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fand sie würdig, den Königlichen Tron zu besteigen, und ganz Aquitanien zu beherrschen. Zu dieser Erhöhung wolte er das Werkzeug abgeben; sein ganzes Herz war mit einem so grossen und wichtigen Geschäffte eingenommen. Er suchte den König durch die Prinzessin, und diese wiederum durch jenen glücklich zu machen; in diese Glückseligkeit aber seine geliebte Gräfin von Monteras mit einzuflechten.

Bei diesen Absichten sah sich endlich der Graf verbunden, der fräulein von Turris sich zu erkennen zu geben: er sagte ihr, dass sie sich irrte, wenn sie die in seiner Schreibtafel gefundene Reimen auf ihre Prinzessin deuten wolte; dass er die Prinzessin zwar unendlich verehrte; aber sich dabei auch wohl zu bescheiden wüste, dass sie sich besser für seinen Herrn und König, als für einen gebornen Untertanen schickte. Er entdeckte hierauf der fräulein von Turris seine Anschläge, und bat sich zugleich darin ihren Beistand aus; er sagte ihr, dass er dem Fürsten bereits davon Eröfnung getan hätte; dass derselbe aber für gut fände, solches vor der Prinzessin noch geheim zu halten.

Die fräulein von Turris war mit den Absichten des Grafens nur halb zufrieden. Ach! sprach sie, worzu sollen die Cronen; sie sind schwer zu tragen. Könige haben keine wahre Freunde, man fürchtet sich vor ihnen, und sie fürchten sich wieder vor andern: Ihre Hoheit verblendet sie, man schmeichelt ihnen; sie haben die stärkste Leidenschaften, und indem sie allen genug tun wollen, vergnügen sie keinen.

Ich halt dafür, versetzte der Graf, eine Crone hat auch ihre Annehmlichkeit. Es ist für ein grosmütiges Herz kein geringes Vergnügen, in einer solchen Erhöhung zu leben, darin man so viel andere Menschen kan glücklich machen. Es scheinet, die Vorsehung habe unsere vortrefliche Prinzessin zu einer Königin lassen geboren werden: Es leuchtet aus ihren Augen etwas so Majestätisches und Groses, hass man darin eine geheime Ubereinstimmung der natur entworfen siehet.

Die fräulein von Turris hatte bei diesem Tausch nichts zu verliehren: Es schmeichelte nicht wenig ihrer Eitelkeit, ihre Prinzessin Königin von Aquitanien zu sehen: Sie fand sich dadurch selbst mit erhöhet: Ihre Demut konte sie nicht hindern, sich daraus eine Vergnügung zu machen. Sie hielt das i h r anvertraute Geheimnüs nicht lang verborgen: Wem bin ich näher, dachte sie, in der Welt verbunden, als meiner Prinzessin? Sie ging zu ihr und offenbarte ihr alles. Die Prinzessin wurde darüber bestürzt. Ach! seufzete sie, der Himmel macht es nicht, wie wir wollen: Doch, ich kenne meine Pflicht, und weis, was ich GOtt und meinem Vater schuldig bin.

Der Graf von Rivera verreiste darauf nach einigen Tagen von Christianopolis: Der Fürst versicherte ihn seiner äussersten Hochachtung und Freundschafft: Er schloss ihn mit vieler Zärtlichkeit in seine arme. Lebet wohl, mein liebster Graf, sprach er zu demselben, und erinnert euch oft der guten Nachschlägen, die wir mit einander gepflogen haben.

Gegen die Prinzessin lies sich der Graf verlauten, dass er würde den Freiherrn von Riesenburg bis nach Aquana begleiten, woselbst er hofte die Gnad zu haben, ihr wieder aufzuwarten. Sie gab dargegen dem Grafen zu verstehen, dass sie seine Absichten mit ihr wüste, und dass sie deswegen diese Reise nicht ohne besondere Furcht antretten würde.

Das vierzehende Buch.

Der Graf kam glücklich wieder nach Panopolis. Er fand den König noch immer in der besten Neigung für ihn, und wurde von demselben mit einer lebhaften Freude empfangen. Ach, liebster Graf, sprach er, indem er ihn herzlich umarmte, wie sehr hat mich verlanget euch wieder zu sehen! Der Graf gab darauf dem König Nachricht von seinen gehabten Verrichtungen: und rühmte ihm die Schönheit verschiedener Prinzessinnen, deren Bildnisse er dem König vorzeigte.

Ohneracht die Mahler ihr bestes getan hatten, die

Durchlauchtige Schönheiten in ihren stärcksten Reitzungen vorzustellen; so wolte doch keine darunter dem König recht gefallen. Er sagte schier über eine jede: Es ist noch keine Gräfin von Monteras. Der Graf nahm hierbei gelegenheit, ihm die Annehmlichkeiten der Prinzessin von Argilia vor allen andern zu rühmen: Er machte dadurch den König um so viel begieriger auch das Bildnüs dieser so hochgepriesenen Schönheit zu sehen; allein, der Graf hatte solches nicht mit gebracht: Der König war deswegen überaus ungeduldig: Der Graf entschuldigte sich, dass er solches nicht hätte habhaft werden können, und riet deswegen dem König das Original selbst in Augenschein zu nehmen, weil er sodann von dem gewöhnlichen Betrug der Mahler und der Farben, welche insgemein die Gesichter schöner machten, als sie wären, nichts zu befahren hätte; Er fügte hinzu, dass diese Prinzessin sich in wenig Wochen mit ihrer Frau Mutter nach den Aquanischen Bädern begeben würde, wo der König das Vergnügen haben könnte sie zu sehen.

Der Graf verfügte sich hierauf zu dem Herzog von Sandilien: Er fand ihn auf einem Ruhbette: die Gräfin von Monteras sass neben ihm, und las ihm etwas aus einem Buch: Der Anblick dieser beiden Personen rührte den Grafen ungemein: Der Herzog hatte das Ansehen eines recht krancken Mannes, und die Gräfin schien ihm schöner als jemahl. Der Herzog empfieng ihn mit einer ganz vertraulichen Art, und indem er die arme um seinen Hals schloss, sagte er zu ihm: Ich habe, mein wertester Graf, Stunden und Tage bis zu ihrer Wiederkunfft gezehlet. Ich liebe sie, als wenn sie mein Sohn wären, und gebe ihnen die Erlaubnüs meine Base zu umarmen: Der Graf gehorsamte einem so