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ritt gleich hinter ihm, vor dem Wagen der Königin.

Diese fuhr in einer mit licht-blauen Sanmmet überzogenen und mit Gold und Edelgesteinen reich besetzten staates-Gutschen. Ihre lebhaffte Schönheit blitzte noch mehr in die Augen des Volcks, als der herrliche Glanz der vielen Diamanten, womit sie allentalben umgeben war. Acht Isabell-Farben Pferde mit Lichtblau-sammeten und reich-vergüldeten Geschirren, schnauften vor dem Wagen mit stoltzen Tritten, in einer gleichsam abgemessenen Bewegung. Acht Königliche Bereuter gingen neben her, und hielten sie bei den Zäumen, damit sie nicht zu wild und unbändig sich gebehrden möchten.

Nach der Königin folgten die Hof-Damen, nebst dem andern Frauen-Zimmer vom ersten Rang: hierauf kamen die Abgesandten, welche der Herzog von Sandilien und der Ober-Ceremonien-Meister aufführte: ferner die Geheime Staatts-Hof- und krieges-Räte, allesamt in Gutschen mit sechs Pferden bespannet, und von einer Menge bundfärbig gekleideter Edel-knaben und Leibdiener umgeben. Den Schluss machten die Königliche Kürassirer: ihre Kleidung war lichtblau mit rot-sammeten Aufschlägen und goldenen Borden: sie trugen das Aquitanische Wappen in Form eines Kürasses von Silber verguldet auf der Brust, und hatten eine Art von Sturm-Hauben, mit roten Feder-Püschen auf den Häuptern.

Die Bürger stunden längst den Strassen mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen im Gewehr; und die Soldaten, die zu Panopolis in Besatzung lagen, hatten das Tor und den Burg-Platz besetzt. Der Stadt-Magistrat trug die Himmel-Decke über den König, und die Trabanten mit ihren Partisanen gingen neben her zu Fuss. Zwischen jedem Zug liessen sich Paucken und Trompeten hören. Die Häusser waren allentalben mit kostbaren Teppichen, auch hin und wieder mit schönen Gemählden und Blumen Geschirren vor den Fenstern ausgezieret. Alle Glocken in der Stadt wurden geläutet, und alle kanonen auf den Wällen losgezündet. Dieses untereinander schallende Getöss erfüllte die Luft und bewegte die Gemüter der Menschen mit einer gleichsam fürchterlichen Freude.

Die Gräfin von Monteras, welche bisher noch nicht bei Hof erschienen war, fand sich in einem haus, unweit der Burg, und vermeinte unter der unzehlichen Menge der Zuschauer, welche allentalben die Häusser und Strassen erfüllten, diesen Einzug der Königin unbekannt mit anzusehen. Sie liebte den Grafen von Rivera viel zu sehr, als dass sie nicht bei einer solchen gelegenheit suchen sollte, die Wahl ihres Hertzens gegen alles, was hier Aquitanien grosses und schönes zeigte, zu rechtfertigen. Was sie sah, schien ihr reich, prächtig und Königlich: es bewegte sie aber nichts. Ihre Augen hatten sich bereits müde gesehen; als sie endsich, nach so vielen sinnreichen Erfindungen des menschlichen Hochmuts, den Grafen von Rivera erblickte: sie erzitterte in dem innersten ihres Hertzens, da sie ihn an des Königes Seiten beobachtete: sie konte zwei Personen, die bisher ihrer Ruh so gefährlich gewesen waren, nicht ohne Schrecken, so nah bei einander sehen.

Die Gräfin richtete schon von weitem ihre Augen nach der Königin: sie wünschte bei derselben eine Schönheit zu entdecken, die ihre eigene übertreffen möchte: ein Wunsch, den noch wenig Schönen in der Welt getan haben. Der König stöhrte sie in dieser Betrachtung: er erkannte sie, als er vorbei ihrem Fenster ritt. Sehet, sprach er, zu dem Grafen von Rivera, in dem er den Zügel seines Pferdes an sich zog: sehet hier die Gräfin von Monteras. Dem Grafen schlug darüber das Herz: die Röte stieg ihm ins Angesicht: er warf mit Furcht einen blick nach demjenigen Fenster, wo die Gräfin war: der König grüste sie: alle Herren, die um ihn waren, nahmen darauf die Hüte ab, und bezeigten derselben ihre Ehrerbietung. Dieses machte ein grosses aufsehen.

Die Königin, welche gleich hinten drein fuhr, beobachtete solches; sie fragte die Oberhofmeisterin, die gegen ihr über sass, wer diese schöne Dame wär? es ist, antwortete dieselbe, die Gräfin von Monteras: die Königin entfärbte sich darüber: sie hatte die Augen stark nach ihr hingewandt: eine heimliche Eifersucht wolte sich darauf in ihrem Gemüt regen, da sie ihre unschuldige Mitbuhlerin so liebreitzend und so schöne fand; allein der Gräfin ihr demütiges Neigen und ein Auge voller Unschuld und Güte, welches ihr gleichsam ihre Freundschafft abforderte, flösete ihr eine ganze andere Empfindung ein.

Die Gräfin kam den folgenden Tag nach Hof, und machte der Königin ihre Aufwartung: sie wurden beide mit der grössten Verwunderung eingenommen, da eine an der andern so viel Anmut, so viel Geist, und so viel Hoheit des Gemüts entdeckte. Sie billigten beiderseits die Wahl des Königs, und waren eben im Begriff sich einander die Kennzeichen ihrer Hochachtung zu geben, als der König in das Zimmer trat, und sie in ihrem Gespräch verstöhrte. Die Gräfin beurlaubte sich deswegen bald, und ging wieder nach Prato.

Der Graf von Rivera besuchte sie allda öfters; sie waren mit Bewilligung des Königs zusammen versprochen; einige wichtige Ursachen aber machten, dass ihre Vermählung noch auf etliche Monate ausgestellet wurde. Der Graf, welchen der König an des verstorbenenen Ober-Cämmerers Stelle erhoben hatte, übergab demselben um diese Zeit einen Plan, der die Verbesserung seines staates, die Einrichtung seiner Finanzen, und das allgemeine Wohlsein aller Stände betraf. Seine Vorschläge hatten nichts hochgekünsteltes; sie waren ganz einfältig und der natur gemäss; Sie hatten bloss die Ordnung und die Gerechtigkeit zum Grund.

Dieser Plan gefiel dem König und