empfand ein ungemeines Vergnügen, diese Tugend-volle Schwester ihres geliebten Grafens bei sich in Prato zu sehen. Sie war seit dessen Abwesenheit nicht nach hof kommen. Nun aber wolte der König, dass ihre Vermählung mit dem Grafen nicht ferner sollte ausgesetzt bleiben. Der Graf selbst begunte endlich nach dem glückseligen Augenblick zu seufzen, der ihn mit seiner Geliebten durch ein unzertrennliches Band auf ewig verknüpffen sollte.
Es waren unterdessen, dass der Graf zu Alpina sich befand, der Cammer-President und der staates-Secretarius mit dem Hertzogen von Sandilien dergestalt verfallen, dass sie sich von hof entfernen und ihre Aemter in des Königs hände zurück geben wolten. Der Graf aber schlug sich ins Mittel: er wuste, wie nötig diese beide Ministers dem König waren: er suchte sie deshalben wieder auf gute Meinungen zu bringen: er stellte ihnen vor, wie leid es ihm wär, dass er zu diesem Missverständnüs Anlas gegeben hätte, und dass er nichts mehr wünschte, als ihre Weissheit und ihre Erfahrung sich zu Nutz zu machen. Er bat sie deswegen sich die Mühe zu nehmen, und die von ihm dem König übergebene Vorschläge von Punct zu Punct mit ihm durchzugehen.
Die konnten ihm wohl dieses nicht abschlagen: sie erklärten ihm ihre Zweiffel: ihre Schwierigkeiten, und was sie sonst dabei zu bedencken hatten. Der Graf nahm allhier die Stelle eines Menschen, der nur wolte unterrichtet sein; er besass aber die Kunst sich zu erklären und richtige Schlüsse zu machen. Es war bei ihm kein Eifer eines hitzigen Widerspruchs, der die Einbildung derer, die sich für klüger hielten, beleidigen konte: er gönte andern diesen Vorzug, wann nur die Wahrheit und Aufrichtigkeit nicht darunter litte: durch diese bescheidene Aufführung gewann er endlich den völligen Beifall obberührter staates-Minister, ohne welche der Graf nichts mit Nachdruck hinaus zu führen sich getrauete.
Mit dem Gross-Cantzler aber wolte der Graf nichts zu tun haben: er wuste, dass er ein falscher und boshafftiger Mann war; Es war ihm unmöglich sich vor solchen Leuten zu schmiegen: selbst die Höflichkeit, die ihm sonst natürlich war, hatte hier etwas zurückhaltendes und fiel ihm schwer: so wenig konte der Graf heuchlen, und ein so schlechter Hofmann war derselbe, wann er sich ein wenig verstellen sollte.
Den Gross-Cantzler verdross diese Aufführung des Grafens: er war gewohnt, dass man sich vor ihm demütigte, und alle seine Handlungen mit den grössten Schmeicheleien erhub. Der Graf war dazu nicht geboren: die natur hatte ihn zu einem redlichen Mann gemacht, und die Religion überzeugte ihn, dass man in allen Umständen des menschlichen Lebens aufrichtig sein müste.
Der Gross-Cantzlar unterliess dargegen nicht dem Grafen bei aller gelegenheit die Wirckungen seines heimlichen Grolls zu erkennen zu geben: Er tadelte alle seine Unternehmungen, und hatte bald an seiner Aufführung, bald an seinen Meinungen etwas auszusetzen: Er tat solches mit einer sehr spitzfindigen und heimtückischen Art: Dem Grafen wär es ein leichtes gewesen, ihn dafür in des Königs Ungnade zu bringen; allein sein grossmütiges Hertz war so weit entfernet, die ursache an eines Menschen Unglück zu sein, dass er vielmehr den König bat, diesen alten Minister die wenige Zeit, die derselbe noch zu leben hätte, bei seinen Würden und Einkünften zu lassen; doch riet er dabei, dessen Macht und Ansehen dergestalt einzuschräncken, dass sie den guten Absichten des Königs nicht hinderlich sein mögten.
Mittlerweile, dass diese Sachen bei hof vorgingen, ereignete sich mit der Gräfin von Monteras ein artiger Zufall. Die Königin hatte sich schon einige Wochen zu Bellahai aufgehalten, und der König belustigte sich mit der Jagd auf der Einsiedelei: Sie suchte hier von der vielen Unruh des Hofs ein wenig sich zu erholen und ihr eigen zu sein: Alle Damen, die von Panopolis sich meldeten, um ihr die Aufwartung zu machen, wurden zurück gewiesen. Es hiess, die Königin war unpässlich, und liess niemand vor sich: In der Tat so befand sie sich auch nicht wohl: Ihr übel Aufbefinden aber war ein Zeichen von etwas Guts: Sie trug die hoffnung des ganzen Reichs unter ihrem herzen. Die Königinnen haben in dergleichen Sachen keine Freiheit von der natur, um weniger als andere Frauen zu leiden.
In diesen Umständen da die Königin niemand, als ihre Vertraute, die Frau von Riesenburg, oder wie man sie nannte, die Marggräfin von Luccaille, um sich hatte; und diese ihr immer von den liebenswürdigen Eigenschaften der Gräfin von Monteras so vieles vorsagte; bekam dieselbe eine ungemeine Begierde, die Gräfin bei sich zu sehen: Die Marggräfin muste demnach ihr schreiben, und sie bitten, dass sie die Königin mögte besuchen kommen. Mit dem Zusatz, dass dieselbe ganz alleine zu Bellahai sich befänd, und dass der König von ihrem Zuspruch nichts erfahren sollte.
Die Gräfin von Monteras kam: Die Königin empfieng sie mit allen Merckmahlen einer besonderen Hochachtung: Sie hatte ein Vergnügen, bei ihr den beschwerlichen Rang der Hoheit abzulegen, und die Freundschaft dieser Schönen auf die natürlichste und aufrichtigste Art sich auszubitten. Die Gräfin konte dargegen ihrem herzen den edlen Hochmut nicht verwehren, sich in diesem Stück ihrer Königin gleich zu stellen, und ihr eine solche Erkenntlichkeit zu zeigen, die dasjenige schien gleich zu machen, was die Königin voraus hatte, und sie selber hätte haben können. Je länger sie beisammen waren, je mehr sie sich einander gefielen. Die Königin hatte ihr und der Marggräfin von Luccaille ein Bett in ihrem