und die hohe See zu gewinnen: Ich stunde mit schwerem Herzen von meiner Stelle auf, und ging mit langsamen Schritten nach dem Boot, welches mich in mein Schiff bringen sollte. Indem erblickte ich den Schwarzen: er kam und überreichte mir ein Kästgen. Ich gab ihm dargegen, nebst einem kleinen Geschenck, einen Brief an Roxelanen, darin ich diese schöne Africanerin meiner ewigen Liebe versicherte, und sie zugleich ersuchte, mir von ihrem Zustand und den Fortgängen ihres christentum Nachricht zu geben.
Ich ging damit zu Schiff, und verliess das Tunesische Gestade mit weit mehr Unruh, als ich war dahin gekommen. So bald ich alleine war, öfnete ich das von Roxelanen mir überschickte Kästgen, und fand darin, nebst einigen Kleinodien, ihr mit Diamanten eingefastes Bildnüs: ich betrachtete solches mit einer entzückenden Freude: ich fand dabei ein gefaltenes Papier, und las darin folgende Zeilen:
Geliebter Freund.
Ich sehe euch verreisen: ich begleite euch mit meinen Tränen. Ihr verlasset mich / nachdem ihr mein Herz mit der zärtlichsten Liebe für euch / und mit dem sehnlichsten Verlangen euren Glauben anzunehmen / erfüllet habt. Was soll ich nun anfangen: werde ich euch jemahls wieder sehen: O vergesset nicht eine unglaubige / die mit solchem Eifer sucht glaubig zu mann Carajutz von Damasco: Seine Frau wird die richtige Bestellung eurer Briefe besorgen. Verschmähet unterdessen nicht die Abbildung von einem Weibs-Bild / welches euch eurer Tugend halben liebt. Mein herz sollte euch vielleicht besser gefallen / wann ihr solches kennen würdet. Ich bin eure getreue Roxelane.
Lebet wohl.
In vier und zwantzig Stunden kam ich mit meinem Volck glücklich wieder nach Sicilien. Der Hof war über meine Verrichtungen, so schlecht sie auch waren, doch nicht missvergnügt. Ich rühmte die Grosmut des Bei, und hatte das Glück, dass die FriedensTractaten, wie ich solche mit den Tunesern verabredet hatte, unterschrieben und durch mich ausgefertiget wurden. Ich sandt solche an den Bei, und bat mir keine geringere Vergeltung dargegen aus, als Roxelanen.
Ich schrieb zugleich an dieselbe: Ich bat sie, ihren Vater mit guter Art zu seiner Einwilligung in unsere Heirat zu bereden. Es verflossen bei nah fünf Monate, ehe der Bei der Liebe seiner Tochter nachsehen wolte. Er wurde endlich durch das Lesen guter Bücher, und durch die beständige gespräche des Armeniers Carajutz, von den Wahrheiten der Christlichen Religion dergestalt überzeuget, dass er mir seine Tochter bewilligte, und dabei heimlich den Endschluss fasste, mit der Zeit seine höchste Stelle in der Regierung abzudancken, und sich zu uns nach Sicilien zu begeben.
Ich erhielt diese Nachricht mit einer unaussprechlichen Freude. Roxelane meldete mir dabei, wie, auf was Art und zu welcher Zeit ich sie zu Pessara von meinen Leuten in Türckischer Kleidung sollte empfangen lassen.
Ich kam ihren vorsichtigen Erinnerungen in allem nach: Ich hielt bereits acht Tage mit meiner Gallere in besagtem Hafen. Ich begunte zu fürchten, man mögte unsern Anschlag entdecket haben, weil ich binnen dieser Zeit nichts von Roxelanen vernahm. Wenn man liebt, so ist einem das Warten in dergleichen Fällen die gröste Marter; zumahl, wenn die Furcht dazu kommt, dasjenige, was man liebt, zu verliehren.
Endlich liess sich auf der hohen See ein grosses Tunesisches Fahrzeug sehen, welches einen Boot nach dem Hafen schickte, und sich nach Griechischen Kauf-Leuten, die nach der Levante segeln sollten, erkundigte. Meine Leute waren gleich an Boord, es fand sich keiner von denen, die mit mir zu Tunis waren, darunter. Sie fuhren nach dem Tunesischen Schiff: Roxelane wurde ihnen mit verdecktem Angesicht von einigen Tunesern, als eine vorgegebene Braut eines Bassa in der Levante, überliefert. Meine Leute taten darauf, als ob sie nach Copern segeln wolten; so bald aber hatten sie nicht das Tunesische Schiff aus dem Gesicht verlohren, so kehrten sie nach dem nechsten Hafen von Sicilien wieder zurück, derselbe lag nur drei Meilen von Pessara: Ich hatte mich mit einer kleinen Jagd dahin begeben; es war bereits Nacht, als Roxelane da ankam: Die Freude, die wir empfanden uns wieder zu sehen, litte keine Ausdruckungen. Ich bin nun ganz die eure, sprach Roxelane, indem sie mich in ihre arme schloss, und ich werde nun solche ewig bleiben.
Sie brachte mir so viel Geld und Jubelen mit, dass ich meine Dienste bei Hof abdanckte, und mir in der anmutigsten und fruchtbarsten Gegend von Sicilien, ein schönes Land-Gut kaufte. Ich gedachte hier mein Leben in der süssesten Vereinigung mit meiner liebenswürdigsten Tuneserin zuzubringen. Aber ach! wie eitel sind der Menschen Anschläge.
Ich liebte Roxelanen allzuheftig, als dass ich mich dadurch nicht so sehr an eine blosse Creatur sollte gebunden haben; dergleichen innigste Vereinigung findet man nicht in dieser Welt: Sie war ein Vorschmack des Paradieses, wenn sie nicht die Furcht der Sterblichkeit beunruhigte. Es verging nicht leicht ein Tag, da wir uns dieses nicht vorstellten, und darüber eine gewisse Traurigkeit empfanden, die uns bei dem Genuss des grössten Vergnügens seufzen machte. Wir hatten eine Ahndung, dass wir nicht lang beisammen bleiben würden. Es ist ein verborgener Zusammenhang in der natur, und wie eine Säyte, die man an einem Ende beweget, ihre Rührung zugleich am andern Ende empfinden lässt; so spüret öfters unser Geist ein ihm unbekantes Gefühl von dem, was uns vorstehet. Meine Glückseligkeit war zu gros für eine Welt, darin die meiste Menschen nur zum Leiden scheinen geboren