, zu meinem heimlichen Vergnügen darüber ihre Verachtung.
Dieses sind, werteste Leonora, endigte ich hier meine Erzehlung, die Umstände, worinn ihr mich sehet. Ich liebe Elviren: ich liebe sie ohne alle hoffnung.
Donna Leonora wurde durch diese Nachricht sehr gerühret: sie schien mit vielem Nachdencken dasjennige zu überlegen, was sie von mir gehöret hatte: sie schlug die Augen vor sich hin: sie seuffzete. Ich bemerckte bei ihr einen innerlichen Streit. Die Grossmut siegte: O ich törichte, fing sie an, dass ich dieses Spiel nicht besser eingesehen! doch, ich habe mich verbunden, euch meine Aufrichtigkeit zu zeigen; ich will euch Wort halten, und morgen solt ihr wissen, was ihr bei Elviren zu hoffen habt.
Die Umstände, worin ich mich fand, waren die wunderlichste von der Welt: Eine Dame, die mich selber liebte, suchte mich bei ihrer Mitbuhlerin glücklich zu machen, und ich sprach bei meiner Geliebten für einen Mitbuhler. Hat die Liebe auch wohl jemahls ihre Neigungen seltsamer verwirret?
Donna Leonora fuhr den andern Tag zur Donna Elvira: Diese wolte sich anfangs gegen ihr nicht heraus lassen: Endlich gab sie sich durch ihren Eifer bloss: sie meinte, wann ich sie liebte, so würde ich nicht für den Don Ferdinand reden. Donna Leonora sagte mir dieses wieder. Sie schmeichelte mir mit der süsesten hoffnung; als gleich darauf ein unglückseliger Zufall mich derselben auf einmal entsetzte.
Ich fande mich in einer grossen Gesellschaft bei der Herzogin von Tabosa: ich stunde an einem Fenster, welches in Garten ging, und unterredete mich mit dem Fürsten von Piscara. Der Graf von Pradez gesellte sich zu uns: Er sprach von der genauen Freundschaft, die sich einige Zeit her unter mir und Don Ferdinand geäussert hätte: er nannte mich einen feinen Hofmann, weil ich diesen meinen Mitbuhler dergestalt an mich gebunden hätte, dass er keinen Schritt ohne mich tun könnte. Ich bat ihn, nicht so unbescheiden von Don Ferdinand zu reden; der Fürst von Piscara aber, der ein Vetter des Don Ferdinand war, und der eigentlich diese Heirat zu machen suchte, knirschte darüber für Eifer die Zahne, und ging stehenden Fusses zu seinem Vettern, welcher in einem andern Zimmer mit einigen Damen spielte; er bat ihn, sein Spiel einem andern zu geben, und verfügte sich mit ihm auf einen Balcon vor dem Saal.
Der Graf von Pradez hatte sich unterdessen zu seinem Glück weggemacht, es währte nicht lang, so kam Don Ferdinand wieder in das Zimmer getreten; der Zorn flammte ihm aus den Augen; Wo ist der plauderhafte Pradez? redete er mich an, ich will sehen, ob er auch das herz haben wird, mir dasjenige ins Gesicht zu sagen, was er sich gegen euch und meinen Vettern hat verlauten lassen. Ich suchte ihn darauf mit den glimpflichsten Reden zu besänfftigen, ich hielt ihn zurück, als er dem Pradez nachfolgen und ihn aufsuchen wolte; er erhitzte sich darüber noch mehr. Don Diego, der unsern starcken Wort-Wechsel hörte, nahete sich zum grössten Unglück zu uns; er wolte die Ursache wissen, warum wir beide so aufgebracht wären? Don Ferdinand, ohne ihm solche zu entdecken, bediente sich gegen mich einiger Redens-Arten, die sehr anzüglich waren. Ich tat, als ob ich solche nicht auf mich zög; dem Don Diego aber, der sehr stolz und jäh-zornig war, wolte meine Sanftmut nicht einleuchten, er hielt solche für eine Zaghaftigkeit.
Ich ging darauf mit ihm und seinem Bruder dem Don Juan nach dem grossen Garten, wohin wir unsere Leute bestellet hatten. Unter weges stichelte Don Diego beständig auf mich. Er sagte, dass er alle Freundschafft für mich hätte; allein, dass er nicht läugnen könnte, wie ihm meine allzugrosse Eingezogenheit, damit ich Don Ferdinand seine Reden beantwortet hätte, schimpflich vorkäm. Ich machte darüber seinen Bruder zum Richter, und erzehlte ihnen beiden die ganze Begebenheit. Don Juan gab mir Beifall, und rühmte meine Vorsichtigkeit: dieses verdross seinen Bruder ungemein: der Zorn übernahm ihn: er schalt uns beide zaghaft.
Ich spürte, dass sich das Blut bei mir in allen Adern regte: der Odem wurde mir kürzer und das Feuer stieg mir wie Strahlen nach dem Haupt. Haltet ein, Don Diego, sagt ich mit einem erhabenen Ton, haltet ein mit euren Beleidigungen, oder ihr werdet mich zwingen, euch einen Mut zu zeigen, an welchem ihr zweifelt. Ich hatte diese Worte kaum ausgesprochen, so stiess mich Don Diego mit einem ergrimmten Auge auf die Seiten; ich faste aber denselben in gleicher Bewegung mit dem Elnbogen, und schmiss ihn übern Hauffen. Wir zogen damit beide von Leder: Don Diego drang als ein Verzweiffelter auf mich ein. Ich war also gezwungen, mich gegen den Bruder von Don Juan, und von Leonoren zu wehren: in dieser Betrachtung suchte ich alle seine Stösse zu pariren, und ihn mehr als mich selbst zu schonen. Meine Meinung war, ihn zu entwafnen; ich gab ihm desswegen eine Blöse über meinen rechten Arm, und streckte mit steiffer Hand die Klinge nach ihm hin; mein Gegner aber war von seiner Wut geblendet: er sah weder seinen Vorteil, noch meinen Degen. Er rannt in meine Klinge, welche ihm durch die Brust ging, und fiel als tot zur Erden nieder.
Ich war der erste, der ihm zu Hülf eilte: sein Bruder aber riss mich von