und Lobeserhebungen gnädig zu verschonen; ist sonsten meine schlechte Konversation jetzt und in Zukunft vermögend, Ihnen ein Plaisir zu machen, so bin, sooft es meine nötigsten Geschäfte zulassen, zu Dero Diensten.' 'Ach wie gern', erwiderte mein Herr, 'gehe ich doch mit dergleichen allerliebsten Leuten um, die ihren Gebärden, Worten und ganzer Aufführung keine falsche Schminke anstreichen. Er setze sich doch mit mir nieder, mein wertester Herr Bellian!' – unter welchen Worten er ihn bei der Hand fassete und dieselbe ungemein zart und weich befand, sich aber deshalb nichts merken liess, sondern im Reden fortfuhr – 'will Derselbe wohl nicht übel deuten, wenn ich frage, von welcher Sache Er denn hauptsächlich Profession macht?' 'Im geringsten nicht', antwortete Herr Bellian, 'muss aber bekennen, dass ich mich von Jugend an auf nichts Gewisses allein, sondern auf alle diejenigen Wissenschaften gelegt habe, die mir gefallen oder, deutlicher zu sagen, worzu mich mein curieuses Naturell angetrieben hat, demnach habe ich etwas studieret von der Geographie, Historie, Poesie, Musik, Malerei, Wachspoussieren, Helfenbeindrehen und dergleichen erlernet, teils durch Anweisung anderer geschickter Leute, teils aus Büchern, teils aus eigenem Antriebe. Viele wollen aus meiner Arbeit etwas Besonderes machen, allein die Menschen pflegen heutzutage einander zum öftern sehr zu flattieren.' 'Ich bin ein Feind von Flattieren', widerredete mein Herr, 'erstaune aber fast über Dessen Geschicklichkeit, welche in Wahrheit mehr Ruhm verdienet, als man derselben beilegen kann. Da mir nun nicht unbewusst, dass sich kluge Leute nicht gern ins Angesicht loben lassen, will ich jetzt davon schweigen und mit des Herrn Bellians Erlaubnis fragen, was dieses vor ein Buch sei, worin Er sich vor unserer Ankunft divertiert hat.' 'Es hat es', berichtete Herr Bellian, 'ein gottseliger Pater gemacht, und schreibt derselbe sehr schön von den eingebildeten Wollüsten der weltlich gesinneten Menschen, erweiset auch sehr vernünftig, dass alles unser Vergnügen nur blosse Eitelkeit und einem leeren Traume vollkommen ähnlich sei. Ich kann Ew. Gnaden versichern, dass mir dieses Buch bereits viele Dienste getan und noch tut, denn ob ich es gleich schon wohl 50mal durchgelesen, so fange doch allezeit wieder von vorne an und bemühe mich, dasselbe auswendig zu lernen und meine Lebensart darnach einzurichten.' 'Mein wertester Freund', versetzte hierauf mein Herr, 'ich habe zwar dem Herrn Oegneck angelegen, Ihn zu bitten, dass Er mir die Fundamenta in der Zeichnungs- und Malerkunst zeigen möchte, allein nunmehr erkennet mein bishero verfinstert gewesener Verstand, dass ich von Ihm noch eine weit schönere Kunst, nämlich die Beruhigung des Gemüts erlernen könne. Demnach ersuche ich Ihn inständig, dieses Buch mit mir durchzugehen, ich will einen fleissigen Schüler abgeben und dessen Bemühung nach äussersten Vermögen rekompensieren.' Herr Bellian erzeigte sich hierzu sogleich willig und bereit, machte mit Lesen und Lehren den Anfang, Oegneck aber beurlaubte sich unter dem Vorwande, einigen wichtigen Verrichtungen nachzugehen. Mein Herr machte wunderlich Zeug, denn bald stellte er sich, als ob er sehr andächtig zuhörete, bald aber verfiel er in ein so tiefes Nachsinnen, dass man meinen sollen, er schliefe mit wachenden Augen, weswegen Herr Bellian dann und wann einen lustigern Diskurs aufs Tapet bringen musste.
etwa drei Stunden waren sie also allein beisammen gewesen, als Oegneck wieder nach haus kam, da sie denn noch verschiedene gespräche führeten, endlich aber musste Herr Bellian halb gezwungenerweise in meines Herrn Zimmer die Abendmahlzeit mit einnehmen. Unter derselben fragte mein Herr nach dem musikalischen Knaben, bekam aber von Oegneck zur Antwort, dass sich derselbe heute etwas unpass befunden hätte, deswegen vor dieses Mal seine Aufwartung nicht machen könnte. Mein Herr war dieserwegen sehr besorgt und sagte, wie ihm der grösste teil seines Vergnügens entfallen würde, wenn dieser Knabe sterben sollte. Allein Oegneck versicherte, dass dessen Maladie nicht viel auf sich hätte, sondern er vielleicht schon morgen sich wiederum würde hören lassen.
Nach geendigter Mahlzeit wollte sich Herr Bellian nicht länger aufhalten lassen, weswegen ihn mein Herr mit einem schönen Gedenkringe beschenkte und auf diesmal von sich liess. Oegneck gab ihm das Geleite, mein Herr aber blieb alleine in seinem Zimmer, denn ich war kurz vorher, ehe die Tafel abgehoben wurde, auf Abenteuer ausgegangen und entdeckte mit besonderen Vergnügen, was ich wünschte. Sobald ich wiederum in meines Herrn Zimmer gekommen, waren meine erste Worte: 'Wissen Ew. Gn. etwa bereits, mit wem Sie heute konversiert haben?' 'Ich mutmasse', gab mein Herr zur Antwort, 'dass Herr Bellian keine Mannesperson, sondern ein Frauenzimmer und vielleicht des Oegnecks Frau sei, wenn es wahr, so ist's mir sehr lieb, denn ihre person ist in Wahrheit ungemein liebenswürdig.' Hierauf offenbarete ich ihm das ganze Geheimnis folgendergestalt: 'Ew. Gn. können sicherlich glauben, dass in Bellians Kleidern niemand anders als Oegnecks Frau steckt, ich habe an einem geheimen Orte durch einen Ritz gesehen, wie sie sich mit hülfe ihres Mannes und eines alten Weibes die Mannskleider aus- und dargegen ihre Weibskleider wieder angezogen, auch haben meine Ohren alle Worte gehöret, die sie Ew. Gn. wegen miteinander gewechselt. Erstlich redete Oegneck also zu ihr: "Ihr werdet Euch, mein Schatz, nunmehr gefallen lassen müssen, diese Masquerade alle Tage zu spielen." "Ich wäre", gab sie