des Hundes gab, dass Oegneck vor der Tür anpochte. Beide Verliebte setzten sich demnach in eine andere ernstafte Verfassung und wurden von Oegneck angetroffen, da sie über ein Gemälde diskurierten, auf welchem der nach erhaltenen Siege mit seinen Generalen schwelgende Alexander Magnus abgeschildert war. Oegneck exkusierte sein langes Wegsein mit verschiedenen Prahlereien, mein Herr aber nahm vor dieses Mal ganz unmutig Abschied und ging in sein Zimmer. Um nun von Oegneck nicht inkommodiert zu werden, gab er vor, dass er nur ein einziges Stündgen schlafen, hernach aber mit demselben in den nahe am haus liegenden Garten in der Abendluft ein paar Stunden herumspazieren wollte.
Demnach retirierte sich Oegneck, es war aber meines Herrn wenigster Ernst zu schlafen, ob er sich gleich aufs Bette streckte, sondern er dichtete auf eine List, wie er dem Oegneck den Schlüssel zu dem verdrüsslichen schloss hinwegpraktizieren könnte. Sobald nun diese ausgesonnen, sprunge er vom Bette auf, schrieb ein Billett und schickte mich damit zu dem kapitän Reston. Ich traf denselben in seinem Logis an, und er gab mir, nachdem er das Billett gelesen, ein ergebenes Kompliment an meinem Herrn zurück mit der Versicherung, dass er nicht ermangeln würde, dessen Willen nach Verlauf einer Stunde zu erfüllen. Mein Herr war froh hierüber und befahl mir, ja keinem Menschen im haus zu sagen, dass er hätte Gäste zu sich bitten lassen.
Kaum war eine Stunde vorbei, als der kapitän Reston, welcher lieber zu gast ging als Gäste zu sich bat, indem er sehr genau lebte, mit noch vier andern Offiziers angestochen kam. Sie stelleten sich etwas betrunken und machten unten im haus einen ziemlichen Lärmen, so dass dem Herrn von Oegneck angst und bange wurde. Sobald er aber vernahm, dass sie nach meinem Herrn fragten und eine Reuterzehrung von ein paar Dutzent Bouteillen Wein exequieren wollten, gab er sich zufrieden in Hoffnung, dass vor seinen Schnabel auch etwas passieren würde, führte auch die Gäste selbst hinauf zu meinem Herrn, welcher dieselben dem Scheine nach ziemlich kaltsinnig empfing, nach gewechselten Komplimenten aber mir sogleich Befehl erteilete, von dem gegenüber wohnenden Weinhändeler erstlich ein paar Dutzent Bouteillen des allerbesten Weins zur probe herüberlangen zu lassen. Der Wein wurde, sobald sie ihn gekostet, sehr köstlich befunden und von allen gelobet. Mein Herr bat den Herrn von Oegneck, die Gäste zum Trinken anzureizen und exkusierte sich anbei vor seine person, dass er als ein halber Patient nicht allezeit Bescheid tun könnte, sondern nur mässig trinken dürfte. Im Gegenteil stümmete er heimlich wiederum den kapitän Reston, dass er und die andern Offiziers dem Oegneck brav aufs Leder saufen möchten, damit er satt bekäme. Demnach ging die Sauferei unter dem Schalle etlicher Waldhörner dergestalt an, dass nachts ungefähr um zehn Uhr Oegneck in der stube umsank, weswegen ihn unsere Laquaien aufheben und auf ein Bette tragen mussten, allein es war nicht zu verwundern, denn ausserdem, dass er sehr viel Wein getrunken, hatte ich ihm auf Befehl meines Herrn auch einen Schlaftrunk beigebracht. Die Herrn Offiziers hatten sich auch dergestalt begeistert, dass sie nicht mehr gerade gehen konnten, sondern sich von ihren Bedienten mussten zu haus führen lassen. Unsere Laquaien wurden befehligt, zu Bette zu gehen, mein Herr und ich aber machten uns über den unempfindlichen Oegneck, welcher entsetzlich schnarchte. Wir durchsuchten seine Schubsäcke und fanden endlich das kleine stählerne Schlüsselchen in seiner Goldbeurse unter den Dukaten liegen. Es war nicht leicht zu vermuten, dass ein Irrtum begangen werden könnte, sondern vielmehr sicher zu glauben, dass es der rechte Schlüssel sein müsste, deswegen musste ich erstlich noch einmal die Visitier-Ronde unten im haus halten, befand aber alles richtig, denn ich hatte nicht allein der alten Frauen, sondern auch dem alten mann und den zwei Knaben soviel Wein zu trinken gegeben, als sie nur hinunterbringen können, über dieses auch einen jeden ein proportionierliches Schlaftrinklein beigebracht. Nachdem ich nun meinem Herrn teuer versichert, dass er morgen früh vor sechs bis sieben Uhr sich nicht zu befürchten hätte, dass jemand im haus munter werden würde, als nahmen wir dem Herrn von Oegneck den Stuben- und Kammerschlüssel aus der Rocktasche (denn wir kannten beide Schlüssel wohl, weil der alte Mann dieselben allezeit zu bringen pflegte, wenn Oegneck abends noch spät bei meinem Herrn sass), und mein Herr, der eine Blendlaterne in der Hand hatte, liess sich von mir bis vor Oegnecks Wohnstube führen. Er musste herzlich lachen, da ich dem alten weib, welche in einem Winkel nicht weit von der Stubentür lag, etliche tüchtige Nasenstüber versetzte, sie aber sich dennoch nicht im geringsten regte, sondern immerfort schnarchte. Der alte Mann hingegen und die zwei Knaben waren doch noch so vermögend gewesen, in ihre Bucht zu kriechen und sich auf die Betten zu werfen, lagen aber ebenso unempfindlich als das alte Weib. Bei so gestalten Sachen wollte sich mein Herr nicht länger aufhalten, sondern eröffnete mit frohen Mute erstlich die Stubentür, ich aber begab mich im Dunkeln zurück die Treppe hinauf und bewachte den Herrn von Oegneck. Fünf Stunden war mein Herr aussen gewesen, als er wieder auf sein Zimmer kam, denn der anbrechende Tag mochte ihm die Ordre zum Rückmarsch gegeben haben. 'Dieser Streich', fing er zu mir mit erfreuten gesicht zu sprechen an, 'ist nach Wunsche gegangen; ich bin vollkommen vergnügt, ja das Angedenken des genossenen Vergnügens würde mich unfehlbar ganz melancholisch machen, wenn mir die Hoffnung beraubt würde, dasselbe noch