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Ferdinand auf keinerlei Weise zu vergleichen war. Ich konte nicht närrisch hochmütig sein, noch mir einbilden, dass man mich, der ich so wenig in der Welt zu bedeuten hatte, dem Don Ferdinand vorziehen würde.

Ich ging einsmahl voll trauriger Gedanken nach dem Pallast des obersten staates-Ministers. Donna Leonora, die aus der Gutsche stieg, und mich ankommen sah, bot mir die Hand, sie hinauf zu führen: ich brachte sie auf ihr Zimmer. Sie kam von der Donna Elvira: sie lebten beide zusammen in grosser Vertraulichkeit. Wisset ihr, sagte sie zu mir, dass Don Ferdinand Elviren liebt? Dieses ist richtig, war meine Antwort, ich wuste aber noch nicht, dass Don Juez, ein Sohn des Herzogs von Sandossa, die Donna Lecnora heiraten werde: wenn ich mit dazu gehöre, antwortete diese, so ist die sache noch weit entfernet. Don Juez gibt sich meinetwegen viel Mühe: er hat bereits bei meinem Vater um mich anhalten lassen; allein ich habe mich zu nichts erkläret; ich will hören, was sie mir raten. Wie! fragte ich mit Verwunderung, ich soll ihnen raten? folgen sie dem Trieb ihres Herzens, fuhr ich fort, wenn sie glücklich sein wollen. So wird nichts daraus, erwiderte sie mit einem tief geholten Seufzer: ich werde ledig bleiben müssen: weil ich sehe, dass die Liebe mir nicht günstig ist.

Sie begleitete diese Worte mit einem blick, der mir bis in die Seele fuhr: ich verstund sie. Ich schlug die Augen nieder: ich war verwirret: ich verwies mir als eine Untreu, dass ich ihr meine Liebe zu der Donna Elvira bisher verschwiegen hatte: ich wuste, dass Donna Leonora mir wohl wolte, und dass ich ihr bisher durch die Kennzeichen meiner Hochachtung zugleich die Meinung beigebracht hatte, als ob ich auch einer zärtlichen Neigung gegen sie fähig wär.

Ich warf mich deswegen voller Schaam und Verwirrung zu ihren Füssen: werteste Leonora, sprach ich zu ihr, verzeihet einem undanckbaren; ich bin der Gunst, welche ihr mir erzeiget, ganz unwürdig. Ich liebe Elviren, und ich habe euch bisher dieses Geheimnüs verborgen; da ich doch nach unserer genauen Freundschafft, euch solches zu offenbahren, war verbunden gewesen.

Ich konte nach dieser kurtzen Geständnüs nicht weiter reden. Leonora schien darüber für Bestürtzung ausser sich. Wie! sprach sie, ihr liebt Elviren? und man hat mir dieses Geheimnüs verborgen? O unglückseelige Freundschafft! wie hast du mich betrogen? Was aber, fuhr sie mit gleicher Bewegung fort, was hat euch veranlasset, mir solches zu verschweigen? Ich bat sie deswegen tausendmahl um Vergebung; und zeigte ihr dabei einen so tiefen Kummer, dass sie mich b e k l a g t e .

Nur nicht den Mut verlohren, mein lieber Marggraf, sagte sie mit einem grossmütigen Wesen, man ist nicht Meister von seinem Herzen. Ihr habt mich bisher für eure beste Freundin gehalten; ich will euch zeugen, dass ihr euch an mir nicht betrogen habt. Nur saget mir, wie ihr Elviren liebt, und doch bei ihr das Wort für den Don Ferdinand, euren Mitbuhler, redet? sie selbst hat mir davon Eröfnung getan und schien darüber eben so verwundert zu sein, als ich.

Ich war noch kaum einen monat an diesem Hof, erklärte ich mich hierauf, so wurde ich von Elviren eingenommen: sie lies mir, so offt ich sie zu sehen bekam, eine gewisse Güte sehen, die meiner EigenLiebe schmeichelte: sie schenckte mir auf eine Art ihre Freundschafft, die mir von ihrem Herzen auch etwas zärtliches zu versprechen schien. Ich wiederstund anfangs dieser Einbildung; allein, ihre Augen hatten für mich die allerverführischte Beredsamkeit. Ich unterstund mich dem ungeacht niemals mich ihr deutlich zu erklären; nur meine Blicke und meine Gebehrden gaben ihr mein heim iches Leiden zu erkennen; meine Neigungen waren zu demütig, mir zu liebkosen, und zu stark, solche zu überwinden. Sie hatten etwas, das Elviren gefiel: und wenn sie sah, dass ich darüber den Mut verlohr, so zeigte sie mit ein gewisses Mitleiden, das mich auf einmal wieder mit neuer Hoffnung belebte. Mein seltsames Verhängnüs machte mir auch ihre Stiefmutter gewögen: ich gewann dadurch zwar einen desto freiern Zutritt in ihrem Haus; allein, ich geriet dadurch auch zugleich in ein solches Labyrint, daraus ich mir nicht helffen konnte. Ich muste der Mutter schmeicheln, um die Tochter zu sehen, und war in steter Gefahr, bald die Freundschaft der einen, oder der andern zu verliehren.

Die gröste Verwirrung kam noch dazu, als Don Ferdinand, weil er sah, dass mir diese beide Damen wohl wolten, mir seine Neigung für Elviren entdeckte, und sich dabei meine Freundschaft ausbat. Ich kont ihm solche nicht versagen: doch wolt ich ihm auch nicht bergen, dass ich selbst die Donna Elvira liebte. Er war über diese meine Erklärung, damit ich mich eben so offenhertzig gegen ihn, als er sich gegen mich heraus lies, ungemein bestürtzt. Ich beruhigte ihn aber damit, dass ich ihm sagte: ich liebte ohne hoffnung, und gönte ihm deswegen Elviren vor einem andern.

Ich nahm in der Tat hierauf bei ihr dessen Partie: ich rühmte seine gute Gestalt, seine ernstaffte Tugend, sein redliches Gemüte, seine gründliche Vernunfft, und mehr als alles dieses, seine grosse Reichtümer. Die Mutter war mir dafür verbunden; die Tochter aber zeigte mir