nach Verlauf einer guten Stunde ermunterte und ihm nicht anders zumute war, als ob er geschlafen und geträumet hätte. Da es ihm aber etwas gar zu kühle zu werden begonnte, machte er sich wieder aus der Grotte heraus an die Sonne und ging im Garten auf und ab spazieren, da er denn gewahr wurde, dass die fremden Kavaliers und Dames über seinen Zimmer logierten, deswegen begab er sich aus dem Garten heraus, ging nach dem Stalle, wo seine Pferde stunden, im Rückkehren aber bemerkte er in einem andern Zimmer durch die Fensterscheiben noch mehrere Dames, konnte jedoch nicht sehen, ob sie schön oder hässlich wären, weil sie ihre Gesichter mit Florkappen bedeckt hatten; wiewohl er sich auch hierum wenig bekümmerte, indem ihm das Bildnis der charmanten Baronne von K. beständig vor Augen schwebte.
Er begab sich wieder nach seinem Zimmer und brachte die Zeit mit allerhand Gedanken zu, bis endlich der Wirt nebst der Alten ihm die Mahlzeit auftrugen. Der erstere erzählete, wie einige Kavaliers und Dames begierig zu wissen gewesen wären, wer doch der Herr sein möchte, welcher im Garten spazierengegangen, ja die eine Dame hätte ihn, den Wirt, auf die Seite gezogen und ihm einen Zechin geboten, wenn er ihr den Namen dieses Kavaliers und den Ort, wo er sich ordentlich aufzuhalten pflegte, sagen wollte; allein er habe hoch beteuret, dass er ihre Kuriosität nicht vergnügen könnte, weil sich dieser Kavalier weiter vor nichts als einen Reisenden ausgäbe, der sich an diesem oder jenem Orte, wo es ihm gefiele, zuweilen ein oder etliche Tage aufzuhalten pflegte. "Mein Herr!" sagte hierauf Elbenstein, "Er hat recht geantwortet; damit Er aber nicht Schaden leide, so verehre ich Ihm hiermit zwei Zechins mit Bitte, dass Er jetzt gleich nach der Mahlzeit auf ein paar Stündgen mit [mir] spazierengehen möchte, um [mir] die selbiges Orts befindlichen Merkwürdigkeiten zu zeigen." Der Wirt stellte sich nunmehr nach abgelegter schuldigen Danksagung vor das empfangene Geschenk noch einmal so dienstfertig und versprach, Elbensteins Befehlen in allen Stücken zu gehorsamen. Dieser liess sich die Mahlzeit wohl schmecken, ingleichen den trefflichen Wein, den man in selbiger Gegend um billigen Preis haben konnte, und begab sich nachher mit dem Wirte auf den Spazierweg. Dieser führte ihn vor allererst zu des in seinem Leben sehr berühmt gewesenen Francisci Petrarchae haus, welches er sehr schlecht und nicht viel besser als ein gemeines Baurenhaus befand, doch dem berühmten mann zu Ehren besahe er alle Winkel desselben und setzte sich endlich, um ein wenig auszuruhen, auf der Stelle nieder, wo der Sage nach Petrarcha vor diesen seine Schlafstätte gehabt hätte. Er bemerkte über der Tür nicht nur obgemeldte Katze, sondern auch folgende Buchstaben: Francisc. Petrarcha, Aret. Florent. nat MCCCIV. d. XX. Jul. denat. Florent. MCCCLXXIV.
Elbenstein versicherte seinen Wirt, dass er auf Universitäten in Deutschland zwar viel von diesem mann gehöret und gelesen, müsse aber gestehen, dass ihm als einem jungen Menschen das allermeiste wieder aus der Acht gefallen, weswegen der Wirt, welcher die Geschicht vielleicht von andern Passagiers erzählen hören, also redete: "Mein Herr! Dieser Petrarcha ist ein sehr gelehrter Jurist, Philosophus und Poet gewesen, welcher zu Carpentras, Montpellier und Köln studieret hat. In Rom hat man ihn ohne sein Verlangen zum Poeten gekrönet, wie er denn auch nachher das Archidiakonat in Parma erhalten, ja er wäre unfehlbar Kardinal worden, wenn er dem damaligen Papste Clementi VI. seine schöne Schwester zur Mätresse überlassen wollen. Sonsten sagt man, dass er sich allezeit mit einem ledernen Schlafrocke zu Bette gelegt habe, und wenn ihm etwas von besonderen gelehrten Dingen beigefallen, er solches sogleich auf diesen ledernen Rock geschrieben, wannenhero man nachgehends die Vorderteile dieses Rocks und so weit er sonsten reichen können, ganz mit Versen und andern gelehrten Einfällen beschrieben gefunden. Man hat diesen Rock lange Zeit als eine besondere Rarität aufgehoben, endlich aber ist derselbe zur Pestzeit unter andern Sachen mit verbrannt worden."
"So werden vielleicht", sagte hier Elbenstein, "auf diesem ledernen Rocke auch viele verliebte Seufzer und vortreffliche Stossgebetgen an seine geliebte Laura anzutreffen gewesen sein, deren der Herr Wirt gestern gedacht hat?" Wie nun der Wirt zur Antwort gab, dass er solches nicht eigentlich sagen könne, fuhr Elbenstein im Reden fort und fragte: "Ei, mein Herr, gibt es denn dem volk kein Ärgernis, wenn sich die geistlichen Herrn und sonderlich die Päpste Mätressen halten, wie er mir denn nur jetzt gesagt hat, dass der Papst Clemens VI. des Petrarchae schöne Schwester zur Mätresse verlanget habe?"
"Ei, behüte Gott und alle Heiligen", versetzte der Wirt, "dass wir von solchen Sachen nichts mehr reden! Kommen Sie, mein Herr! wir wollen weitergehen." Elbenstein wollte dem ehrlichen mann nicht missfällig werden, deswegen folgte er demselben und wurde von ihm zu der Statue des Petrarchae, die von Metall gegossen war, geführt, bei welcher der Wirt erzählete, dass ein gewisser Edelmann, der durch einen vorsätzlichen und frevelhaften Pistolenschuss an der Statue ein Auge verderbet, von der durchl. Republik Venedig auf Lebenszeit bannisiert worden. Nach diesen zeigete ihm der Wirt noch verschiedene vermeintliche Heiligtümer und Raritäten, welche Elbenstein ihm zu Gefallen zwar bewunderte, in der Tat aber nichts besonders Wunderbares daran befand, weswegen er unter dem Vorwande einer grossen Müdigkeit wieder mit ihm zurück in das Gastaus kehrete.