wichtige Gründe wollen heute zu Tage wenig Fürsten mehr einsehen: sie plündern ihr eigen Land; sie folgen jener Königin, welche zu sagen pflegte: Der Bauer sei reich genug, wenn er eine aus Binsen geflochtene Matrazze zum Lager, und einen groben leinenen Kittel zur Kleidung hätte; weil er sonst als die boshaftigste von allen Creaturen nicht zu bändigen wär; allein was richtete sie damit aus, als dass ihre Bauern endlich den Pflug verliessen, dem Raub und dem Plündern nachgingen, und das ganze Land unsicher machten.
O unselige Fürsten! die ihr euch Helden, SchutzEngel und Landes-Väter nennen lasset; seid ihr nicht vielmehr, wann ihr solchen grausamen Regungen folget, und eurer Untertanen Schweiss und Blut, eurem Ubermut, eurer Wollust, und eurer Uppigkeit aufopffert: der Bezüchtigung jenes Räubers unterworffen, der dem Macedonischen Alexander vorwarff, er sei noch ein weit grösserer Räuber, als er. sollte nicht, wenn ihr ja noch einen GOtt glaubet, die Vorstellung desjenigen Gerichts euch erschüttern, da nach dem gerechtesten Maas einem jeden soll vergolten werden, was er hier in dieser Welt gutes und böses getan habt?
Die Verbesserung eines staates ist mit nichten so schwer, als man sich solche einbildet. Ein kluger Regente darf nur vom Mitleiden gerühret werden, so viele Menschen unter feiner Bottmässigkeit im Elend zu sehen; so ist diese Empfindung schon genug, ihm gute Ratschläge an die Hand zu geben.
Von der Religion.
Die Religion ist eine Erkänntnüs von GOtt und göttlichen Dingen. Sie ist der Grund von aller Glückseligkeit des Menschen; ohne Religion ist kein ehrlicher Mann, keine Tugend, keine Weissheit, kein wahres Gut; und gleichwohl sollte man sagen, stifftet die Religion so viel böses: sie stöhret die Eintracht und den Frieden; sie trennet die Gemüter, sie erreget Hass und Feindschafft, Krieg und Blutvergiessen; sie macht die Menschen verwirrt, sie erhitzt ihre Einbildung mit den seltsamsten Vorstellungen; sie entfernet endlich GOtt von uns, und uns von GOtt. Es gibt also eine gute und auch eine böse Religion. Bei den Verkehrten ist sie verkehrt, bei den Gerechten aber gerecht.
Die wahre Religion hat zum Vorwurff die Liebe GOttes, die Reinigkeit unsers Hertzens, und die Verbesserung unsers Willens: die falsche aber ist ein Werck unserer eingebildeten Weissheit, und gründet sich auf leere Begriffe und Meinungen.
Die Religion ist für alle Menschen: keiner, der Vernunfft hat, kan leugnen, dass ein GOtt sei. Keiner, der eine Empfindung hat, kan das Gute hassen, und das Böse lieben; keiner, der ein Gefühl hat, kan bei sich den heimlichen Richter schweigen machen, der ihn bestraffet, wenn er böses tut: keiner, der ein Verlangen hat, glückselig zu sein, kan sich zurück halten, solche bei demjenigen Wesen zu suchen, welches der Ursprung von ihm und allen Dingen ist.
Diese Bilder, diese Regungen hat die natur unserer Seelen eingedruckt: sie kan sie nicht von sich ablegen, sie sind ihr immer gegenwärtig, sie leben, sie regen sich in ihr. Wer nicht davon die Spuren bei sich entdecket, der ist ein Unmensch. Sie sind der Saamen, woraus die weitere Begriffe der göttlichen Dinge keimen: sie sind der Grund, worauf auch die geschriebene und offenbahrte Warheiten in der Religion sich beziehen. Wir können keine andere Begriffe annehmen, als die damit übereinstimmen: wir können nicht zu gleich etwas glauben und nicht glauben.
Die erkenntnis GOttes ziehet also ihren Ursprung aus der natur, wie die natur ihren Ursprung ziehet aus GOtt: diese Erkenntnüs GOttes aus der natur aber wird kräfftig vermehret, und in ein helleres Licht gesetzt, wenn wir GOtt lieben, und ihn desswegen näher zu erkennen suchen: Hieraus kommt der Glaube, welcher darin bestehet, dass wir uns der Regierung GOttes und den Einflüssen seines Geistes gänzlich überlassen, unser Vertrauen auf ihn setzen, die Wahrheit des Evangelii für Wahrheit erkennen, Christum zu unserm Heiland annehmen, und seinen Lehren nachfolgen.
Dieser Glaube aber ist eine verborgene Wirckung des Geistes: wir können uns solchen weder geben, noch nehmen, er kommt von oben: sein Ursprung ist ganz göttlich. Mit zancken und disputiren wird er nicht erlangt: durch blosse menschliche Vernunfft und durch vieles scharffsinnige Nachdencken auch nicht. GOTT, zeiget dadurch, dass der Glaube nicht ein Werck unsers Verstandes sei. Wie sehr muss ihm also unser Gezäncke missfallen; da wir also mit einem schwachen Lichtgen, wie unser Verstand ist, seine Wercke, seine Absichten und seine ganze Hausshaltung beleuchten, und das allergröste Wesen nach unsern allerkleinsten Begriffen abmessen wollen. Der Hochmut aber lässt nicht nach, er ist das Gifft, so wir noch aus dem Paradies gebracht haben: es steckt noch in allen Adams-Kindern. Der Verstand des Menschen ist etwas göttliches: er unterscheidet ihn von den Tieren: er will deswegen sich mit dieser Gabe vor allen andern brüsten: man ist auf nichts eifersichtiger: man will, dass andere Menschen diesen Vorzug an uns erkennen, bewundern, ja gar, wenn wir etwas zu sagen haben, sich solchem unterwerffen sollen. O toller Aberwitz! wohin verleiten uns noch die Einbildungen von unserer eigenen Weissheit?
Man kan also die Menschen wohl mit Gewalt zu den Pflichten der Religion zwingen, weil sie dem Gesetz der natur, der Vernunfft und dem Wohlstand eines bürgerlichen Wesens gemäss sind; aber die Begriffe der Religion müssen wir einem jeden frei lassen. Dann die Menschen selbst sind davon nicht Meister: