und Redlichkeit erhält, und die Menschen zusammen in einer süssen Eintracht verbindet?
Dieses Ubel würde sich nie so weit ausgebreitet haben, wenn der Missbrauch einer so edlen Kunst, als die Buchdruckerei ist, nicht dazu noch mehr gelegenheit gegeben hätte. Die Zänckereien der Gelehrten würden unter den Gelehrten geblieben sein, und nicht zugleich auch das Volck in ihre Sectireien und Banden mit eingeflochten haben: Es würden nicht so viele cursus Teologiæ und Catechismi durch den Druck heraus gekommen sein; die, indem sie die Stärcke ihrer Verfasser zeigen sollten, ihre Schwåche und Blöse entdecken. Wie es dann leicht zu beweisen stünde, dass dergleichen jetzt in einem halben Jahrhundert mehr, als in der ganzen Zeit von Christi Geburt an zu rechnen, heraus gekommen sind; daraus man mit wenig Müh, und durch die Kunst der Folgen eines Satzes aus dem andern, wieder so viele besondere Religionen machen könnte. Der ungeheuren Menge der Streit-Schriften, welche mit der grössten Wut und Schmähsucht geschrieben sind, nicht einmal zu gedencken.
In der Rechts-Gelährteit ist dieser Missbrauch des Bücherdruckens auf einen gleichen Grad gestiegen, doch mit dem glücklichen Unterscheid, dass darin die verschiedene Meinungen nicht solche Zerrüttungen und Spaltungen im gemeinen Wesen, als die Religions-Streitigkeiten, nach sich gezogen haben.
Ob man in den übrigen Teilen der Gelehrsamkeit, durch die Erfindung der Druckerei, weiter als die Alten, gekommen sei; lässt sich daraus urteilen, indem wir meistens nur dasjenige wieder aufwärmen, was jene durch ihre Scharfsinnigkeit ausgedacht und der Nachwelt hinterlassen haben. Wir bedienen uns bei allem eingebildeten Fortgang der Wissenschaften, doch noch immer dieser verjahrten Wegweiser; und wenn es einer unter uns im Bücher schreiben sehr weit gebracht hat; so erlanget er doch daraus erstlich den grössten Ruhm, wenn man ihm die Ehre erweiset, dass man seine Schriften mit denjenigen der alten Griechen und Lateiner vergleichet; welche unstreitig die Geschicklichkeit besassen, mit einer Zeile mehr zu sagen, als wir öfters mit vielen mühsam auf einander gearbeiteten Worten, nicht auszudrücken vermögen.
Von dem bürgerlichen Stand.
Unter dem Wort Bürger werden, im allgemeinen Sinn, alle und jede Glieder eines gemeinen Wesens verstanden; Hier aber ist nur die Rede von einem Bürger, der sich entweder mit Kaufmannschaft, oder mit einem Handwerck nähret, und in einer Stadt wohnet.
Die Kaufmannschaft ist wegen ihrer Nutzbarkeit und notwendigkeit besonders hoch zu schätzen; und deswegen auch in allen ihren Freiheiten und Bequemlichkeiten mit möglichster Sorgfalt zu erhalten: Sie gibt einem Land Nahrung: Sie erhält darin den nötigen Umlauf des Geldes, und ist das sicherste Mittel, solches reich und mächtig zu machen.
Unter allen Lastern, die in einer Republick im Schwang gehen, hat keines eine glücklichere Bedeutung, als wenn die Kauf-Leute stoltz werden und prächtig leben; dieses aber verstund vor einiger Zeit ein sicherer Fürst unrecht. Er hatte verschiedene zur Handlung wohl gelegene Plätze: Es zogen sich viel Kauf-Leute dahin: Sie erwarben durch ihre Handelschaft und Schiffart grossen Reichtum.
Wo Geld ist, da zeiget sich auch Mut: Die KaufLeute wurden hoffärtig, sie lebten wohl; sie taten sich hervor. Der Adel wurde darüber eifersüchtig. Der Fürst meinte, er wolte die Eitelkeit dieser Leute einschräncken: Ein wenig Policei hätte solches tun können; allein der Fürst wolte auch dadurch seine Einkünfte vermehren: Er drückte die Handlung mit neuen Auflagen, er verdoppelte die Zölle, und belegte alle fremde Waaren mit einer unerträglichen Accis. Der Umschlag mit den Ausländern hatte ein Ende: Handel und Wandel gerieten dadurch in Abnahm. Der Kaufmann wurde demutiger, und das Land arm. Der Vertrieb der einheimischen Manufacturen war verstopfft, das Geld mangelte. Der Fürst wurde es am ersten gewahr: Seine Einkünffte, die er verbessern wolte, kamen sparsamer ein. Das Volck klagte: Die Nahrung war gehemmt: Man wolte die Handlung wieder einführen; allein vergebens; sie war einmal weg, nicht anders, wie ein Flug Vögel, welchen ein Jäger mit einem Schuss zerstreuet.
Man muss also der Handlung Freiheit lassen; nur darin muss man sie einschräncken, dass Treu und Glauben, Wahrheit und Gerechtigkeit dabei gehandhabet, und dargegen diejenige Missbräuche, welche schädlich sind, sorgfältigst aus dem Wege geräumet werden.
Eines der grössten Ubel in der Handlung ist der ausgelassene Frevel der Banckeruttirer: Diese sind gleichsam heute zu Tage privilegirte Diebe: Sie stehlen unter dem Schein eines ehrlichen Mannes: Sie machen Figur mit anderer Leute Geld: Sie erwerben sich Freunde mit dem ungerechten Mammon. Sie sind die beste Männer; denn sie schencken alles ihren Weibern, wenn sie hernach nicht weiter können, so geben sie ihren ehrlichen Namen mit samt der Handlung auf. Sie zahlen niemand; Es heist, sie wären unglücklich gewesen, sie wären um alles kommen: und leben hernach von dem Vermögen ihrer Frauen eben so gemächlich, als zuvor.
O schädliches Recht! das solchergestalt den Grund aller Gerechtigkeit durchwühlet, und alle ihre GrundSätze umstürtzet! man verdammt denjenigen zum Galgen, der aus Not stiehlet, und ein Banckeruttirer, der tausend wagt, darunter öfters kaum zehen sein eigen sind; und der für Ubermut nicht weiss, wie er genug verprassen soll; dem sollten die gesetz noch zu Hülffe kommen, und ihm an statt der wohl verdienten Straffe noch gemächliche Tage verschaffen? O zeiten! O Sitten!
Dieses Ubel in der menschlichen Gesellschaft ist wichtiger, als man sich solches vorstellet. Die Folgen davon sind abscheulich. Wo die Handlung blühen soll, da muss