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? Sie wissen, wie zärtlich ich die Gräfin liebe: Das ist, erwiderte jene, davon ein schlechtes Kennzeichen, dass sie nicht einmal wissen, wo dermahlen ihre Geliebte sich befindet, und was ihr seit dem wiederfahren ist. Ich muss sie noch viel lieber haben; dann ihr Geist hat sich diese Nacht bei mir gezeiget, und mir alles erzehlet. Wenn sie nicht erschrecken wollen, so will ich ihn citiren.

Indem sie dieses sagte, und der Graf nicht wuste, ob die Marggräfin nicht einige Anfälle von einem hitzigen Fieber hätte: zog sie mit einem Stab einen Krayss: Komm, schöner Geist, sagte sie, ich beschwöre dich im Namen deines Geliebten zu erscheinen. Diese Worte waren noch nicht aussgesprochen, so kam die Gräfin von Monteras hervor getretten: O! sprach sie, Marggräfin, ihr Schertz gehet zu weit: Hier ist nicht nur mein Geist, ich selbst bin hier zugegen.

Der Geist dieser schönen Gräfin hätte dem Grafen nicht so bange gemacht, als ihre leibliche Gegenwart. Wie find ich sie hier, meine Gräfin? fragte er ganz furchtsam: was soll dieses Spiel bedeuten? die Marggräfin erzehlte ihm hierauf die ganze Begebenheit, welche ihm keines weges so lächerlich schien; die Gräfin war darüber in gleicher Furcht und verlangte sehr wieder nach Prato zurück zu kehren.

Sie waren noch in dieser Uberlegung, als der König und die Königin zu ihnen ins Zimmer traten. Ich komme, redete der König die Gräfin an, sie um Vergebung zu bitten, dass ich sie diese Nacht in ihrer Ruhe gestöret; und damit solches nicht mehr geschehe, so befehl ich hiermit dem Grafen von Rivera, sich hinführo besser nach ihrem Schlaf-Gemach zu erkundigen.

Nachdem sich also der Schrecken bei der Gräfin von Monteras durch ein vergnügtes lachen endigte, so wiederhohlte der König seinen Befehl, dass ihr Beilager ohne fernern Aufschuf vor sich gehen sollte; die Gräfin beurlaubte sich damit bei dem König und der Königin, und reiste nach Prato; der Hof aber begab sich wenig Tage darauf wieder nach Panopolis.

Es ereignete sich um diese Zeit noch eine andere Begebenheit, welche dem Grafen gelegenheit gab, sein gutes und grossmütiges Herz zu zeigen: Der Cheruscische Edelmann, den er bisher bei sich gehabt, und in den wichtigsten Geschäfften gebrauchet hatte, wurde von den Annehmlichkeiten der jungen fräulein von Bellamont, welche ihre Schwester, die Frau von Ridelo, bei sich erzogen hatte, dermassen gerühret, dass er für sie die allerstärckste Leidenschafft empfand; Er war mit dem Grafen in einem haus, wo er sie schier täglich zu sehen bekam, und sie blickte ihn mit solchen Augen an, dass er daraus schliessen konte, er müste ihr nicht gleichgültig sein. Allein Ehrfurcht, Unvermögen und der geringe Stand, worinn er sich sah, erlaubten ihm keine hoffnung in dieser Liebe glücklich zu sein. Der Graf, welchem er diente, hielt die fräulein von Bellamont, wie sein eigen Kind: Der Herr von Ridelo, ihr Schwager, ob er gleich von Geburt nicht besser, als der Cheruscer war, besass eine von den obersten Stellen bei hof, und lebte als ein grosser Herr. Diese Umstände machten den Cheruscer nicht wenig seufzen.

Er wurde aus dem lebhafftesten Menschen dermassen tiefdenckend, traurig und zerstreuet, dass der Graf, welcher ihn sehr liebte, dieser Veränderung an ihm bald gewahr wurde. Er sah ihn etlichmahl in Gegenwart der fräulein von Bellamont dergestalt erblassen, dass es schien, als ob er sich übel befänd. Als nun der Graf dabei merckte, dass die fräulein öfters mit halb verstohlenen Blicken nach ihm hinsah, so hatte er das Geheimnüs weg.

Der Cheruscer war von gutem Adel, und aus dem Geschlecht derer von Cantwitz, allein von armen Eltern: Der Graf fand demnach bei dieser Sache nichts, das der Wohlanständigkeit einer Heirat zwischen diesen jungen Leuten im Weg stehen sollte. Er entschloss sich demnach sie beide glücklich zu machen. Er schrieb darüber seine Meinung an seinen alten Freund, den Herrn von Bellamont, welcher alles seinem Gutdüncken heimstellte; als er aber auch der Frau von Ridelo dieses Vorhaben eröfnete, so fand sich diese dadurch ganz verschmähet. So wenig können die tugendhaffteste Frauen über den Gipffel ihrer Hoheit, und über das: was werden die Leute sagen! sich empor setzen. Der Cheruscer war ein Bedienter des Grafens; es schien ihr also empfindlich zu sein, dass der Graf durch eine solche Heirat ihre Schwester in die Gleichheit einer solchen Niedrigkeit ziehen wolte. Diesen Mangel der Ehrerbietung konte sie ihm kaum verzeihen; der Graf aber wuste sich dieserwegen artig an ihr zu rächen.

Ihr könt schweigen, mein lieber Cantwitz, sagte er einsmahls zum Cheruscer: jetzt aber solt ihr reden, und euch nicht scheuen, mir die Wahrheit frei zu bekennen. Saget mir, wie gefällt euch die fräulein von Bellamont? Cantwitz errötete über dieser Frage: Gnädiger Herr, antwortete er mit einiger Verwirrung: die fräulein ist unvergleichlich, wem sollte sie nicht gefallen? es fehlt mir nur ein höheres Glück, so wolt ich sagen, dass ich sie liebte. Die Neigung zwar ist frei; allein, die hoffnung wär verwegen.

Ihr seid, erwiderte der Graf, von Geburt nicht geringer, als die fräulein von Bellamont: das Glück teilet die Würden und die Güter aus: ihr habt diese Vorteile noch zu gewarten. Ich werde mir daraus die gröste Freude machen, euch dazu den Weg an unserm Hof zu bahnen. Cantwitz wolte für