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Meine Tochter, sprach diese, wird sich in dieser Sache den Ratschlüssen des himmels, ohne welche sich die Cronen nicht vergeben, und dem Willen ihres Herrn und Vaters unterwerfen.

Auf diese Erklärung sandt der Graf alsobald einen hurtigen Boten nach dem Fürsten von Argilia; und einen andern nach dem Hertzog von Sandilien, um beiden von dem Fortgang dieser Sache Nachricht zu geben und sie zugleich zu bitten, die Heirats-Tractaten, wie solche unter ihnen wären verabredet worden, auszufertigen. Diese Boten kamen den sechsten Tag wieder zurück, und brachten die Tractaten unterschrieben mit.

Der König und die Prinzessin sahen sich unterdessen einander täglich: er hatte ihr seine Neigung gleich den ersten Abend zu erkennen gegeben; und speiste darauf bei der Fürstin zu Macht. Diese nebst der Prinzessin assen hinwiederum den andern Tag bei dem König: Abends wurde Spiel und Ball gegeben. Auf diese Weise ging eine Woche vorüber.

Der König wurde bald ungedultig; er sah die Prinzessin täglich: ihre Schönheit rührte seine Sinnen; und ihre Eingezogenheit machte ihn leiden. Er kam in dieser Empfindung zu dem Grafen: Ihr habt mir lang versprochen, sagte er zu ihm, mich durch eine würdige Gemahlin glücklich zu machen; und jetzt hat es das Ansehen, als ob man gar nicht auf meine Vergnügung dächte.

Der Graf, der die Ungedult des Königs voraus gesehen, hatte zu dem Ende alle Anstalten zu des Königs Beilager in zeiten zu machen, angefangen.

Einige Stunden von Aquana wohnte ein reicher Graf auf einem sehr grossen und wohlgebauten Schloss: diesen hatte der Graf von Rivera ersucht, solches auf einige Tage dem König und seinem Gefolge einzuräumen. Der Graf fand sich durch dieses Zumuten beehrt: es wurden in möglichster Geschwindigkeit die besten Zimmer für den König und dessen bei sich habende Hof-Staat zurecht gemacht. Der Graf bat darauf den König, sich nach diesem Schloss zu erheben, weil er daselbst ein gewisses fest der Prinzessin von Argilia zu Ehren angestellet hätte. Wobei er zugleich, wenn es ihm gefiel, sein hohes Beilager halten könnte.

Mit der Fürstin und der Prinzessin war alles bereits abgeredet: Der König fuhr einige Stunden voraus, um seine Gäste zu empfangen. Er war zum höchsten verwundert, wie er alles auf diesem Schloss in ungemeiner Bewegung fand: er sah viel tausend Lampen und Lichter zu einer Abend-Beleuchtung aufstecken, der ganze Garten zusamt dem Schloss wurde damit bestellet.

Man arbeitete noch in dem grossen Lust-Haus an einer Tafel, auf welcher in der Mitte ein mit verguldten Blei beschlagener Bassin mit springendem wasser sich zeigte. Rings herum waren die schönsten Blumen-Bette, welche durch zart ineinander geschlungenen buches die artichste Züge machten; und durch weiss, rot und gelben Muschel-Sand unterschieden waren. Auf diesem kleinem Blumen-Stück fanden sich allerhand artige Gefäse mit raren Gewächsen und kleinen Zwerg-Stämmen von Pomeranzen und Citronen, die voller Blüt und Früchte hiengen.

Alles war hier mit einer solchen Hurtigkeit beschäfftiget, dass es dem König gleichsam eine halbe Zauberei zu sein schien. Der Graf half selbst alles mit angreiffen: alles wurde durch seinen Geist belebet, und in einer ordentlichen Bewegung herum getrieben, nicht anders, als in einer künstlich verfertigten Maschine, davon er das Triebwerk war.

Ehe noch der Abend herbei kam, stunde vor dem Schloss eine von gemahlten Säulen aufgerichtete und mit allerhand Grünigkeiten und Sinnbildern durchschlungene Ehren-Pforte. Auf den Garten stiess ein grosser Teich, an dessen Ufer sechs kostbar ausgezierte Schiffe hielten, welche man auf einem Canal von Toscana dahin gebracht hatte: sie waren gelb und blau bemahlet, auf den Kanden, und dem SchnitzWerck verguldt, und mit gleichfärbigten Flaggen und Bändern gezieret. Dasjenige, so darunter für den König und die Fürstliche Personen gewidmet war, hatte auf Illyrische Art, in der Mitten eine prächtige Himmel-Decke mit Vorhängen von blauen Damast und goldenen Schnüren und Quasten. Das ganze Boot war auf diese Art ausgeschlagen: die Boots-Leute zeigten sich in gleichem Stoff gekleidet: sie hatten gelb-seidene Scherffen um den Leib, und reiche von Gold durchwürckte Bänder auf den Mützen. Ein grosses Schiff war vor die Music und die Bedienten ausgerüstet. Es hatte oben eine Gallerie mit kleinen Böllern besetzt. Auf dem Teiche schwammen eine Menge zahm- und wilde Enten, deren viele mit roten Federn auf den Kämmen gezeichnet, und zu einer WasserJagd bestimmet waren.

So bald lies sich die Fürstin mit der Prinzessin und ihrem Gefolg nicht in der Nähe sehen, so wurden die kleine Böller auf dem Schiff losgezündet. Der König empfieng solche an einem nechst an dem Teich aufgeschlagenen Zelte, und führte dieselbe darauf in das für sie zubereitete Königliche Boot: die übrige Schiffe wurden von ihrem Gefolge eingenommen. Man sties von Land; die Trompeten und Paucken liessen sich mit untermengter Music hören: Man fuhr auf dem Teich herum; und stieg darauf im Garten an das Land.

Der Abend kam herbei: das ganze Schloss so wohl, als der Garten, wurde mit Lichtern erhellet: es war bald Zeit an die Tafel zu gehen; Der Graf von Rivera meldete sich hier: er redete den König an: Ew. Majestät, sprach er, haben mir gnädigst befohlen, alle Weitläuftigkeiten bei dero hohen Vermählung abzuschneiden; Ich hab alles was möglich war, getan. Hier sind die Tractaten von dem Durchläuchtigsten Fürsten von Argilia, wie auch von dero Obersten staates-Minister im Nahmen dero ganzen geheimen Rats unterzeichnet; Es fehlet weiter nichts