verbunden bleiben werden. Ja, diese Vereinigung wird sich nicht nur allein auf treue Ehgatten, sondern auch auf alle diejenige erstrecken, die wir allhier in tugendhafter und reiner Neigung, so wohl dem Blut als dem Gemüte nach, geliebet haben. Dann unsere Tugend bleiben nicht in dieser Welt: sie sind weder dem Tod noch der Verwesung unterworffen: sie folgen uns nach, und vereinigen uns wieder mit GOtt, als ihrem Ursprung. Die Liebe ist die gröste unter allen; sie ist die Quelle, woraus alle andere herkommen: sie ist eine Ausfluss des Göttlichen Wesens, und fliesset auch wieder in das Göttliche Wesen ein. Sie vergöttert unsere natur; sie verkläret uns in dasselbige Bild, und macht uns Göttlicher Eigenschaften teilhaftig.
Die Liebe zu den Creaturen und die Liebe zu GOtt wird alsdann nicht mehr getrennet sein; sondern einerlei Neigung ausmachen; Wir werden alles in GOtt, und GOtt wieder in allem lieben. Wir werden in seine Absichten eingehen, und dabei seine Allmacht, seine Weisheit, und seine Liebe bewundern; Das Böse wird aufhören, und das Gute ewig bleiben. Unsere Liebe wird sich mit ihrem reinen Ursprung verbinden, und aus dieser unendlichen Quelle, ihre Anmut, ihre Nahrung und ihre Ewigkeit schöpfen: sie wird noch immer vollkommener, glückseliger und Göttlicher werden.
Als sie hierauf ein wenig still geschwiegen, und gleichsam frischen Otem geschöpfet hatte, endigte sie mit diesen Worten: Ich empfinde nun für euch, sprach sie, mein Liebster, zum letzten mahl die Schwachheiten einer leidenden natur. Es tut mir zärtlich weh, dass ich von euch scheiden muss. Diese Empfindung wird mit dem körper sterben: Unsere Geister aber werden sich nach diesem Leben auf ewig vereinen. Lebet wohl, mein Gemahl. liebt mich auch nach dem tod, wann es der Zustand von jener Welt und die mir noch unbekannte Ordnung des grossen Schöpfers leiden wird; so soll euch mein Geist von seinem Zustand, wie er von dem leib abgeschieden lebet, einige Nachricht erteilen.
Sie reichte mir hierauf die Hand, und verschied ohne die allergeringste Bewegung: mehr als ein Engel, der verschwindet, als ein Mensch, dessen Lebens-Bande sich mit Schmertzen trennen.
Ich war noch kein so starker Christ, diesen allzu herben Riss der natur mir Standhaftigkeit zu ertragen; Ich sanck darüber zu Boden; Ich litte alle Schmertzen des Todes, und muste leben, um solche zu empfinden. Ich fiel darüber in einen so tieffen Kummer, dass ich wie eine Leiche herum ging, alle Menschen floh, und mich den ganzen Tag hindurch in einem dunckeln Wald, der hinter meinem Garten lag, verborgen hielt.
Ich fand mich in einem Stand der Entblössung, worinn ich die Nichtigkeit meiner eignen Weisheit und Stärcke muste erkennen lernen: Es war mir alles entzogen, womit sich sonst die Menschen trösten können: Die Welt und alles war mir zuwider. Der König, der von meinem Zustand Nachricht eingezogen hatte, sandt mir seinen Leib-Artzt, nebst einem von meinen guten Freunden. Ich war ganz Leutscheu worden, und fühlte deswegen einen heimlichen Schauer, da ich dieser beiden Herrn ansichtig wurde. Diese Bewegung aber verlohr sich bald: sie suchten mich zu bereden mit ihnen nach Hof zu gehen, sie stellten mir vor, dass nichts mein Gemut von seinem anhaltenden Leiden hurtiger abziehen würde, als die Veränderung der Vorwürffe.
Ich liess mir raten: ich wolte nicht eigensinnig sein: ich wuste, wie schädlich diese Gemüts-Art war. Die Bewegung der Reise, die Veränderung der Luft, die gute Gesellschaft; vornehmlich aber der Entschluss, mich ganz und gar der Göttlichen Schickung zu überlassen, machten, dass ich ziemlich wohl zu Palermo ankam.
Der König erzeigte mir viel Gnad: und nötigte mich endlich gar, zum Zeichen seiner Gunst, eine junge Dame zu heiraten, die aus einem der grössten Häuser von Sicilien war: Sie war jung, lebhaft und schön. Ich weiss nicht, warum GOtt diese andere Heirat über mich verhänget hat. Vermutlich sollte mir dadurch alle Welt- und Creaturen-Liebe völlig verleidet werden.
Ich hatte noch kaum einige Wochen in dieser Ehe zugebracht, so entdeckte ich an meiner Gemahlin eine zu allen Ausschweiffungen geneigte Seele: Ihre Laster machten mich an die Tugenden der Roxelanen dencken; das Verlohrne schien mir unschätzbar, das Gegenwärtige unerträglich. Meine Frau hatte eine dermassen üble Erziehung gehabt, dass sie nicht einmal wuste, was Ehre, was Tugend, und was Religion war.
Sie fand sich sehr beleidiget, da ich zum ersten mahl es wagte, ihr einige Vorstellungen zu tun. Wie! Mein Herr, sagte sie bilden sie sich ein, dass sie mich hofmeistern wollen? O diesen Lusten lassen sie sich vergehen: sie haben keine Barbarische Tuneserin mehr vor sich. Ich habe mich deswegen nicht geheiratet, um unter der Botmässigkeit eines Mannes zu stehen, von dem ich mir eingebildet, dass er mir zu Gefallen leben würde. Alle meine Ermahnungen waren also bei ihr vergebens: Sie sagte, dass ihr meine Sitten-Lehren missfielen, und dass sie nach ihrer Weise leben wolte. Damit war unser Verständnis auf einmal aufgehoben, da wir kaum noch vier Monate geheiratet waren. Wir begegneten uns einander ganz fremde, und speiseten selten zusammen an einer Tafel.
Meine Frau ergab sich allen Unordnungen: Sie war bei allen Lustbarkeiten des Hofs: Jedermann schmeichelte ihr: dieses war ihre Haupt-Begierde: sie wolte gefallen, und suchte ihr Vergnügen in der