, als dass Ew. Majestät und Dero Durchlauchtigste Braut Dero höchsten Namen mit darunter setzen.
Als dieses der Graf dem König und der Prinzessin vorgebracht hatte, liess er die Tractaten auf einem kleinen mit roten Sammet bedeckten Tischgen, worauf ein silbernes Schreibzeug stunde, vor den König bringen; dieser ergriff sogleich die Feder, sprieb seinen Namen darunter, und reichte solche hernach auch der Prinzessin welche, wiewohl mit zitternder Hand, dergleichen tat.
Hierauf wurden in dem nechstanstossenden Saal auf einmal die Türen geöfnet: Die Königliche Capelle mit einem grossen Chor von Sängern und Sängerinnen liess sich darin mit einer entzückenden Harmonie hören. Ein Bischoff von dem nechsten Aquitanischen Kirchen-Spiel zeigte sich mit den Königlichen Hof-Caplanen hinter einer Tafel, auf welcher ein Crucifix stunde. Nach geendigter Music hielt der Bischoff eine kurtze Rede, und darauf geschah die Trauung. Der König war über alle diese Anstalten des Grafens mit einem so lebhaften Vergnügen durchdrungen, dass er demselben darüber nicht genug seinen Wohlgefallen ausdrucken konte.
Den andern Tag brachte der Graf den Freiherrn von Riesenburg und die fräulein von Turris vor den König, und bat ihn, gnädigst zu erlauben, dass die Liebe dieses edlen Braut-Paars, an Dero zweiten Vermählungs-Tag mit glückselig und denckwürdig mögte gemacht werden. Dem König gefiel dieser Einfall. Gemeldtes Paar wurde damit von dem anwesenden Bischoff zusammen gegeben, und an der Tafel nechst dem König und der Königin oben an gesetzt.
Dieses glückliche fest wurde mit den lieblichsten Stimmen und nettesten Liedern besungen. Die Freude, die Anmut und der Uberfluss herrschte auf dem ganzen Schloss: Es litten darunter weder die Ordnung noch gute Sitten. Man spürte an nichts keinen Mangel, weil man alles zu rechter Zeit aus der benachbarten Stadt Toscana herbei geschaft hatte.
Den dritten Tag wurde auf einer kleinen Schaubühne, welche von Wasen-Bäncken und Laub-Wercken mit allerhand vergüldeten Schnitz-Werck und andern Zierraten aufgeführet war, ein musicalisches Schäfer-Spiel vorgestellet. Man konte dieses ganz des Grafens sein Werck nennen; weil er nicht nur die Erfindung und die Auszierung, sondern auch die Worte selbst dazu gegeben hatte. Die Grösse seines Geistes zeigte sich auch in solchen Kleinigkeiten, womit er die Ernstaftigkeit der wichtigsten Geschäfte zu verwechseln, und denjenigen heimlichen Kummer zu erleichtern suchte, welchen ihn seine Liebe für die Gräfin von Monteras empfinden machte.
Der vierte Tag wurde zu einer wasser-Jagd auf dem grossen Teich gewiedmet. Man bestieg, nach eingenommener Mittags-Mahl-Zeit, die dazu verfertigte Kähne: Man schoss die darauf schwimmende zahme und wilde Enten. Auf dem grossen Schiff liessen sich die Music und die kleine kanonen hören, welche in dem daran stossenden Wald einen überaus angenehmen Wiederschal gaben. Man bracht bei andertalb Stunde zu, bis man den grossen Teich überschiffete. Man stieg darauf an Land, und begab sich in eine am Ufer neu angelegte Meierei, welche ein fremder Edelmann daselbst in einer sehr lustreichen Gegend erbauet hatte.
Dieser Meier-Hof, so schlecht er auch anzusehen war, hatte nichts destoweniger etwas, dass man ihn mit Vergnügen betrachten muste. Es war ein kleines Gebäude von einem Stockwerck, mit zwei Flügeln, welche einen viereckigten Hof formirten. Man sah in dessen Mitten ein springendes wasser, mit jungen Castanien-Bäumen dicht umstellet: Einige Wasen-Bäncke liefen rings umher: Die Sonne konte mit ihren Strahlen hier nicht durchdringen: Von fornen war der Hof mit einem zierlich von Eisen verfergtigten Stangwerck geschlossen. Und hinter dem Haus sah man einen durchaus wohl angelegten Garten, an dessen Schönheit die Ordnung und die natur mehr Anteil hatten, als die Kunst. Der lincke Flügel sties auf einen Hof, darinnen allerhand Feder-Vieh aufbehalten wurde; und der rechte Flügel ging in einen Gras-Garten, wo man nebst den Lämmern auch verschiedenes zahm gemachte wild untereinander weiden sah:
Der Edelmann, so diese anmutige Einöde bewohnte, war ein Herr von ausserordentlichen Gemüts-Gaben; dem aber die gröste Unglücks-Fälle in der Welt dazu haben dienen müssen, dass er hier die Annehmlichkeiten eines stillen und ruhigen Lebens den Eitelkeiten des Hofs hatte vorziehen lernen.
Der Graf hatte hier längst dem Ufer, welches mit einigen Treppen von Wasen erhöhet war, ein künstliches Lust-Gebäude von kleinen Latten, mit frischem Laubwerck durchwunden, verfertigen lassen; welches nach den Regeln der Bau Kunst, durch ordentliche Gallerien, mit andern dergleichen Sälen auf den Ecken zusammen hieng, und mit zwei langen Flügeln bis auf den Teich hinreichte.
In der Mitten war ein groser Saal mit grün verguldten Wachs-Tuch bedecket; rings umher hiengen Wand-Leuchter von Cristal und Spiegel-Gläser; alles war mit Blumen-Kräntzen, Festonen, Sinn-Bildern und Verguldungen ausgezieret. Der König setzte sich allhier zur Tafel; nachdem man sich vorher mit einigen Spielen und Spatziergängen belustiget hatte.
Es waren sehr warme Tage: Die Abende selbst wurden noch von einer schwühlen Luft durchdrungen, und hemmten dadurch in dem Menschen die Munterkeit der Lebens-Geister. Der Graf hatte deswegen eine besondere Erfindung gebraucht, allentalben das wasser durch blecherne Röhren um dieses LustGebäud herum zu führen, welches an den Wänden hin und wieder spritzte, und gleich dem stärcksten Regen die angenehmste Kühlung verursachte.
Nach der Tafel wurde nach der Scheibe geschossen: so oft einer das Schwartze traff, stieg eine Rakete in die Höh; Der ganze Weg bis dahin war mit Lampen und Lichtern besetzet, welche sehr artig an die von Gebüsch gemachte Wände