zu sein.
Es geschah auf Befehl des Bei, dass wir unsern Wohn-Sitz so nah bei der Barbarei genommen hatten: Seine Absichten gingen dahin, seine Würde niederzulegen und bei uns verborgen als ein Christ die übrige Lebens-Jahre zuzubringen. Das Schloss, welches wir bewohnten, lag unweit einem kleinen MeerPort; Wir hatten eine treffliche Vieh-Zucht, und nebst der feinsten Seide auch die reinste Wolle. Die benachbarte Tuneser und Algierer kamen in der Menge herüber gefahren, um solche aufzukauffen. Wir wurden von ihnen bald ausgekundschaftet: Der verkehrte Religions-Eifer kan in der Welt nichts anders als Böses stiften: Ein Tuneser wuste unter andern bei mir und meiner Frauen ungemein sich einzuschmeicheln. Dieser Böswicht war von den Dervis abgeschickt, um meine Frau aus der Welt zu schaffen: Ihr Vater hatte um eben diese Zeit ein gleiches Schicksal gehabt: Die Mahomedaner halten dieses für ein Gesetz, alle diejenige, die von ihrem Glauben abfallen, aus dem Weg zu räumen.
Der Verräter stellte sich, als ob er dem Exempel der Roxelanen folgen wolte, welche gleich nach ihrer Ankunft den Christlichen Glauben mit der grössten Begierde angenommen hatte. Diese Verstellung machte, dass wir ihn zu uns nahmen und ihm alles vertrauten. Man behält noch immer eine natürliche Zuneigung zu solchen Leuten, die mit uns, unter einerlei himmels-Gegend, in diese Welt gekommen sind, und so zu sagen, mit uns einerlei Luft und Speise genossen haben. Roxelane liebte insonderheit ein gewisses kühlendes Getränck, woran sie von Jugend auf gewohnet war. Ihr treuvermeinter Lands-Mann konte solches ungemein nach ihrem Geschmack verfertigen. Er nahm gelegenheit, ihr damit zu vergeben, und machte sich darauf heimlich weg; Damit ich aber auch wissen mögte, wo der Streich herrührte, so hinterlies er folgende Nachricht: Roxelane hat ihren Glauben verläugnet: Der grosse Prophet hat allentalben seine Abgesandten: Sie wird dafür den Tod leiden / und ich schätze mich selig / dass ich zu einem Werkzeug der Göttlichen Rache habe dienen können.
Das Gift tat zwar langsam seine Wirckung; Roxelane aber spürte bald den Tod in ihren Gliedern wühlen. Sie verbarg mir, was sie darüber leiden muste: Ich habe mir, sprach sie, wohl vorgestellet, dass wir nicht lang beisammen bleiben würden: Unsere Liebe ist zu vollkommen; Etwas vollkommenes aber hat keinen Bestand in dieser Welt. Wir müssen scheiden, und ich sterbe als eine Christin; Voll Verlangen und sehnsucht bei demjenigen Heiland zu sein, der sich mir auf eine so ausserordentliche Weise hat zu erkennen gegeben. Nur das einzige quälet mich, dass ich euch verlassen soll: Meine Empfindlichkeit würde darüber mehr als grausam sein, wenn ich nicht wüste, dass der Tod nur unsern Leib, nicht aber unsern Geist trennet.
So stark sie auch ihr Glauben machte, so konte sie doch allhier ihrer Zärtlichkeit nicht vermehren, einige Tränen zu vergiessen. Ich war durch diesen Zufall dermassen gerühret, dass ich einem Sterbenden ähnlicher sah als Roxelane. Mein Schmertz und meine Empfindung ging so weit, dass ich mit ihr sterben wolte. Ich konte in etlichen Tagen nicht die geringsten speisen zu mir nehmen. Ich erfüllte das ganze Haus mit einem jämmerlichen Seufzen und Wehklagen. Ich ging aus einem Zimmer in das andere, und konte in keinem bleiben. Der Verlust von Roxelanen schien mir unerträglich.
Diese, als sie mich in diesem traurigen Zustand sah, suchte alle ersinnliche Trost-Gründe hervor, um mich ein wenig aufzurichten. Warum wollet ihr doch, mein lieber Mann, sprach sie, mir den Tod noch schwerer machen? Seid ihr dann nicht auch ein Christ? Seid ihr nicht das Mittel gewesen, dass ich eine Christin worden bin? Habt ihr mir nicht selbst gesagt: Jenes Leben sei unaussprechlich besser, als dieses? Zweiffelt ihr nun daran? Missgönnet ihr mir solches? O nein! Ich weiss, dass ihr mich liebt, und dass euch deswegen meine Seligkeit erfreuen muss.
Einige Tage darauf richtete sich meine sterbende Frau in ihrem Bette auf: Sie hatte den Tod auf ihren Lippen, ihre Augen aber waren voller Glantz: Es belebte sie gleichsam ein himmlisches Licht: Fahret wohl, mein geliebter Gemahl, sagte sie zu mir, indem sie mich an ihre Brust mit gröster Bewegung druckte, fahret wohl, fasset euch, ich werde scheiden. Wir haben uns auf ewig zusammen verbunden; Der Tod will dieses Band zerreisen; allein seine Macht ist vergebens: er mag den Leib immer hinnehmen, dasjenige, was euch in mir liebt, ist unsterblich. Wir haben uns hier auf Erden nur kennen lernen, um in jenen Wohnungen der seligen Geister auf ewig mit einander zu leben.
Meine Frau redete diese Worte, als eine Seele, die bereits in einer Göttlichen Entzückung lag, und deswegen einen höhern Strahl des Lichts genosse; weil die unordentliche Bewegungen ihres Cörpers aufhörten, und den Geist in der Beschauung des neuen Lebens, dem sie entgegen rückte, nicht weiter hinderlich waren. Ich fragte sie deswegen, ob sie dann vollkommen versichert stürbe, dass unsere Liebe auch in der Ewigkeit noch statt haben würde?
Mein lieber Mann, erklärte sich die Sterbende: Ich weiss, seitdem ich eine Christin bin, dass man im Himmel sich nicht freien noch freien lassen wird. Ich weiss aber auch durch eben den Geist, der uns solches offenbaret hat, dass diejenigen, die sich hier im Herrn geliebet haben, ihre Liebe auch in jener seligen Ewigkeit fortsetzen und unzertrennlich mit einander