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zur Antwort, "solcher Possen von Herzen gern überhoben, indem ich ein Narre sein und andere ohnedem genug geplagte Leute auch noch zum Narren machen soll." "Ei! was Narren?" versetzte Oegneck, "keinen Narren, sondern einen klugen Menschen sollet Ihr machen helfen, zudem so wird Euch ja Eure wenige Mühe teuer genug bezahlt, weil Ihr bereits so schöne Dukaten vor die Musik und diesen Abend wieder einen trefflichen Ring bekommen habt, bedenket doch nur auch, was wir noch vor eine schöne Zwickmühle an diesem Herrn haben können." "Ei was!" widerredete die Frau, "der Himmel hat mir zeitliche Güter nach Notdurft genug bescheret, und bei dem Gelde, welches Ihr auf eine solche betrügliche Art schneidet, wird wohl wenig Glück und Segen sein, der Henker kann es zeitig genug holen, zumalen, wenn Ihr es Eurer Gewohnheit nach auf den Spieltisch traget. Ich beklage nur, dass es dem unglückseligen Kavalier eben also gehen wird, wie es andern melancholischen Patienten ergangen ist, die Ihr ebenfalls habt kurieren wollen, wenn nur das Können nicht ermangelt hätte. Was gilt's? wenn Ihr ihm nur den Beutel sattsam gefegt, wird er wieder so hinlaufen müssen, als er hergekommen ist, denn Ihr habt es ja mit dergleichen Leuten mehrenteils schlimmer als besser gemacht; aber ich fürchte immer, Ihr werdet einmal übel anlaufen." Oegneck schlug hierüber ein höhnisches Gelächter auf und sagte: "Solchen Narren muss man die Kolbe lausen, ich weiss mich schon herauszuschwatzen, und wenn ich einem solchen Hasenkopfe etliche 1000 Taler abgezwackt hätte. Ich merke aber wohl, mein Schatz, wo Euch der Schuh drückt, wenn ich Euch nur nicht entdeckt, dass der schöne Kavalier seine Mannheit verloren hätte, so könntet Ihr Euch vielleicht noch Hoffnung machen, einen Amanten an ihm zu bekommen, bei so gestalten Sachen aber glaube ich, dass Euch das Herz im leib vor Mitleiden bluten mag. Nicht wahr, ich habe es erraten? Allein, gebt mir nur ein gut Wort, so soll er ein paarmal mit Euch zu Bette gehen." Die Frau erwiderte mit einem bittern lachen: "Ich mag mir nicht einmal die Mühe geben, auf Eure schändlichen Reden zu antworten, die Ihr täglich aus dem eifersüchtigen verfluchten Herzen durch den Lästerrachen auf meine Ehre speiet, glaubet aber sicherlich, dass ich mich morgen wohl hüten werde, abermals eine Komödiantin zu sein." Hierüber entrüstete sich Oegneck ganz ungemein und sagte: "Das müsste der ... geschrieben haben, wenn Ihr mir nicht gehorsamen und noch dazu an einem so starken Profite verhinderlich sein wolltet. Saget nur noch ein einzig Wort, so will ich eine neue Marter vor Euch aussinnen." "Ach!" replizierte die Frau, "hierinnen seid Ihr ohnedem berühmter als der beste Henker. Der Himmel weiss, dass ich, der grausamen Tortur überhoben zu sein, dergleichen Bosheit mit verüben und diesen ehrlichen Kavalier betrügen helfen muss; jedoch der Himmel wird mir's nicht zurechnen und mir aus dieser Sklaverei helfen, sodann fresset Euer mit Betrug erworbenes Brot alleine. Ach Himmel! wie hast du doch zugeben können, dass ich einen Marktschreier und Leutebetrüger zum Ehemanne bekommen müssen."

Diese Reden reizten den Herrn von Oegneck dergestalt zum Zorne, dass er aufsprang und ihr eine sehr starke Anzahl Maulschellen und Kopfstösse versetzte, bis endlich das alte Weib darzwischenkam und Friede stiftete.'

Mein Herr war über meine glückliche Aventure ungemein erfreuet und schenkte mir vor meine gehabte Mühe ein schönes Kleid, im übrigen aber befahl er mir, nur weiter fleissig herumzuspekulieren, indem er dem Oegneck schon andere Possen, auch vor sich selbst und dessen Frau sattsame Revanche nehmen wollte. Des andern Tages war mein Herr sehr bekümmert, indem er bei so gestalten Sachen nicht leicht glauben wollte, dass Bellian sein Wort halten und an diesem Tage wieder kommen würde, jedoch als sich die Singestimme mit der Laute frühmorgens hören liess, bekam er einige Hoffnung und wurde vollkommen befriediget, da Oegneck bei der Mittagsmahlzeit sagte, dass Herr Bellian bereits melden lassen, diesen Mittag unfehlbar wieder da zu sein. Es geschahe auch, und Oegneck führte meinen Herrn selbst hinüber in das Zimmer, wo sie gestern beisammen gewesen waren, er aber retirierte sich und liess beide alleine.

Herr Bellian führte sich dieses Mal ganz traurig auf, mein Herr aber trug anfänglich Bedenken, ihn um die ursache seines Missvergnügens zu befragen, sondern, weiln verschiedene Gemälde im Zimmer aufgehenkt waren, bat er sich von einem und dem andern die Erklärung aus, worin ihm Herr Bellian gern willfahrete. Unter andern kamen sie zu einem Gemälde, worauf die Verwüstung der Stadt Troja abgeschildert war, und Herr Bellian erzählete viel von diesem Kriege. Da ich aber mittlerweile das vorher abgeredete Zeichen gab, dass Oegneck zum haus hinaus und die Haustür abgeschlossen wäre, fing mein Herr zu fragen an: 'Ei hören Sie doch, mein wertester Herr Bellian, ist nicht dieser Trojanische Krieg um einer schönen Frauen halber entstanden?' 'Ja, recht!' antwortete Bellian, 'es hiess dieselbe Helena und wurde ihrem Gemahl, dem Menelao, von einem jungen Kavalier, der Paris geheissen, entführet, sonsten lieset man von ihr, dass sie die Schönste im ganzen Griechenland gewesen.' 'Ich glaube aber doch nicht', versetzte mein Herr, 'dass diese Helena so wunderschöne gewesen als die Gemahlin des Herrn von Oegneck, deren zarte Hand