die Sache schien einen guten Fortgang zu gewinnen: der König hatte alles unter seinem Siegel und Nahmen ausfertigen lassen, und verbürgte sich daselbst für die allgemeine Sicherheit. Die Capitalisten, welche in seinem land waren, hatten ein Vergnügen, ihre Gelder sicher unterzubringen, und solche in die Banck zu legen. Die Handlung, die Seefahrt, und der offentliche Credit wurden dadurch stattlich befördert. Allein, es waren kaum sechs bis sieben Jahre verflossen, so ereignete sich ein Krieg: der König brauchte hurtig Geld: er griff darüber die Banck an: die Zahlungen fehlten; man gab den Leuten papierne Anweisungen: und als auch diese in kein geprägtes Gold oder Silber sich verwandeln wolten; so wurden sie mit Verlust verhandelt, und verlohren endlich gar allen Wert. Der König entschuldigte sich mit der Not: und die Banck war damit aufgehoben: Mein Vater verlohr dabei einen grossen teil von seinem Vermögen. Er nahm sich dafür die Freiheit dem König desto nachdrücklicher die Wahrheit zu sagen.
Wie der König keine Schulden zahlte, so folgten diesem hohen Beispiel auch dessen vornehmste Bedienten: Es war nicht nur am Albanischen hof keine Schande mehr, wan man viel Schulden hatte, sondern man trieb die Grossmut daran auch so weit, dass man sich der Zahlung wegen im geringsten nicht bekümmerte: wer ordentlich haushielt, und noch ein wenig Geld hatte, der wurde als ein Geitzhals beschrien; wer aber sich und sein Haus aller Mittel entblöset, und halb vom Raub und halb vom borgen lebte, dessen edles Gemüt und grosse Freigebigkeit wurden mit Bewunderung erhoben. Man lebte also mit wenig Sorgfalt auf Unkosten der gemeinen Not, und vermehrte solche unendlich durch die edle Furcht für der Kargheit.
Was also der König meinem Vater noch gelassen hatte, nahmen ihm diese grossmütige Leute weg. Er fand kein Recht: Man hielt ihn für reich, und machte sich daraus eine Ehre, seine Schuldner, die liederlich waren, gegen ihn zu schützen. Es schien, als ob er sich mit seinem Geld nur die Verachtung der Menschen und den Hass derer, denen er geborget, erkauft hätte.
Er war an eine junge Dame verheiratet, die Anfangs durch ihre Eitelkeiten und Verschwendungen den Grund seines Vermögens auch ziemlich mit aufrütteln half: Sie besass viele Annehmlichkeiten: Sie war lebhaft, munter, schmeichlerisch, und kleidete sich überaus wohl. Mein Vater, der für sie die Nachsicht eines Liebhabers und die Gefälligkeiten eines Mannes hatte, der seine Frau nicht missvergnügt sehen konte, liess ihr machen, was sie nur wolte. Sie hatte den Fehler junger Leute, die von armen Eltern sind, und die desswegen nicht wissen, was Geld ist, noch wie man solches zu verwalten pflegt: Es war ihr nichts kostbar und nichts schön genug, und wenn es auf das Zahlen ankam, so sprach sie: Ist es doch nur Geld? Worzu hat man solches, als um sich damit zu vergnügen?
Ein Zufall machte unterdessen bei ihr auf einmal eine grosse Veränderung. Sie war mit einer Dame auf den grossen Platz spatziren gefahren, wo sich insgemein gegen Abend viel hundert Gutschen versammleten, und die Schönen sich gleichsam in ihren besten Aufputz zur Schau herum führen liessen: Es war schon etwas dunckel, wie sie von dieser Dame nach haus fuhr: Ihr Wagen war in Form eines Phaetons, rings herum offen, und oben nur mit einem kleinen Baldachin bedecket. Ihre funckelnde Diamanten, die an ihrem Halse hiengen, hatten sich bei dieser gelegenheit einen Liebhaber erworben, welcher, da er ihren spielenden Reitzungen nicht widerstehen konte, einen kühnen Anschlag machte, diesen Schatz zu entführen: Er war dem Wagen nachgefolgt, und als die Diener bei dem haus absprangen, um das Tor zu eröffnen, so wagte der Diamanten-Liebhaber einen frechen Sprung nach ihr, und riss ihr die Jubelen vom Halse; Weil aber solche sehr vest angemacht waren, so litt sie bei diesem Anfall solche Gewalt, dass sie der Dieb schier verdrosselt hätte. Man hub sie halb tot aus ihrem Phaeton. Der Täter aber hatte sich unterdessen mit der Beute fortgemacht. Sie legte sich darauf zu Bette, und bekam ein hitziges Fieber.
Da sie besser wurde, bezeigte sie einen überaus grossen Eckel an allen Eitelkeiten: Sie wolte nur Geistliche um sich haben, und sprach von nichts als von Busse und Bekehrung. Mein Vater, der jederzeit eine reine Gottesfurcht in sich hegte, wünschte seiner Frauen zu diesen guten Regungen Glück, und dachte nicht, dass sie auf einem so guten Weg sich verirren sollte. Sie wurde aber darüber schwermütig, und liess sich bloss durch ihre aufgebrachte Fantasie regieren.
Es sind in Albanien so wie hier und anderer Orten gewisse Leute, welche nur diejenige allein für Kinder GOttes hatten, die sich aller Annehmlichkeiten dieses Lebens mit Fleiss entschlagen, und durch eine grausame Art, von Andacht und Gottesfurcht, den Leib siech, den Geist verwirret und das Hertz voll Kummer machen: Dieses Creutz, dieses Leiden, diese Verschmähung der Welt bemercken sie als Kennzeichen ihres wiedergebohrnen und bekehrten Zustandes; und betrachten im Gegenteil andere, die noch der Güter dieser Welt geniessen, wenn es auch gleich nach den Absichten des Schöpffers geschiehet, für Unglaubige. Diese Leute meldeten sich bald bei einer solchen nach ihrem Sinn bekehrten Frauen: Sie priesen ihren Zustand glückselig; allein, das gute Hertz meines Vaters wurde dadurch zum äussersten Mitleiden bewegt. Er sah, dass meine Mutter sich unpässlich fand, und dass ein dickes Geblüt bei ihr der Grund einer