nichts unreines an; verlass deine Ehebrecherin; begieb dich in ein Land, wo dich niemand kennet. Lebe daselbst entfernet von den Torheiten dieser Welt. Nahe dich immer näher und näher zu GOtt, durch die Weisheit, die von oben kommt; so werden deine Jahre ruhig verschleissen, und dein Ausgang aus der Welt wird dein Eingang in den Himmel sein.
Hierauf verschwand der schöne Geist der Roxelanen, und ich erwachte. Ich hielt sonst nichts auf Gesichter und Träume. Hier aber schien mir der Traum von etwas mehr als einer menschlichen Fantasie herzurühren. Ich ging mit mir selbst zu Rat und fand in mir eine starcke Uberzeugung, dasjenige ins Werck zu richten, was mir Roxelane im Schlaf angedeutet hatte.
Ich verlies Sicilien, den Hof, und meine ungetreue Gemahlin: ich nahm weiter nichts mit mir, als etwas weniges an Gold, nebst den Kleinodien von Roxelanen. Ich hatte niemand bei mir, als meinen Cammerdiener. Ich reiste damit durch ganz Illyrien, und kam bis an diesen Ort: ich fand eine Neigung in dieser Einöde zu bleiben, ich erblickte in der Ferne das Schloss des Grafens von Sylva: ich meldete mich bei ihm, und fragte ihn, ob ihm nicht ein Stück Landes jenseit des grossen Teiches feil wäre. Der Graf betrachtete mich mit besonderer Aufmerksamkeit: er erkundigte sich, wo ich her käm, und ob ich auch Geld hätte, ein Land-Gut zu kauffen? Ich antwortete ihm auf das erste, dass ich ein Lampurdaner wär, der wegen eines gehabten Unglücks ausser seinem Vaterland leben müste: wegen dem andern zeigte ich ihm eine Handvoll Perlen und Juwelen, die ich nebst dem Bildnüs meiner Roxelanen bei mir führte. Der Graf schien darüber verwundert, und lies mir nicht undeutlich einen Argwohn blicken, als ob ich diese Schätze nicht auf eine rechtmässige Art besitzte: solches beleidigte mich nicht, ich begnügte mich damit, ihn einfältig zu versichern, dass ich ein ehrlicher Mann wär; und ersuchte ihn zugleich, meine Kostbarkeiten in Verwahrung zu behalten. Die Art, womit ich ihm dieses sagte, benahm ihm alles Mistrauen; er begegnete mir darauf nicht nur höflich, sondern als einer person seines Standes; Er überliess mir diese kleine Länderei, welche sie hier von mir angebauet sehen.
Das sechzehende Buch.
Der Ritter von Castagnetta endigte damit seine Erzehlung. Der Graf von Rivera danckte ihm dafür auf das verbindlichste. Er freuete sich in einer so durchaus verdorbenen Welt noch hier und da einige Menschen zu finden, welche die Weisheit liebten, und ihren Ursprung kenneten. Er wuste aber nicht, was er von dem nachdencklichen Traum des Ritters und den Offenbarungen der schönen Roxelanen urteilen sollte. Die Schrift, sprach er, hat uns nichts von dem eigentlichen Zustand der abgeschiedenen Seelen entdecket; und wenn die unvergleichliche Roxelane bei ihren Lebzeiten die Bücher der Platonischen Weltweisen gelesen hätte; so würde ich glauben, sie hätte diese Meinungen von ihnen mit in das Reich der Geister genommen.
Der Ritter von Castagnetta merckte bald, wo der Graf mit seiner Erinnerung hinzielte er versicherte den Grafen, dass er damahls noch nichts von den Platonischen Schriften gelesen hätte: Es wär ihm aber aus den Büchern der Offenbahrung dieses als eine beständige Warheit bekannt, dass die Seelen der Gerechten in GOttes Hand wären, wo sie keine Quaal berühren könnte; da im Gegenteil die Seelen der Gottlosen in einen Ort der Quaal und der Finsternüs kämen, wo der Verlust ihrer Seeligkeit und die Verstossung von GOttes Angesicht ihre gröste Marter ausmachte.
Es ist gewiss, fuhr der Ritter fort, dass die Ungerechtigkeit so wenig wird ungestrafft, als die Tugend unbelohnet bleiben. Die Geister, welche in dieser Welt andere plagen, werden in jener Welt wieder von andern geplaget werden. Es wird darin die genaueste Gleichförmigkeit der Strafen mit den Verbrechen sich äussern; und man wird darin die göttliche Gerechtigkeit so sehr, wie seine Liebe, bewundern: so wenig wir auch in diesem Leben die Art und Weise davon einsehen und begreiffen können.
Diese beide Herren schieden darauf, mit den zärtlichsten Versicherungen einer immer währenden Freundschafft, von einander. Der Graf verfügte sich zu dem König nach Aquana; er hielt sich aber daselbst nur einige Tage auf, weil der König wolte, dass er voraus nach Panopolis gehen, und daselbst die Anstalten zu der Königin Einzug machen sollte. Der König folgte bald nach, und hielt sich mit der Königin so lang zu Bellahai auf, bis die Zeit zum Einzug herbei nahete.
Dieser war überaus prächtig: Alle hohe und niedere Bedienten, nebst den verschiedenen Leib-Wachen des Königs wurden zu dem Ende aufgeboten, diesen Pomp zu verherrlichen. Der Zug begunte des Morgens und währte bis gegen Abend. Die Reuter vom Königlichen haus, in rot mit Silber reich besetzter Kleidung, machten den Anfang: ihnen folgten über dreihundert Hand-Pferde, welche an Schönheit die Kostbarkeit ihres Aufputzes noch übertraffen: darauf kamen die Vornehmste Stall-Jägerei- und Hof-Bedienten: nach diesem die Königliche Edelleute von der Cammer, nebst den Ober-Hof und krieges-Beamten.
Der König ritt auf einem weissen Zelter: sein Ansehen war Majestätisch, und das Volck jauchzte vor Freuden, da es seinen Herrn so gesund und leutselig erblickte. Neben ihm zur Rechten, etwas hinterwärts, sah man den Herzog von Miran, als Ober-Hofmeister; und zur Lincken den Graf von Rivera, als Ober-Cämmerer; der Fürst von Alesso aber, als Ober-Stall-meister