der Credit, da muss Treu und Glauben unterhalten werden; sonst wird die Kaufmannschaft ein Handwerck der sogenannten Chevaliers d'industrie, um es höflich zu geben, da es darauf ankommt, wer den andern am listigsten betrügen und um das Seinige bringen kan.
Die Handwercker haben ihre Zünfte; diese sind nicht ohne Nutzen, wenn sie dadurch Zucht, Ehrbarkeit und gute Ordnungen unter sich erhalten: Ihre Gebräuche aber müssen nicht närrisch sein, noch andern Menschen zum Nachteil gereichen. Von dieser Art ist das verkehrte Recht, dessen sich die HandwercksLeute in gewissen Städten anmassen, dass man alles bei ihnen müsse arbeiten lassen, dabei sie ihre Arbeit über den Wert schätzen, sie mag geraten sein, oder nicht. Dieses ist wider alle Vernuft und Billigkeit. Der Betrug, der Ubermut, und die Liederlichkeit der Handwercks-Leute wird dadurch genähret. Sie vernachlässigen darüber ihre Arbeit, und dencken, man müsse ihnen solche doch bezahlen. Man ist deswegen übel mit diesen Leuten dran: Sie meinen, sie müsten gleichwohl mehr verwohnen: Es seie kostbar in den Städten zu leben: Sie müsten solches auf ihre Arbeit schlagen: Allein, welchen Nutzen hat das gemeine Wesen davon, dass solche Leute nur in den Städten sich aufhalten? Was verbindet sie für ein gesetz, dass sie mehr ausgeben und üppiger leben, als die Leute auf dem land? Warum soll man ihnen ihre Arbeit um so viel teurer bezahlen? Meinet man, die Städte würden dadurch in Abnahm kommen? Wie! dass die gröste Städte in Europa Nahrung genug haben, ohne dass man darin den Handwercks-Leuten einen solchen ganz ungereimten Vorzug verstattet?
Von dem bauern-Stand.
Ehedessen war der Feld- und Garten-Bau eine Beschäftigung grosser Leute: Fursten waren Hirten und Helden pflantzten Bäume. heute zu Tage ist der LandMann die armseligste unter allen Creaturen: Die Bauern sind Sclaven, und ihre Knechte sind von dem Vieh, das sie hüten, kaum noch zu unterscheiden.
Man kommt auf Dörffer, wo die Kinder halb nakkend lauffen, und die Durchreisende um ein Allmosen anschreien. Die Eltern haben kaum noch einige Lumpen auf dem Leib, ihre Blöse zu bedecken. Ein Paar magere Küh müssen ihnen das Feld bauen und auch Milch geben. Ihre Scheuren sind leer, und ihre Hütten drohen alle Augenblick über einen Hauffen zu fallen: Sie selbst sehen verkahmt und elend aus; und man würde noch mehr Mitleiden mit ihnen haben, wann nicht ein wildes und viehisches Ansehen ein so hartes Schicksal an ihnen zu rechtfertigen schien. Wehe den Fürsten! die durch ihre grausame Tyrannei und durch ihre üble Hausshaltung den Jammer so vieler Menschen verursachen.
Der Bauer wird wie das dumme Vieh in aller Unwissenheit erzogen; Er wird unaufhörlich mit FrohnDiensten, Boten-Lauffen, Treib-Jagen, Schantzen, Graben und dergleichen geängstiget: Er muss von Morgen bis Abend die Aecker durchwühlen; es mag ihn die Hitze brennen, oder die Kälte starr machen. Des Nachts liegt er im feld, und wird schier ein wild, um das wild zu scheuen, dass es nicht die Staat plündere: Was dem wild-Zahn entrissen wird, nimmt hernach ein rauher Beamter auf Abtrag der noch rückständigen Schoss- und Steuer-Gelder weg.
Wann nun hier der nicht minder boshafte als gequälte Bauers-Mann, seinem Herrn etwas unterschlagen und mit List entweden kan, so tut er solches mit dem besten herzen von der Welt; und bildet sich ein, die Gerechtigkeit sei nur ein ausgedachter Vorteil der Grossen, damit sie alles sich zueignen könnten; wenn ihm also die Furcht der Straffe nicht bang machte, so würden die zehen Gebotte ihn schwerlich von den gröbsten Missetaten zurück halten.
Solche traurige Beschaffenheit hat es heutiges Tages mit demjenigen stand, der an und vor sich selbst der allerunschuldigste und nützlichste ist. So sehr aber darin wider alle natürliche Billigkeit gehandelt wird, da man durch eine unumschränckte Gewalt den grössten teil der Menschen ins äusserste Elend stürtzet, so wenig Vorteil entstehet auch daraus dem Staat. Ein armes Land ist gleich den magern Feld-Gütern, die kaum die Helft so viel Nutzen ihrem Herren abgeben, als wenn sie in gehörigem Bau unterhalten werden.
Ein grosser Fürst, dessen Weissheit ihn noch mehr als seine Crone erhoben hatte, pflegt ehedessen zu sagen: Er hätte weder Mangel an Geld, noch an Soldaten, so lange seine Bauern noch silberne Knöpffe auf den Kleidern trügen. Was kan richtiger sein als dieser Schluss? So lang der Untertan etwas im Vermögen hat, so lang kan er auch sein Hausswesen ordentlich, bestellen, seiner Nahrung nachgehen, seine Felder mit Nutzen bauen, und von allem die Gebühr seinem Landes-Herren desto ordentlicher entrichten.
Versiehet er etwas gegen die gesetz, so hat er etwas, dass man ihn dafür bestraffen kan; ohne dass man ihn desswegen darf von seiner Nahrung wegnehmen und ins gefängnis sperren; Bedrohet ein feindlicher Einbruch das Land zu verheeren, so hat er etwas dabei zu verlieren: Er ergreifft selbst die Waffen, um sein Vatterland, seinen Herren und sein eigen Gut zu vertaidigen. Braucht der Fürst Geld, so kan er solches bei seinen eigenen Untertanen aufnehmen, und hat nicht nötig Land und Leute dafür mit hohen Zinsen und grosser Gefahr an seine Nachbarn zu versetzen. Endlich, hat der Untertan etwas im Vermögen, so kan er seinen Kindern auch etwas lernen lassen; Er kan auf diese Weise dem Staat vernünftige Einwohner, getreue Bürger und gute Hausshälter erziehen.
Diese