bewegung, ich wolte herzlich gern in diesem Augenblick sterben, wenn ich nur der Gnade GOttes in Christo bei mir recht versichert werden könnte. Wohlan, sagte hierauf der fromme Mönch zum Beschluss, wenn sie dann solches mit einer so lebhafften Begierde wünschen, so sterben sie mit einmal der Welt ab: dieses ist der Tod, durch welchen sie dasjenige erlangen werden, was sie so sehnlich suchen. Dieser Tod wird sie versichern des Todes ihrer Sünden und ihrer Vergebung bei GOtt. So wenig sonst GOtt von uns verlanget, dass wir um seinetwillen uns der Welt und der weltlichen Geschäfften und Güter entschlagen sollen, so nötig finde ich solches für sie.
Ich meinte, der ehrliche Franciscaner würde mir auflegen, dass ich mich in einen strengen Orden begeben sollte. Allein, er sagte mir, dass man in den Clöstern selten diejenige aufrichtige Andacht fände, die man darinnen anzutreffen vermeinte: es gäben so viel böse Mönche in den Clöstern, als böse Menschen in der Welt. Der beste Gottesdienst wär, dass ein jeder seines Berufs wartete und darin GOtt und Menschen treu wäre. Was aber mich anbelangte, so hielte er dafür, dass, wie ich ein ausserordentlicher und mit den grössten Verbrechen beladener Sünder wär; so muste auch meine Busse ausserordentlich und von einer sonderbaren Erweckung sein. Ich würde demnach wohl tun, denjenigen Menschen, die ich durch meine grausame Missetaten geärgert hätte, an mir ein Exempel der wahren Bekehrung und Sinnes-Aenderung zu zeigen. Ich sollte mir zu dem Ende nah bei der Stadt ein kleines Haus erbauen, mich aller Eitelkeiten entschlagen, und mein übriges Gut den Armen geben.
Ich folgte diesem Rat. Sie sehen hier, mein Herr, den glückseligen Platz meiner Ruhe, welchen viel tausend Büss- und Freuden-Tränen mir zu einer andern Schekina eingeweihet haben, wo ich stets die Gegenwart GOttes, sowohl in seinen herrlichen Werken, als in meinem armen Herzen finde; und wo ich getrost meine alte Hütte verfallen sehe; weil ich durch Ablegung derselben, dasjenige von Angesicht schauen werde, was ich hier nur mit den Augen des blosen Glaubens erreichen kan.
Die Königin, sowohl als die Frau von Dusemon wurden durch mein Exempel gerühret: Jene liess nahe hiebei die schöne Einsidelei erbauen, wo sie die meiste Zeit