an den Höfen hervor zog, und beförderte; und diejenige im Gegenteil für einfaltig schalt und sitzen liess, die sich der Unschuld und Aufrichtigkeit beflissen. Ich nahm mich daher wohl in Acht, in dergleichen Schwachheiten nicht zu verfallen. Man gebrauchte mich zu den verwirrtesten Händeln: ich wurde an verschiedene Höfe versandt; wo ich alles, zum Dienst des meinigen, mit List und Betrug glücklich ausmachte. Ich bediente mich dazu bald der herrschenden Sultanin, bald eines geizigen Ministers, bald eines hochmütigen oder abergläubischen Beicht-Vaters, nachdem nämlich die Geschäfte waren, die ich zu tractiren hatte; und nachdem die Personen, davon ich rede, mir darinnen behülflich sein könnten.
Ich hatte mich gleich Anfangs, als ich in Diensten kam, ziemlich vorteilhaft geheiratet; die gesetz des Ehstands aber banden mich an nichts; ich glaubte, dass solche nur für den Pöbel wären. Ich half dem ungeacht manchen wacker strafen, wenn er in diesem Punct ein wenig über die Schnur gehauen hatte; ob er mir gleich weit grössere Verbrechen vorrücken konte. Ich dachte noch nicht daran, dass ein GOtt wär, der das Böse strafte und das Gute belohnte; es ging mir viel zu wohl, als dass ich die Wirkungen des Bösen bei mir hätte wahrnehmen sollen.
Ich wurde bei Hof für einen Edelmann gehalten, der sich zu allen Ergötzlichkeiten am besten schickte, ich war deswegen von allen Partien, wo es lustig hergehen sollte, geliebet: Unter den frechsten Damen hatte ich den grössten Beifall; weil ich sie frei nach ihren Neigungen urteilte und solche durch keine angenommene Ehrbarkeit in Zwang setzte.
Meine Frau kam wenig nach hof, sie wuste nichts destoweniger alles, was daran vorging; sie hatte von allem, was ich tate, und so gar auch öfters von meinen Gesprächen genaue Nachricht. Ich fande mich einsmahl auff einer Maskerade. Eine Dame von überaus schönem Gewächs und einer sehr wohl ausgesonnenen Kleidung fiel mir dabei ins Gesicht: ich hielte sie für fremd, weil ich kein Merkmahl hatte, sie unter ihrer Larve zu erkennen: sie hatte einen schlanken Leib und ihre Gebehrden waren durchaus edel und ungezungen: ihre Maske gab ihr dabei ein holdes und reitzendes Ansehen. Sie tanzte mit der grössten Anmut: ich hatte selbst sie zweimahl dazu aufgefordert: ich fande mich von ihr gerührt: ich sagte ihr die gröste Schmeicheleien: ich schätzte den Menschen über alles glückselig, der von einer solchen Schönheit geliebet würde: sie druckte mir dafür die Hand, und gab mir solche Antworten, daraus ich urteilte, dass ihr meine Reden gefielen. Ich brachte sie endlich unter dem Schein ihr einige Erfrischungen reichen zu lassen, in ein Neben-Zimmer. Hie nahm sie die Larve vom Gesicht und zeigte mir meine Frau. Undanckbarer! redete sie mich an, ist dieses die Aufführung eines verehligten Mannes? ich erschrack; doch erhohlte ich mich eben so bald. Ich wolte euch Madame, sprach ich, dieselbige Frage tun: es schicket sich nicht wohl für eine so frome Frau, als ihr sein wollet, auf einem öffentlichen Ball die Liebkosungen einer fremden Maske anzunehmen: sie sagte, dass sie mich wohl gekant hätte, und dass sie deswegen sich auf diesen Ball gewaget, um meine Aufführung selbst mit anzusehen; ich behauptete, dass solches nicht wohl sein könnte, weil ich mich unter einem Domino versteckt hätte. Sie bewies mir, wie sie davon die vollkommenste Nachricht gehabt habe: ich setzte ihr meine Gründe dargegen; der Process blieb endlich unentschieden und wir mussten uns in der Güte vergleichen. Meine Frau bildete sich unterdessen viel darauf ein, dass sie auf diese Weise mir gezeiget hätte, wie sie noch solche Annehmlichkeiten besässe, die sie könnten beobachten machen; und bildete sich vest ein, dass ich sie lieben würde, wenn sie meine Frau nicht wäre.
Dieser Zwang wurde mir in die Länge unerträglich: ich konte mich durch keine gesetz binden, vielweniger mir durch eine Frau, die mir so abgeschmackt als die meinige schien, Lebens-Regeln vorschreiben lassen. Ich sann also auf Mittel ihrer bald los zu werden. Sie war sehr zum Zorn geneigt: sie konte sich über die kleinste Dinge dermassen ärgern, dass sie öfters sich dabei nicht mehr kante. Ihr Geblüt wurde darüber entzündet und die Galle in alle Glieder getrieben: da mussten nun die ärzte raten. Diese gaben ihr allerhand niederschlagende Pulver und zerteilende Artzneien, welche sie öfters wieder zurecht brachten, und mir die Hoffnung benahmen, meiner Frauen bald los zu werden; ich brachte ihr deswegen bescheiden bei, es wäre bei ihr nichts anders, als Hypochondrie; und müste sie deswegen etwas wider die Wind und Blähungen gebrauchen; dazu sei nichts dienlicher als gute abgezogene Luft-wasser und Magenstärkende Essenzen. Sie machte sich ohnedem schon eine Verrichtung daraus, dergleichen wasser selbst zu brennen, und sie als Arzneien an die Armen zu verschencken: Sie liess sich meinen Rat gefallen, und nahm, wiewohl heimlich, wenn sie in ihrem Laboratorio war, ziemlich starke Proben von ihren destillirten Wassern. Als ich dieses merkte, spielte ich ihr die starkste Chymische Processe in die hände, darüber sie erkrankte und durch ihren darauf erfolgten Tod, die Zahl meiner Missetaten vergrössette.
Niemand war froher als ich: ein alter Franciscaner, der zu mir gekommen war, um mich über das Absterben meiner Frauen zu trösten, stöhrte dieses Vergnügen. Diese Leute haben in der Welt wenig zu verliehren. Die Strengigkeit ihres Ordens setzen sie gegen die Begierden, reich