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und in dem Frieden. Es wäre zu weitläuftig alle gespräche, die ich über dergleichen Materien mit dem Bei gehabt, hier anzuführen.

Das Geld, um mich und meine Leute auszulösen, war unterdessen angekommen. Ich hatte das Glück, dem Bei gewisse Vorteile begreiflich zu machen, wenn die Tuneser mit den benachbarten Sicilianern in gutem Vernehmen leben würden; Er brachte solches vor den Divan, und gab mir darauf Befehl mit meinem Hof über ein und andere Artickel, welche das gute Verständnüs dieser beiden Völcker und ihre Handelschafft betraffen, zu tractiren. Ich zweiffelte nicht, in diesem Geschäffte glücklich zu sein; allein, da die Zeit herbei kam, dass ich von Tunis verreisen sollte, so muste mich der Bei daran erinnern.

Er hatte eine Tochter mit Namen Roxelane, welche eine der ausbündigsten Schönheiten war, die ich je gesehen hatte. Ihr Vater liebte sie ungemein; sie war schier immer bei ihm, wenn er sich mit mir in Gesprächen unterhielt. Ihre Blicke hatten einen unüberwindlichen Liebreitz: so bald schlug ich nicht meine Augen in die Höh, so blitzten mir die ihrigen entgegen, und trieben mir die Röte ins Angesicht: der Bei bekam deswegen öfters von mir solche verkehrte Antworten, dass er mir die Abwesenheit meiner gedanken vorwarf; Er merckte bald, dass die Gegenwart seiner Tochter solches bei mir verursachte: er hatte darüber ein heimliches Vergnügen: er fragte mich endlich, ob mir seine Tochter gefiel? ich bekannte ihm solches; er sagte mir, dass es nur auf mich ankäme, alles, was ich wolte, von ihm zu erlangen.

Ich erklärte mich, wenn es eine Möglichkeit wär, seine Hochachtung und Roxelanen zu besitzen, ohne meinen Glauben zu verändern, so würde ich in der Welt nichts höher schätzen. Seid nicht so eigensinnig, versetzte der Bei hierauf, wenn euch meine Tochter und meine Freundschafft lieb ist, so könt ihr euch ja leicht zu unserm Glauben bekennen, weil wir mit euch doch einen GOtt verehren: wir erkennen dabei euren Christum für einen grossen Propheten. Warum wolt ihr unserm Mahomed nicht gleiche Ehre erweisen? Christus und Mahomed, war meine Antwort, sind in ihrer person und in ihren Lehren allzuweit von einander entfernet, als dass man sie jemahl gegen einander sollte vergleichen können. Der Bei seufzete darüber, und schlug die Augen gegen Himmel. GOtt, sprach er, geb uns zu erkennen, wer von uns beiden den rechten Glauben hat.

Ich fühlte unterdessen bei mir ein ausserordentliches Leiden: bis schöne Mahomedanerin hatte mir ein allzuchristliches gesicht; ich meinte, sie sollte sich deswegen viel besser für meinen Glauben schicken, wo in einer tugendhaften Ehe eine reine ungeteilte Liebe herrschte. Ich unterhielt mich mit diesen Gedanken, als ich einsmahls, kurz vor meiner bestimten Abreise, da ich, nach meiner Gewohnheit, längst dem Ufer des Meers spatzieren ging, eines Schwartzen gewahr wurde, der mir auf dem Fuss nachfolgte: er überreichte mir ein Papier: ich eröffnete solches, und fand darin diese Worte:

Tugendhafter Fremdling.

Ihr wollt verreisen und ich liebe euch: ich möchte gern deswegen euch alleine sprechen. Folget diesem Sclaven / er wird euch sicher zu mir bringen.

Roxelane.

Diese Zeilen machten mich bestürtzt: ich wuste nicht, was ich tun sollte: Ich sah in dieser Sache nichts als Gefahr vor mir; die Liebe gab indessen den Ausschlag. Ich folgte dem Schwartzen, er brachte mich in den Garten, worinn ich öffters Roxelanen mit ihrem Vater gesehen hatte: Er hiess mich hier warten, und verlies mich.

Roxelane erschien: eine angenehme Demmerung, welche den Glantz des Mondes erhellete, gab mir ihre Schönheit vollkommen zu erkennen: sie war auf eine Art gekleidet, die mir alle Reitzungen davon entdeckte: ein lichter Silber-Flor hieng von ihrem Haupt herunter: ihre Haare waren künstlich in Locken gelegt, und mit grossen Orientalischen Perlen durchflochten; ein dreieckigt gebogenes Silber-Blech mit doppelt geschliffenen Diamanten besetzt, gläntzete auf ihrer Stirne: ihre Brüste waren nur mit einem dünnen Schleier bedeckt, und zeigten zugleich den feinsten Wuchs des schönsten Leibes. Kurz, ihr ganzes Wesen hatte etwas so einnehmendes und entzückendes, dass ich als ein Mensch, der ausser sich war, vor ihren Füssen niedersanck. Ich küste ihre hände, ich umfaste ihre Knie: ich seufzete und konte kein Wort zum andern bringen.

Roxelane schien nicht weniger gerührt; Mein Vater, sagte sie mit einer schwachen stimme, hat euch zu meinem Bräutigam erwehlet, und mein Herz hat dessen Wahl gebilliget; eure Augen haben mich beredt, ihr wäret damit zu frieden; und nun wolt ihr verreisen? dieses verschmähet mich. Ich kan euch meine Empfindlichkeit darüber nicht bergen; entdecket mir davon die ursache. liebt ihr mich nicht, so will ich euch nicht nötigen hier zu bleiben; es wäre mehr meine Schuld als eure, wann ich euch nicht gefiel. liebt ihr mich aber, wie mich dessen eure Augen und eure Gebehrden so offt beredet haben, warum wolt ihr mich verlassen?

Dürfte ich, o himmlische Roxelane, war meine Antwort, keinen andern Gesetzen, als den Bewegungen meines Herzens folgen; so würde ich mein Leben für mehr als glücklich schätzen, wann ich es auch nur als ein Sclave in euren süsen Banden zubringen könnte; allein, ich bekenne mich zu einem Glauben, welchen man hier verabscheuet. Ich bin ein Christ, und achte es für meine höchste Ehre ein solcher zu sein; ich würde tausendmahl lieber den schmählichsten