Johann Michael von Loën
Der Redliche Mann am hof
Oder die
begebenheiten des Grafens von Rivera
In einer auf den Zustand der heutigen Welt
gerichteten Lehr- und staates-geschichte
Vorbericht.
Gegenwärtige Blätter sind in gleicher Absicht, als die begebenheiten des Telemachs, des Cyrus und des Getos geschrieben; ob sie gleich in der Art des Vortrags so weit davon abgehen, als die jetzige Welt von der alten unterschieden ist. Der Verfasser beschreibet hier die Menschen, wie sie heute zu Tage sind, und wie er selbsten hat gelegenheit gehabt, sie kennen zu lernen.
Er hat den Hof, als die gröste Schule der Welt, zu seinem vornehmsten Schauplatz gemacht; andere Stände und Lebens-Arten aber gleichsam als Zwischen-Spiele mit eingeführet; damit ein jeder Leser etwas finden mögte, das er sich zueignen könnte. Die Laster und Torheiten der Menschen haben nicht allein etwas trauriges, sondern auch etwas lächerliches. Ein Heraclytus hatte ehedessen solche beweinet und ein Democritus belachet. Der Verfasser scheinet hier bald der Ernstafftigkeit des einen, bald der Munterkeit des andern zu folgen, und sich in Ansehung des letzteren nach dem Geschmack solcher Leute zu richten, die nur zum blossen Zeitvertreib lesen, und denen auf eine andere Art keine Wahrheit nicht wohl beizubringen ist.
Im menschlichen Leben kommen allerhand Umstände vor; der Verfasser hat hier meistens solche Personen aufgeführet, die durch ihr Exempel lehren. Der Graf von Rivera zeiget einer jungen Standes-person, wie sie, bei den Erhebungen ihres Glückes, sich mässigen und ihre Begierden einschräncken soll. Er kan in einer so durchaus verdorbenen Welt vielleicht zum Muster der Unschuld und der Redlichkeit dienen. Dergleichen Menschen sind heutiges Tages rar. Man glaubet nicht mehr, dass sich die Tugend noch für artige Leute, am wenigsten aber, dass sie sich an Hof schicke; Es ist auch wahr, dass sie da insgemein eine gar schlechte Figur zu machen pflegt. Die Aufführung des Grafens von Rivera zeiget uns nichts desto weniger, dass sie allentalben zu haus sei; und dass, wo sie nur ein wenig Klugheit begleitet, sie alle und jede Menschen zu ihrer Verehrung zwinget.
Man siehet in dem charakter der Gräfin von Monteras eine junge Dame von einer hohen und zärtlichen Gemüts-Art, die eine Crone verachtet, um einem Cavalier ihre Gunst vorzubehalten, welchen sie derselben seiner Tugenden halber am würdigsten schätzet.
Der Einsiedler gibt ein lebhafftes Beispiel von einem ruchlosen Menschen, welcher durch eine ausserordentliche Gnade ist bekehret worden; und welcher daher auch im Stand ist, die besten Lehren zu geben.
Der Herr von Riesenburg hat dem Ansehen nach etwas leichtsinniges und flatterhafftes; im Grund aber das beste Hertz, und eine würckliche Liebe zur Tugend.
Der Herr von Greenhielm hingegen zeiget etwas gründliches und ernstafftes, welches zugleich mit einer besonderen Anmut und Lebhafftigkeit begleitet ist: man siehet in seiner Jugend einen Eifer die Welt und die Menschen zu kennen; und in seinen reiffen Jahren.
Inhalt
Inhalt des ersten buches.
Der Graf von Rivera wird an den Aquitanischen Hof beruffen: er entdecket darüber seine Zweifel dem Herrn von Bellamont, welcher ihm solche benimt, und durch die Erzehlung seines Lebens ein Beispiel gibt, dass man auch durch die Auffrichtigkeit in der Welt sein Glück machen könnte. Der Graf begibt sich darauf nach Hof; findet aber an demselben eine solche Unordnung, dass ihm darüber bange wird. Er verirret sich auf einem Spatziergang in einem Wald und kommt zu einem frommen Einsiedler.
Inhalt des andern buches.
Der Einsiedler erzehlet seinen Lebens-Lauf: Einige Bubenstücke, die er verübet, jagen ihn aus seinem Vaterland: er begibt sich nach Licatien in KriegsDienste, ersticht einen im Zweikampf, und flüchtet nach Aquitanien: er kommt durch seinen Verstand bei hof empor, missbrauchet ihn aber zu allem Bösen. Er vergiebt seiner Frauen mit Gifft und verliebt sich darauf in eine tugendhaffte Dame welche die erste gelegenheit zu seiner Bekehrung ist. Er verlässt endlich Franciscaner zurecht gewiesen, und gibt Anlass zu Erbauung der Königlichen Einsiedelei.
Inhalt des dritten buches.
Der König von Aquitanien verliebt sich in die junge Gräfin von Monteras: Diese aber hatte sich schon von dem Grafen von Rivera einnehmen lassen: sie erzehlet diese Begebenheit ihrer Gesellschaffts-fräulein: der Graf von Rivera, der auf gleiche Art sich von ihr gerühret fand, entdecket an dem König seinen Mitbuhler. Die Gräfin begibt sich auf ihr Land-Gut nach Prato: der König besucht sie daselbst in Begleitung des Grafens von Rivera. Die Hertzogin von Salona eröffnet einer listigen Frauen, Namens Corinna, ihre Liebe für den Grafen von Rivera; welche ihr verspricht denselben in ihre hände zu spielen.
Inhalt des vierdten buches.
Der König sendet den Grafen von Rivera, als seinen vertauten, nach Prato zu der Gräfin von Monteras; der Graf aber wird von ihr auf die Erwehnung des Königs ziemlich verächtlich empfangen, und von einem Cammer-Diener des Königs ausgelauret: dieser verrät den Grafen bei dem König, dass er darüber in Ungnade fällt, und nach der Vestung Rozzomonte gebracht wird. Welchen Zufall die Gräfin von Monteras sich dergestalt zu Gemüte ziehet, dass sie darüber hefftig erkrancket.
Inhalt des funfften buches.
Der Graf wird von dem Commendanten auf der Vestung wohl empfangen, und trifft allda eine lustige Gesellschafft an. Corinna tut unterdessen dem Hertzogen von Sandilien einen Vorschlag, den Grafen an die Hertzogin von Salona zu vermählen, um dadurch dem König die Eifersucht zu benehmen: der Hertzog williget darein, und lässt dem Grafen durch den