auf ein paar Tage verreiset. Ferner brachte er ihm allerhand in Wachs poussierte Porträts, ingleichen viele Bogen Verse, welche meistenteils von Verachtung der Welt, von der eitlen Wollust, von den Torheiten bei der Liebe und dergleichen handelten. Mein Herr lobete alles weit mehr, als es ihm ums herz war, zeichnete sich auch einige Arien aus und bat, dass sie dem musikalischen Knaben zugeschickt werden möchten, welches denn Oegneck auch besorgte, so dass wir des darauffolgenden Abends eine unvergleichliche Vokalmusik nebst der Laute höreten. Wie aber mein Herr fragte, wer denn der Meister von diesen Versen wäre, gab Oegneck zur Antwort: 'Die Schildereien, Wachsbilder und Verse sind eines Menschen Arbeit, doch dieses alles ist nichts gegen die andere unvergleichliche Geschicklichkeit, so dieser Mensch nebst einem besonderen verstand und artiger Conduite besitzt.' 'Ach Himmel!' versetzte mein Herr, 'das wäre ein rechter Mensch vor mich, möchte ich doch denselben zeitlebens bei mir haben können, er sollte es so gut und noch weit besser haben als ich selbst, denn ich verhoffte von seiner Konversation ganz was Besonderes zu profitieren.' 'Ich glaube schwerlich', erwiderte Oegneck, 'dass er sich resolvieren möchte, zeitlebens bei Ihnen zu bleiben, denn er hat selbsten gute Mittel, ist auch bei allen seinen Geschicklichkeiten und Tugenden dennoch ziemlich eigensinnig, indem er ein ruhig Leben führen, durch seine Künste sich immer höher schwingen, mitin auch immer mehr und mehr Reichtümer erwerben kann, doch getraue ich mich ihn dahin zu persuadieren, dass er, solange sich Ew. Gn. in meiner wohnung aufhalten, Ihnen fast täglich einige Stunden die Zeit passieren soll.' Mein Herr bat inständig, ihm mit allernächsten diesen artigen Menschen zuzuführen, und Oegneck versprach sogleich nach ihm zu schicken, versicherte auch, dass, wenn er wieder zurück[ge]kommen wäre, derselbe nicht abschlagen würde, ihm eine Visite zu geben.
Hiermit ging Oegneck fort und liess meinen Herrn vor diesmal die Mittagsmahlzeit allein verzehren, welches ihm wegen seines starken Appetits, dem er bei dessen Gegenwart öfters einigen Abbruch tun musste, sehr gelegen fiel.
Nach der Mahlzeit liess Oegneck melden, dass Herr Bellian, so wurde der Pansophus genennet, zurückgekommen wäre und versprochen hätte, sich nach Verlauf einer Stunde einzufinden. Mein Herr zohe hierauf eines von seinen besten Kleidern an, ja er machte sich dergestalt galant, als ob er bei dem Vice-Roi hätte Cour machen wollen.
Wie ich aber bemerke, gnädiger Herr!" sagte hier der Kammerdiener zu Elbensteinen, "so beginnet der Tag schon anzubrechen, deswegen befürchte, Dieselben um die benötigte Ruhe zu bringen, wo mir gnädigst erlaubt ist, will ich Dero Befehl erwarten, ob ich diese geschichte Ihnen vollends bis zum Ende erzählen soll, denn wenn ich die meisten Umstände, die in Wahrheit curieus sind, nicht zurücklassen will, dürften wohl noch zwei bis drei Stunden dazu erfordert werden." Elbensteinen war die Zeit gar nicht lang worden, und er hätte, wo er nicht wäre erinnert worden, immer noch zwei bis drei Stunden zugehöret, weilen er aber bedachte, dass ihm die Ruhe so dienlich als dem guten Menschen wäre, gab er ihm einen Dukaten, auf seine Gesundheit ein Glas Wein darvor zu trinken, und nachdem sich dieser aufs höflichste davor bedankt, bat er ihn, nach der Mittagsmahlzeit wieder zu ihm zu kommen, da er denn nicht allein den Rest der geschichte vollends aushören, sondern auch weiter mit ihm sprechen wollte. Hiermit nahm der Kammerdiener Abschied, Elbenstein aber seinen Platz im Bette.
Weiln er sich vorigen Tages schon ziemlichermassen von seiner Müdigkeit erholet, als schlief er nur wenige Stunden, besahe hernach sein schönes Pferd und fand dasselbe frisch und wohl besorgt, spazierte sodann in den am haus befindlichen Garten und widmete seine Gedanken seiner geliebten Fürstin, bis er zur Mittagsmahlzeit abgerufen wurde. Nach Einnehmung derselben meldete sich alsobald der Kammerdiener wieder, welchen er, weil es ein ungemein schöner Tag war, mit in den Garten zu gehen bat und ein paar Bouteillen Wein, die im Eise stunden, dahin bringen liess. Es setzte dieser, nachdem ihn Elbenstein zu sitzen und nach Belieben zu trinken genötiget, seine Geschichtserzählung folgendermassen fort:
"Bald hernach, da sich mein Herr vollkommen angekleidet, kam Oegneck, holete ihn ab und führte ihn in ein anderes wohl ausgeputztes Zimmer, wo (wie mir mein Herr nachher alles von Wort zu Wort wieder erzählet) er den Herrn Bellian mit einem buch in der Hand auf und ab spazierend antraf, sein Hut, Stock und Degen aber lag auf einen kleinen Nebentischgen. Sobald Herr Bellian die beiden Hineintretenden erblickte, legte er sogleich das Buch aus der Hand, machte einen zierlichen Reverenz und empfing sie mit besonderer Höflichkeit. Mein Herr tat ein gleiches und fing also an zu reden: 'Mein wertester Herr und Freund, ich gratuliere mir, in dessen galanter person einen solchen qualifizierten Mann anzutreffen, der nach Berichten, welche mir der Herr von Oegneck von Demselben erstattet, seinesgleichen wenig in der Welt hat, weswegen ich denn eben auch nach Dessen schätzbarer Konversation ein besonderes Verlangen getragen und mir dieselbe öfters ausgebeten haben will.' 'Gnädiger Herr!' versetzte Bellian hierauf, 'ich bin kein Mensch von besonderen Komplimenten, sondern mein ganzes Wesen ist dergestalt aufrichtig beschaffen, dass ich weder simulieren noch dissimulieren kann, hergegen frei heraus rede, wie es mir ums herz ist, deswegen bitte, mich mit grossen Ruhm