Tod leiden, als eine Wahrheit verleugnen, deren mich der HErr himmels und der Erden zu überzeugen gewürdiget hat.
Euer Eiffer, grossmütiger Christ, sagte Roxelane, gefällt mir wohl: er schickt sich für eine so edle Seele: ich liebe die Leute, die nach ihrer Art GOtt mit einer solchen Aufrichtigkeit verehren. Dieses zeiget ein Herz, auf dessen Treu man sich verlassen kan. Saget mir aber, geliebter Freund, fuhr sie fort, verbietet euch dann euer Glaube eine Mahomedanerin zu heiraten, die mit euch einen GOtt verehret, nämlich den Schöpffer der Welt, der uns durch seine Propheten den Weg der Tugend hat lehren lassen?
Was mir hierinn, erklärte ich mich, meine Religion erlaubet, verbietet euch die eurige: Euer Vater, schönste Roxelane, hat mir eine Bedingung vorgeleget: ich soll meinen Glauben verleugnen, und den seinigen annehmen: dieses hies euch für einen ehrlichen Mann einen Heuchler geben; der, wenn er an GOtt untreu ist, sich auch kein Gewissen daraus machen würde, solches gegen euch und euren Vater zu sein.
Roxelane beantwortete diese Rede mit einem tiefen Seufzer: Sie schlug ihre Augen, aus welchen einige Tränen flossen, beweglich gegen Himmel. Ach! rief sie aus, du einiger GOtt! warum trennet dasjenige dein Gesetz, was doch die Liebe und die Tugend verbindet?
Sie schwieg hierauf still, und schien demjenigen, was ihr die Liebe für mich eingab, tief denckend nachzusinnen. Wohlan, mein Freund, brach sie endlich heraus: Ich will mit euch diese Ufer verlassen, und euch noch mehr als eine geborne Christin lieben. Das sei ferne, versetzte ich hierauf, dass ich die Wohltaten des grossen Beis, eures Vaters, mit einer solchen Untreu belohnen, und ihm das liebste, was er hat, dafür entführen soll? Dieses ist auch nicht meine Meinung, erwiderte Roxelane: ich hoffe meinen Vater mit gutem dazu zu bereden; denn ich fühle in meiner Brust eine unwiderstrebliche Regung eine Christin zu werden: ich habe verschiedene von euren Büchern gelesen: eure gespräche mit meinem Vater haben mich darauf völlig überzeuget. Ich habe ihm solches entdeckt. Er hat mich auch darüber bestraffet; allein, ich hab ursache zu glauben, dass ihm solches nicht von Herzen gehet, und dass er vielleicht selbst ein Christ werden würde, wenn er nicht zuviel dabei zu verliehren hätte.
Indem sie dieses sagte, hörten wir eine Tür im Seraglio aufgehen, und sahen den Bei auf uns zukommen. O Himmel, sprach er, indem er sich uns näherte, und zugleich die Hand an seinen Säbel legte, was sehe ich hier? Ach Vater! schrye ihm Roxelane voller Schrecken entgegen, indem sie sich zu seinen Füssen warf, mässiget euren Zorn: ist meine Tat gleich ungewöhnlich, so ist sie doch unschuldig. Wie, vermessener Ausländer, redete er mich darauf an, ist dieses diejenige Tugend, damit ihr die Vortreflichkeit eures Glaubens beweisen wollet? Entrüstet euch nicht, geliebter Vater, unterbrach hier abermahl Roxelane, indem sie ihm noch fest an den Knien lag, höret mich, und wo ihr ein Verbrechen findet, so wendet allen euren Zorn gegen mich: ich, nur ich allein, bin schuldig.
Roxelane erzehlte ihm hierauf, wie sie mich hätte zu ihr in Garten kommen lassen, und wie grossmütig und tugendhaft ich mich gegen sie erkläret hätte. Der Bei wurde darüber bewegt: ich schelte euch nicht, meine Tochter, sagte er zu ihr, mit einem besänftigten Wesen, dass ihr diesen Ausländer liebt: ich selbst bin ihm gewogen; allein, mein Freund, fuhr er fort, indem er sich zu mir wendete, ihr wisset meine Meinung: ohne ein Mahomedaner zu werden, könnet ihr meine Tochter nicht besitzen. Wollet ihr diese Bedingung nicht eingehen, so verlasset uns, und stürzet uns beide nicht ins Unglück. Er reichte mir darauf zum Zeichen seiner Freundschaft die Hand, welche ich mit Ehrerbietung küste, und lies mich wieder durch lange Gallerien aus dem Seraglio bringen.
Die Liebe zu Roxelanen verursachte bei mir eine recht peinliche leidenschaft, sie schien mir eine allzuschöne Seele zu haben, als dass ich zu ihrer völligen Bekehrung nicht alles wagen sollte: gleichwohl sah ich mich durch eben die gesetz des christentum gebunden, in dieser Sache mich keiner andern Mittel zu bedienen, als die mit der wahren Aufrichtigkeit übereinkamen. Meine Liebe zu Roxelanen wurde durch die mindeste Absicht beflecket, die nicht mit der Reinigkeit des christentum übereinstimmte.
Der Bei sand mir den andern Morgen nicht nur das ihm gezahlte Löse-Geld wieder zurück; sondern begleitete solches auch mit ansehnlichen Geschencken. Wobei er mir zugleich andeuten lies, dass eine Gallere für mich fertig hielt, mich samt meinen Leuten nach Sicilien zu begleiten. Dieses war ein Befehl: ich konte solchem nicht entgegen handeln. Ich nahm also von dem Bei Abschied, und zeigte ihm für seine mir erwiesene Grosmut die lebhafteste Danckbarkeit.
Es wurde mir nicht erlaubt, Roxelanen noch einmal vor meiner Abreise zu sehen. Ich hielt deswegen einen Brief an dieselbe fertig, in Meinung solchen dem Schwarzen einzuhändigen, wenn er sich noch einmal bei mir melden würde. Ich betrog mich nicht in meiner hoffnung: meine Leute waren bereits an Boord: ich sass noch auf einem niedrigen Gemäuer an dem Hafen, und hatte meine Augen beständig nach dem Seraglio hingewandt. Die Segel wurden aufgezogen, die Ancker gelöset, und man kam mir anzudeuten, dass man bereit wär vom Land zu stossen,