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, auf Art einer Schaubühne geheftet waren. Die Scheibe selbst hieng an einem ganz licht-hellen und nach der Baukunst verfertigten Portal, welches nach vollendetem Schiessen mit einmal in lichte Flammen geriet, und unter einem anhaltenden Kunst-Feuer eine weile fortbrandt. Der ganze Teich war dabei rings umher mit kleinen HolzFeuern erleuchtet, welches im Perspectiv eine ungemeine Wirckung tat. Die Music und die abwechselnde Losungen der Paucken, Trompeten und kanonen, die mit den Böllern und Waldhörnern, auf den Schiffen erschallten, schienen da herum die ganze Gegend lebendig zu machen.

Der König war bei allen diesen Lustbarkeiten so

munter und so vergnügt, dass er den Grafen, zum Zeichen seiner Erkentlichkeit, vielmahl umfieng und an seine Brust druckte. Die neue Königin hatte etwas so huldreiches, gefälliges und angenehmes in ihrem Wesen, dass sie sich von dem König in der Vertaulichkeit des Ehstandes noch immer mehr lieben machte.

Nachdem nun der Graf dem König gezeiget hatte,

dass er eben so geschickt sei, ihm allerhand Veränderungen zu machen, als gute Ratschläge zu erteilen; so gab er ihm bescheiden zu erkennen, dass es nun Zeit wär, sich wieder in die vorige Ordnung zu setzen, damit dessen kostbare Gesundheit fernerhin mögte erhalten werden. Er riet ihm deswegen, auf Gutbefinden des Hern Hippons, noch vierzehen Tage lang in Aquana zu bleiben, und sich daselbst des Bades mit einer gewissen Mässigung zu bedienen: Herr Hippon schrieb dabei dem König, unter dem Schein dieser Cur, gewisse Lebens-Regeln vor, deren Beobachtung insgemein bessere wirkung tut, als der Gebrauch der Bäder selbst.

Der ganze Hof kehrte darauf von dem Schloss des Grafens von Sylva wieder nach Aquana zurück. Der Graf von Rivera aber blieb noch einen Tag länger bei dem fremden Edelmann, welchem der lustige MeierHof zugehörte.

Derselbe hatte sich die ganze Gewogenheit des Grafen von Rivera erworben. Man bemerckte in seinen Reden und Handlungen alle Züge einer hohen Weisheit und Tugend: Er hatte eine überaus feine Bildung: Seine Kleidung war nett und sauber; aber schlecht, ohne Gold und Silber: Er trug seine eigene Haare, welche ihm, ohne alles künstliche kraussen, in ihren natürlichen Locken um die Schultern hiengen.

Der Graf von Rivera hatte das gröste Vergnügen in seiner Gesellschaft: Gleiche Gemüter kennen sich einander im ersten Anblick. Es ist etwas verborgenes in der natur, durch welche widerwärtige Dinge sich scheiden, und gleichförmige sich vereinigen. Die Verwunderung war von beiden teil ungemein, da einer immer so dachte und so redete, wie der andere: Ihrer beider Eigen-Liebe empfand hier dasjenige schmeichelnde Vergnügen, welches man spüret, wann Leute, die Verstand haben, unsern Empfindungen und Meinungen beipflichten. Hieraus entstund von beiden Seiten eine Hochachtung, die nur wenig Tage nötig hatte, zu einer würcklichen Freundschaft zu werden. Der Graf suchte ihn zu bereden, mit ihm nach Hof zu gehen. Allein der Fremde erklärte sich darauf, dass er die Welt allzuviel hätte kennen lernen, um sich wieder in ihre Eitelkeiten einzulassen.

Der Graf von Rivera bezeigte ein grosses Verlan

gegen, dessen begebenheiten zu wissen: Sie setzten sich zu dem Ende bei stiller Abend-Zeit, da der volle Mond mit seinen Strahlen den ganzen Teich erhellte, an das mit Wasen-Bäncken belegte Ufer; wo der Fremde seinen Lebens-Lauf folgender massen erzehlte.

Das fünfzehende Buch.

Die begebenheiten des Ritters

von Castagnetta.

Ich bin von Geburt ein Lampurdaner, aus dem Geschlecht der Marggrafen von Santa Columba de Queralto. Weil ich der dritte von meinen Brüdern und der jüngste vom haus war, so nante man mich den Ritter von Castagnetta. Mein anderer Bruder wurde wegen seines schwächlichen Leibes, zum Closter gewidmet. Ich war nicht so bald den Händen des Frauenzimmers entkommen und männlicher Zucht untergeben, so bezeigte mein Vater eine ganz besondere Sorgfalt für meine Erziehung.

Als ich mein fünfzehendes Jahr bei nah zurück geleget hatte, nahm er mich einsmahl vor sich: Lieber Sohn sprach er zu mir, es ist nun Zeit, dass du lernest deinen Verstand gebrauchen und aus eigner Uberzeugung das Gute wehlen. Du wirst in der Welt meist unglückselige Menschen finden, weil sie in dieser Wahl fehlen, und durch eitel Schein-Güter sich betrügen lassen. Es ist nur ein Weg zur Glückseligkeit, dieses ist der Weg der Tugend und der Weisheit, die GOTT denjenigen mitteilet, die ihn suchen und lieben. Du tust nun, mein Sohn, die erste Tritt in die Welt; Alles locket und reitzet dich darin zum Bösen. Die Wohllust wird sich dir auf allen Ecken mit ihren schönen und verführischen Angesicht zeigen: Die Ruhm-Sucht wird sich bei dir unter dem Schein der wahren Ehre einschmeicheln: Sie wird den Namen der Tafferkeit, der Grosmut und der Freigebigkeit entlehnen. Ich aber sage dir: Fliehe die Lüste, meide den Ehrgeitz, und hüte dich für der Verschwendung, so wirst du finden, dass die Tugend ihre selbst eigene Belohnung, wie das Laster seine selbst eigene Straffe mit sich führet.

Indem mein Vater dieses sagte, schloss er mich mit innigster Zärtlichkeit in seine arme. Ich küsste ihm die hände, die ich mit meinen Tränen benetzte, und war so bewegt, dass ich nicht reden konte: Meine Gebehrden aber sprachen für mich, und versicherten den besten Vater, dass ich ihm dasjenige, was er von mir verlangte, mehr mit dem herzen als mit dem Mund zusagte.

Er liess darauf auch meinen Hofmeister ins Zimmer kommen, und befahl