mich seiner Treu und Sorgfalt mit sehr andringenden Worten. Dieser war ein stiller und gelehrter Mensch. Viel Geist hatte er nicht: Ein anhaltender Fleiss und ein gutes Gedächtnüs brachten ihn nichts destoweniger sehr weit. Wir gingen kurz darauf nach Tolosa, wo damahls die berühmteste Leute in allen Wissenschaften sich befanden.
Ein so grosser Ort und eine solche Menge von allerhand Menschen hatte für mich etwas neues: Ich war von natur sehr eitel: Ich wolte immer in Gesellschaften und in die Schauspiele gehen. Ich bekam eine Neigung mich nett und kostbar zu kleiden. Ich bildete mir ein, ich gefiel; Diese Einbildung war mir nicht zu verdencken: Ich kante die Welt noch nicht: Alle Leute, die mit mir umgingen, sagten mir tausend Schmeicheleien: Ich wuste nicht, dass man einem dergleichen Dinge vorsagte, ohne dass man auch solche glaubte.
Nach drei Jahren kam ich wieder zurück nach haus, ich tat hernach in Begleitung meines Hofmeisters auch meine Reisen, und fand bei meiner Wiederkunft meinen Bruder verheiratet. Dieser war von einem neidischen und eigennützigen Gemüt: Er betrachtete mich nur wie den Cadet vom haus, und konte nicht wohl leiden, dass ich mir das Ansehen gab, als ob ich mir auch ein Recht darin anmaste.
Mein Vater wuste solches: Er war darüber sehr betrübt. Ich behielt dich, mein liebster Sohn, sprach er einsmahl zu mir, gern noch eine Weile bei mir: ich werde baufällig, und darf über einige Jahre zu leben nicht mehr hinaus rechnen. Wie vergnügt wolt ich sterben, wenn du mir köntest die Augen zudrücken. Allein, ich sehe mit bekümmertem herzen, dass dich dein Bruder nicht liebt. Wir können doch nicht immer beisammen bleiben. Lasset uns deswegen voneinander scheiden, ehe der Tod uns trennet. Entziehe dich der Verachtung deines Bruders: folge einem höheren Beruf: begib dich nach Hof: diene dem König und dem Staat: ich habe an dem ersten staates-Minister zu Novarena, dem Herzog von Albamar, noch einen alten Freund: ich will dich zu ihm schicken: ich zweifle nicht, er werde sich deiner annehmen.
Wir schieden kurz darauf nicht ohne grose Bewegung, von einander. Ich kam nach Novarena. Der Herzog von Albamar empfieng mich mit der grössten Freundschaft: Er brachte mich vor den König: Dieser war ein kluger Fürst, und liebte die Künste und Wissenschaften. Ritter, redete er mich an: ihr habt studiret: ich werde euch gebrauchen können: ich mach euch zum Edelmann von meiner Cammer. Der Herzog von Albamar kan euch dabei etwas zu tun geben. Ich bog darauf nach Hesperischer Art die Knie: der König reichte mir die Hand: ich küste solche, und von derselben Zeit an erschien ich täglich bei Hof.
Der Herzog von Albamar bediente sich meiner in seiner Geheim-Schreiberei: ich kam zuweilen ganze Nächte nicht ins Bette; nachdem die Geschäffte eine schnelle Ausfertigung erforderten. Er sah, dass ich arbeitsam und verschwiegen war: Dergleichen Leute waren ihm angenehm: er hatte zwei Söhne und eine Tochter: wir sahen uns einander schier täglich, der älteste von den Söhnen hies Don Diego, der andere Don Juan, und ihre Schwester Donna Leonora.
Ich lebte mit Don Juan in der genauesten Freundschafft: unsere beide Gemüter hatten zusammen eine grosse Ubereinstimmung; der Vater brauchte ihn, wie mich, in seinen Geschäften: wir halffen einander redlich, und machten uns hernach zusammen auch wider allerhand Ergötzlichkeiten. Er führte mich in die beste Gesellschafften, und brachte mich unter andern auch in das Haus des Fürsten von Alfaresch.
Dieser war ein rauher, unfreundlicher und hochmütiger Mann: er lachte nie, als wenn er böses im Sinn hatte: er redete sehr wenig, und wenn er redete, so waren alle seine Worte abgemessen: nichts war steiffer, langweiliger und verdriesslicher als sein Umgang. Diesen Mangel aller Leutseligkeit ersetzte seine noch junge Gemahlin. Der Fürst hatte sie erstlich geheiratet, nachdem er schon eine lange Zeit war Wittwer gewesen. Er hatte eine einzige Tochter von der ersten Ehe, Namens Elvira; diese lebte mit ihrer Stief-Mutter in ziemlich gutem vernehmen: Die Mutter war nicht viel älter als sie, und besass nicht weniger Geist als Schönheit. Sie war aber dabei von derjenigen Eitelkeit eingenommen, dass sie glaubte, sie müste sich bessere Kenner, als die Augen ihres abgelebten Gemahls wehlen, um von dem Wert ihrer Annehmlichkeiten zu urteilen. Die allzustrenge Beobachtung der Ehelichen Treu schien ihr eben kein Sacrament zu sein: ihr Verstand muste ihr dazu dienen, allen Ausschweiffungen ihres Herzens das Wort zu reden. Die Vernunfft selbst schien ihr Ausflüchte an die Hand zu geben, wann die Religion sie verbinden wolte, einen Mann zu lieben, der so wenig liebens würdig war.
Donna Elvira hiengegen hatte ein ganz unschuldiges Wesen: sie war noch sehr jung: ihr Geist begunte sich kaum, wie ihre Schönheit, gleich den ersten Frühlings-Rosen, zu entblättern. Ich wurde von ihr im ersten Augenblick gerührt, und empfand für sie eine Neigung, welche der Liebe nicht unähnlich sah. Ich hatte einen Mit-Buhler an Don Ferdinand von Orihuela. Er war ein Sohn des Herzogen dieses Namens; ansehnlich, reich, und von einem der mächtigsten Häuser in Hesperin. Ich wuste, dass die Liebe ihre eigene gesetz hatte; allein, dass man solchen im Heiraten insgemein am wenigsten zu folgen pflegte. Ich war ein Cadet von einem Marck-Gräflichen haus, der mit Don