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öfter zu geniessen.' Hierauf drückte er den kleinen Schlüssel in Wachs ab, steckte denselben wieder in Oegnecks Goldbeurse, mit den beiden grossen Schlüsseln musste ich es eben also machen, worauf er mir befahl, sobald die Leute in der Stadt aufgestanden, zu einem Schlösser zu gehen und Nachschlüssel machen zu lassen, weiln aber dieses mir einigermassen bedenklich fiel, als kaufte ich mir eine Feile und andere Schlösserinstrumenta, war auch so glücklich, einen Schlüssel von dergleichen Calibre zu ergattern, aus welchen ich einen perfekten Pas[se]partout machte, den kleinen Schlüssel aber aus einem Stück Silber zu verfertigen, war mir eine ganz leichte Kunst. Mein Herr war vor Freuden ganz ausser sich selbst, da er diese meine Meisterstücke sah, schenkte mir eines von seinen besten bordierten Kleidern nebst zwölf spec. Dukaten. Jedoch wieder auf unsere Schläfer zu kommen, so machte das Hausgesinde erstlich zwischen acht und neun Uhr einander munter. Oegneck aber besann sich erstlich gegen zwölf Uhr wieder, dass er noch in der Welt wäre, er stunde auf und fand meinen Herrn noch im verstellten Schlafe liegen, hierauf fühlete er in seine Taschen, visitierte seine Goldbeurse, und da er alles richtig fand, machte er eine vergnügte Miene. Als er aber nach der Uhr sah und bemerkte, dass es schon in der Mittagsstunde wäre, gab er seine Verwunderung durch ein kleines Gelächter und einiges Kopfschütteln zu verstehen. Ich konnte dieses alles aus der Nebenkammer, in deren Tür ich ein kleines Loch gebohret hatte, sehen, wie ich aber wahrnahm, dass er sich sachte darvonschleichen wollte, kam ich mit einem finstern gesicht und verwirrten Haaren aus der kammer herausgetreten, eben als ob ich den Rausch auch noch nicht ausgeschlafen hätte. Der Herr von Oegneck kam mir gleich entgegen und sagte nach Anwünschung eines guten Mittags: 'Ei ei, mein wertester Herr und Freund, das heisst der guten Sache ein wenig allzuviel getan, Sie nehmen doch nicht ungütig, dass ich Sie Ihres Bettes beraubt habe.' 'Es hat nichts zu sagen, mein Herr', gab ich zur Antwort, 'ich habe in Kleidern auf dem Feldbette hier in der kammer sehr wohl geschlafen, denn ich hatte der Sache ebenfalls zuviel getan und mein Herr ebenfalls, denn in der letzten Stunde hat er noch so viel Wein zu sich genommen, dass wir ihn, weil er fast von seinen Sinnen nicht wusste, ins Bette haben tragen müssen. Ich glaube auch nicht, dass er sich wird umgewendet haben, denn er liegt noch so, wie wir ihn hingelegt.' 'Es ist ganz gut', sagte Oegneck, 'vielleicht kontribuiert nunmehr diese kleine Débauche etwas zu seiner Gesundheit.' Wir redeten noch viel miteinander, und ich machte dem Herrn von Oegneck sonderlich wegen der frembden Offiziers noch so viel Wind vor, dass sich mein Herr, wie er mir nachher erzählet, im Bette fast mit lauten lachen verraten hätte. 'Es muss ein ungemein starker Wein sein', sagte Oegneck, 'allein ich kann versichern, dass ich ihn in vielen Jahren nicht so delikat getrunken habe.' 'Und ich', war meine Gegenrede, 'habe dergleichen mein Lebetage nicht getrunken, will aber nunmehr, sooft ich mir etwas zugute tun will, darbei bleiben, nur mit massen.' 'Ich auch', replizierte Oegneck, 'allein ich muss nunmehr gehen und sehen, was meine Frau macht und wie es um die Küche bestellt ist.'

Ich sagte ihm, dass mein Herr, wenn er auch gleich aufwachte, dennoch vor drei Uhren, und zwar heute nur einmal speisen würde, denn das wäre seine Art, wenn er getrunken hätte; wormit Oegneck sehr wohl zufrieden war und seiner Wege ging.

Sobald derselbe fort war, sprang mein Herr aus dem Bette, und weil er vollkommen ausgeruhet hatte, liess er sich, weil er den Tee schon sehr früh getrunken hatte, Wein und stärkende Confituren geben, passierte hernach die Zeit mit Briefschreiben nach seiner Heimat bis drei Uhr, da er zur Mittagsmahlzeit abgerufen wurde. Hierbei liess Oegneck fragen, ob es erlaubt wäre, den Herrn Bellian mit zur Tafel zu bringen, welches meinem Herrn eine ungemeine Freude war, doch liess er mit einer gelassenen Miene zurückmelden, wie ihm des Herrn Bellians Gesellschaft sehr angenehm sein würde. Er, mein Herr, liess sich in grösster Geschwindigkeit aufs propreste ankleiden, ging zu Tische und fand sowohl den Herrn Bellian als den Herrn von Oegneck bei demselben. Weiln ich par curiosité meinem Herrn folgte, bemerkte ich, dass Herr Bellian bei dessen Eintritt blutrot wurde, jedoch er wusste sich unter dem Komplimentieren dergestalt geschicklich von dem Oegneck abzudrehen und ihm dem rücken zuzukehren, dass dieser nichts merkte. Sie setzten sich demnach zu Tische, weil aber mein Herr sehr wenig Appetit bezeugte, indem er vorschützte, dass er gestern eine extraordinäre Débauche im Weintrünken gemacht und deswegen nicht allein starke Hitze im Magen, sondern auch einige Kopfschmerzen empfände, sagte Oegneck: 'Ich will schweigen und nicht melden, wie mir zumute ist, aber meine Frau hat mir das Kapitel recht gelesen, jedoch ich habe stille dazu geschwiegen, denn dieses Mal hat sie recht, weil ich nicht zu ihr ins Bette gekommen bin. Unterdessen hat sie doch alles wohl besorgt, so dass wir ziemlichermassen mit ihr zufrieden sein können.'

ungeachtet nun Oegneck immer allein fortplauderte und aus seinen Reden soviel zu merken war, dass er von der Langschläferei seines Gesindes nicht die