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Cabinet eingeraumet; worinn sie sonst in Abwesenheit des Königs, wegen der lieblichen Aussicht, selbst zu schlafen pflegte.

Der König belustigte sich unterdessen noch immerfort auf der Einsidelei; als aber drei bis vier Tag herum waren, da er die Königin nicht gesehen hatte, sagte derselbe Abends spät zu dem Grafen, dass er mit ihm in aller Stille, ohne dass es seine Leute gewahr würden, nach Bellahai fahren sollte; weil er ein Verlangen hätte, die Königin allda im Schlaf zu überfallen. Der Graf liess zu dem Ende die Pferd vor seinen Wagen spannen, und tat, als ob er allein nach dem Abend-Essen wegfahren wolte. Der König war von der Tafel aufgestanden: man begleitete ihn nach seinem Schlaf-Gemach, und ein jeder begab sich zur Ruh; Der König aber, an statt sich zu Bett zu legen, setzte sich mit dem Grafen in die Gutsche, und fuhr mit ihm nach Bellahai.

Der König stieg mit dem Grafen vor dem SchlossHof ab: Er ging ganz leise durch die Vorzimmer der Königin; Einige Trabanten und Cammer-Bedienten, welche die Wache hatten, und teils auf den Stühlen eingeschlafen waren, liessen den König ungehindert fortgehen. Der König kam bis ins Cabinet, er vermeinte die Königin durch einen Kuss aufzuwecken. Indem aber hörte er, mit einer ängstlichen stimme, sich entgegen ruffen: Ach! der König, der König! Er fühlte zugleich einen Arm, der ihn mit der grössten Heftigkeit von sich stiess: Der König zog damit den Vorhang weg, und erblickte die Gräfin von Monteras: Man urteile von ihrer beiden Bestürzug.

Die Marggräfin von Luccaille, die gleich auf den ersten Schrei der Gräfin munter wurde, richtete sich hurtig auf, und erkannte den König; Sie konte über diesen Zufall sich des Lachens nicht entalten. Der König wuste für Verwirrung nicht, was er sagen sollte; Er konte sich erst gar nicht einbilden, wie die Gräfin von Monteras allhier in der Königin Bett gekommen sei. Er wolte wissen, wie dieses zuging, und wer ihm dieses Spiel gemacht hätte. Die Marggräfin versprach ihm alles zu erzehlen, nur bat er ihre Schlaf-Gesellin, welche sich unterdessen ganz unter die Küssen versteckt hatte, nicht ferner durch seine Gegenwart zu ängstigen. Die Königin wurde durch diesen kleinen Lermen aufgeweckt. Einige Cammer-Frauen waren gleich bei der Hand, und wiesen den König zurecht. Die ganz erschrockene Gräfin von Monteras liess sich darauf ein wenig ankleiden, und mit Zittern in das Gemach der Marggräfin von Luccaille bringen.

Die Königin vermerckte bei dem König über diesen Zufall eine stark aufgebrachte Gemüts-Bewegung. Wenn das Hertz einmal gewohnt ist, über gewisse Sachen gerührt zu werden, so kan es dergleichen Eindrücke auch nur durch die Länge der Zeit und durch die Macht anderer Vorwürffe verliehren. Der König war besorgt, die Königin möchte seine Verwirrung wahrgenommen haben, und sich darüber unangenehme gedanken machen: Die Königin aber tat, als ob sie sich desswegen ganz nicht beunruhigte; Sie schertzte vielmehr mit dem König, und wolte, dass er ihr verbunden sein sollte, weil sie ihm die gelegenheit gemacht hätte, bei der schönen Gräfin von Monteras einen unschuldigen Kuss so wohl anzubringen.

Der Morgen kam herbei: die Marggräfin von Luccaille, welche die Nacht über so wenig als die Gräfin von Monteras geschlafen hatte, schickte, so bald sie beide angekleidet waren, zu dem Grafen von Rivera, und liess ihn bitten, gleich zu ihr zu kommen. Sie wolte hier den Grafen ein wenig zum besten haben, sie bat zu dem Ende die Gräfin, sich hinter den Vorhängen des Bettes zu verbergen, und ihr Gespräch mit dem Grafen anzuhören. So wenig auch der Gräfin ihr Sinn zum Schertzen gestellet war, so muste sie doch hierinn der Marggräfin zu Willen sein.

Als der Graf von Rivera ins Zimmer trat, fragte ihn die Marggräfin, ob er die Gräfin von Monteras lange nicht gesehen, und was er von ihr für Nachricht hätte? Dieser antwortete: Er wär vor acht Tagen in Prato bei ihr gewesen, und wüste auch, dass sie allhier bei der Königin ihre Aufwartung gemacht hätte: Morgen gedächte er sie wieder zu besuchen. O kaltsinniger Liebhaber! rief hier die Marggräfin aus. Wenn ich die Gräfin von Monteras wär, ich wolte sie nicht halb so viel lieben. In acht Tagen sich nicht nach einer Geliebten zu erkundigen, welche binnen dieser Zeit die gröste Gefahr ausgestanden hat, in eines andern hände zu geraten, solches ist in der Tat eine Unachtsamkeit, die einem so getreuen Liebhaber, wie der Herr Graf sein wollen, kaum für gut zu halten ist.

Der Graf veränderte über diese Nachricht die Farbe: Wie, sprach er ganz bestürtzt, ist meiner Gräfin etwas ungleiches wiederfahren, und wer sollte sich wohl unsterstanden haben, ihr etwas zu Leid zu tun? Nichts zu Leide, unterbrach die Marggräfin, sondern etwas zu Liebe; denn es ist so weit gekommen, dass sie der König schon wircklich in seine arme gefasst und ihr einen Kuss geraubet hat.

Wie! fragte hier der mehr als bestürtzte Graf. Wie! der König: Ich bin ja keinen Augenblick, seit dem von ihm gewesen, als im Schlaf: und eben im Schlaf, fuhr die Marggräfin fort, hat sich diese Begebenheit mit der Gräfin zugetragen. Was mögen doch Ew. Gnaden, sagte hierauf der Graf zu der Marggräfin, für ursache haben, so unbarmhertzig mit mir zu schertzen