da er sie beide empfieng, und desswegen sein Glück für vollkommen priess, weil er die Ehre hätte ihnen in seiner Behausung aufzuwarten. Sie antworteten ihm, dass der Graf von Rivera sie in seinem Namen zu sich in diese seine neue wohnung hätte bitten lassen, und dass sie also nicht verstünden, wie der Herr von Cantwitz ihren Zuspruch auf seine Rechnung zu nehmen beliebte: Der Graf war bald bei der Hand, als sich diese beide Damen zeigten. Er wolte das Vergnügen haben, die Frau von Ridelo und ihre schöne Schwester in ihrer ersten Verwirrung zu sehen. Ich freue mich von herzen: redete er sie an, dass sie meinem Cheruscer die Ehre gönnen, die von ihm erbetene hohe Gesellschaft, durch die ihrige noch ansehnlicher zu machen. Es wird nicht lang währen, so wird er auch die Gnade haben, den König und die Königin hier bei sich zu sehen.
Die Frau von Ridelo stutzte über diese Anrede des Grafens noch mehr; doch, wie sie von einem durchdringenden Verstand war, so merckte sie bald, wo er hinzielte. Ich sehe wohl, sprach sie, man will mir heute zeigen, was der Herr Graf von Rivera vermag. Die Frau von Ridelo hatte dieses noch kaum ausgeredt, so warf sich ihr die Gräfin von Monteras in die arme. Liebste Freundin, sagte sie zu derselben, gönnet heute meinem Grafen das Vergnugen, dass er euch sein gutes Hertze zeige; und glaubet, dass alles, was die Aufnahme eures Hauses und euer Vergnügen betrift, uns beiden hinführo wie unser eigenes sein wird.
Mehr konnten sie sich einander nicht sagen. Es fanden sich noch immer mehr Personen ein: Die vier Zimmer des Herrn von Cantwitz wurden angefüllet: In einigen wurde gespielet: In dem Saal aber erklung eine vortrefliche Music: Die besten Virtuosen des Königs liessen sich dabei hören: Es wurden die artigste Lieder abgesungen. So wohl der König als die Königin fanden sich dabei ein, und bezeigten, ein hohes Wohlgefallen über die Grossmut des Grafens; weil sie wusten, dass er alles dem jungen Cheruscer und der fräulein von Bellamont zu Ehren angestellet hatte. Sie begnügten sich nicht allein Zuschauer dieses Festes abzugeben, sondern speisten auch an einer kleinen Tafel, mit einigen wenigen Damen daselbst zu Nacht, worauf sie dem Ball mit beiwohnten.
Die Liebe erhielt an diesem glücklichen Abend ganz besondere Vorteile: Der König warb selbst bei der Frau von Ridelo für den Cheruscer um ihre Schwester die fräulein von Bellamont; und als diese Schöne von ihm um ihren Beifall befragt wurde; so konte sie kaum dabei die Neigung ihres Hertzens verbergen, dieser Gehorsam, sprach sie, kostet mich allzuwenig, Ew. Majestät die tiefste Ehrerbietung meines Hertzens zu erkennen zu geben.
Der Tag zu dem bestimmten Beilager des Grafens von Rivera mit der Gräfin von Monteras kam endlich herbei. Die Liebe des Cheruscers mit der fräulein von Bellamont wurde zugleich mit glücklich gemacht: Der sinnreiche Pracht, die artige Lust-Spiele und die vielerlei Feste, die darauf erfolgten, wären zu weitläuftig hier zu beschreiben. Wann am Ende eines Schau-Spiels die Haupt-Personen zur Heirat schreiten, so gehen die Zuschauer schon auseinander: Die schönste Vorstellungen scheinen alsdann überflüssig. Diesen Schluss hat die Gewohnheit und ein allgemeiner Beifall der Menschen zur Regel gemacht: Wir wollen auch hier solche beobachten, und den Leser nicht länger aufhalten.
Wir endigen also mit der Vermählung des Grafens von Rivera: Das Glück dieser edlen Helden-Liebe war vollkommen. Man sah die Freundschaft, die Tugend, die Treu und die Verdienste von der Gerechtigkeit des himmels belohnet. Aquitanien wurde durch die weise Ratschläge und durch die Aufrichtigkeit des Grafens in einen blühenden Wohlstand gesetzt. Die Laster, welche bisher den Hof vergiftet hatten, verlohren ihre Macht unter einem Monarchen, der sich selbst zum Muster der Gerechtigkeit, der Güte und der Ordnung ausstellte. Die Glückseligkeit seiner Untertanen machte, dass die benachbarte Staaten sich gleiche Vorteile und gleiche Regenten wünscheten.
Der Hertzog von Sandilien übergab seinem neuen Vettern, mit des Königs Bewilligung, das bisher geführte Ruder am Regiment. Er verlangte nichts mehr in der Welt, als seine Neigungen zwischen dem König, seiner Basen und dem Grafen von Rivera zu teilen. Er betrachtete sich als ein glücklicher Vater, dem das Heil seiner wohlgeratenen Kinder die eintzige Freude macht, die er noch in dieser Welt verlanget. Der Graf überkam mit dessen Herrschaften auch seine Herzogliche Titel, Wappen und Vorzüge. Diese Erhebung, welche bis zur Crone reichte, vertilgete nicht bei ihm denjenigen Grund der Demut und der Abhänglichkeit von GOtt, auf welchen er alles bauete: und von dem er alle Weissheit, alle Stärcke, und alle Tugend, die er zu der Wichtigkeit seines hohen Berufs vonnöten hatte, zu erlangen suchte.
Freie Bedancken
Von der Verbesserung des staates.
Von dem hof.
Vor zeiten hatte der gröste König kaum so viel Leute an seinem hof, als heute zu Tage ein mittelmässiger Fürst an dem seinigen unterhält. Der Adel erschien daselbst nicht ehender, als bis man Ritter-Spiele hielt, oder wichtige Ratschläge pflog. Er wurde nicht besoldet, dass er im Müssiggang und in Uppigkeit lebte, und durch seine Unordnungen den Staat, den Hof, das Land und sich selbst verdarb.
Ein Cantzler, einige Räte und ein paar geheime Schreiber waren zu den Geschäften des staates genug. Die übrigen Beamten fassen in den Dicasterien; Der König und das Reich waren ruhiger bei wenig Bedienten. Der Hof