Prinzessin gesagt, als ihre Gegenwart ihm hätte zu erkennen gegeben.
So bald war der König nicht von der Fürstin zurück gekommen, so fiel er dem Grafen um den Hals. Liebster Graf, sprach er, die Prinzessin gefällt mir: wie fangen wir die Sache weiter an? Es wird sich wohl alles fügen, antwortete der Graf mit einer etwas gleichgültigen Mine. Ja, fragte der König, wie lang aber wird es noch währen? es gibt immer so viele Umstände und Weitläuftigkeiten bei dergleichen Geschäften; könnte man damit nicht einen kürzern Weg einschlagen? Der Graf muste heimlich über diese Ungedult des Königs lachen: er nahm daher gelegenheit bei demselben einige nützliche Wahrheiten anzubringen. Es ist gut, sprach er, dass die mächtigste der Erden zuweilen auch ein wenig spühren, dass nicht alles bloss von ihrer Gewalt abhänget. Die Art, womit sie eine Sache verlangen, komt mit ihrer Hoheit überein; es soll alles gleich da sein; sie wollen nicht warten; sie müssen aber so wohl wie andere Menschen sich den Gesetzen der Möglichkeit unterwerfen: sie können weder das Verhängnüs noch die Gemüter zwingen.
O wie verdrieslich, Graf, fiel ihm hier der König in die Rede, ist mir diesesmahl eure Sitten-Lehre! Ich frage jetzt nicht, ob ich mich den Gesetzen der Möglichkeit unterwerffen soll? das weis ich ohne dem. Ich frage nur, wie bald ihr meinet, die Sache mit der Prinzessin zu Stand zu bringen?
Ew. Majestät, antwortet der Graf, halten mir meine Freiheit zur Gnade. Dergleichen Geschäfte lassen sich nicht wohl übereilen; weil die Glückseligkeit eines so grossen Königs und die Wohlfart so vieler Länder damit verknüpfet ist. Glauben dann Ew. Majestät, fragte der Graf den König, dass sie schon die Prinzessin liebten, und dass diejenige Empfindung, welche ihre Schönheit in dero Gemüt verursacht, nicht ein schnell angezündetes Lauf-Feuer sei, welches, wenn es einmal seine Wirckung getan, mit einmal in die Luft verdämpfet?
O Graf! erwiderte der König voller Ungedult: ihr seid heute ganz unerträglich. Ich sage euch, die Prinzessin gefällt mir, und ich liebe sie, weil sie mir gefällt: ich will sie zu meiner Gemahlin nehmen, ihr selbst habt mir dazu geraten; was soll ich mich erstlich noch lang untersuchen, ob meine Liebe für sie ein Lauf-Feuer, oder sonst etwas sei?
Ich sehe wohl, fuhr der Graf hierauf fort, dass es Ew. Majestät ein Ernst ist, mit dieser schönen Prinzessin sich zu vermählen; der Himmel gebe seinen Segen dazu. Man wird also in möglichster Eil eine Gesandschafft an den Argilischen Hof schicken müssen, um dem Fürsten daselbst die hohe Meinung Ew. Majestät zu entdecken, und bei ihm um dessen Prinzessin Tochter die gewönliche Anwerbung zu tun. Hernach muss die Sache dem geheimen Rat von Ew. Majestät vorgetragen, und dessen Gutdüncken darüber eingeholet werden: wie man in ein und andern Dingen sich dabei zum Nutzen des staates zu verhalten, und die Tractaten in einer so wichtigen Verbindung darnach einzurichten habe.
O Himmel! unterbrach der König hier abermahl, wie plagt ihr mich doch anheute! Darf ich dann keine Gemahlin nehmen, ohne meinen geheimen Rat darüber zu befragen? soll ich mich, oder soll sich der Staat verheiraten?
Gleichwol, fuhr der Graf in seinem gelassenen Wesen fort, werden sich Ew. Majestät doch müssen allergnädigst gefallen lassen, jemand an den Argilischen Hof abzufertigen, um wenigstens die Einwilligung des Fürstens einzuholen: kürtzer ist doch die Sache unmöglich zu fassen. Hernach müssen auch die nötige Anstalten zu dero Königlichem Beilager zu Panopolis gemacht werden, welche Ceremonien von dero höchst glorwürdigsten Vorfahren jederzeit mit einem Königlichen Pomp und äusserster Pracht sind vollzogen worden.
Auf diese Art, erwiderte der über diese so vielerlei Vorstellungen des Grafens ganz misvergnügte König, ist kein Mensch übeler dran, als ich: wer wolte sich wohl eine Crone wünschen, wenn uns solche unter den harten Zwang so vieler nichts bedeutenden Dinge setzet? Meine Vorfahren, sprach er, dachten nicht wie ich; sie hatten eine Freude an dergleichen Weitläuftigkeiten und unnützen Geprängen, welche öfters zu nichts weiter dienten, als ihre SchatzKammer zu entkräfften, und das Volck zu beschweren: ich glaube, sie hätten Macht gehabt, solches zu unterlassen, wie ich mich befugt halte, darin nach meiner Weise zu verfahren.
Ew. Majestät sind Herr, erklärte sich hierauf der Graf. Wenn sie sich an eine Untertanin ihres Reichs vermählen wolten, so könnten sie darin nach dero höchsten Gutdüncken verfahren; allein, die Prinzessin von Argilia ist aus einem der Durchläuchtigsten Häuser in der Welt: Ew. Majestät können hier den Wohlstand nicht ganz aus den Augen setzen. Doch fügte der Graf hinzu, ich werde trachten die Sachen zu Ew. Majestät allergnädigsten Wohlgefallen einzurichten, und alles auf das kürtzeste zu fassen. Er verlies darauf den König und verfügte sich wieder zu der Fürstin von Argilia.
Er hat dem König nicht gesagt, wie weit er schon in diesem Geschäfft gekommen war: der König hätte sonst den Wohlstand und die Ehrerbietung gegen die Prinzessin zu sehr aus den Augen setzen mögen. Er hinterbrachte der Fürstin, dass die Prinzessin dem König gefallen hätte, und dass solchem nach seine bisherige Unterhandlungen ihre Richtigkeit hätten; wo anders, wie er hofte, die Prinzessin bei sich keinen Wiederwillen gegen den König verspürte. Die Prinzessin veränderte über diese Frage ein wenig die Farbe, und überlies ihrer Frau Mutter solche zu beantworten.