, wo ich mich damals aufhielt, passet, da ich meine Mätresse nachts aus der Opera führe, vorsichtig auf und stiess dieselbe plötzlich mit einem Stilett auf der Stelle an meiner Seite darnieder, dass sie augenblicklich den Geist aufgab. Auf meine Brust tat sie ebenfalls in der Geschwindigkeit zwei heftige Stösse mit diesem Mordgewehr, allein ihr Arm war zu schwach, oder vielmehr mein anhabendes ledernes Kollett mochte verhindern, dass sie mir gleichergestalt das Leben rauben konnte. Sie wurde zwar arretiert und von mir sogleich vor meine ehemals geliebet Doris erkannt, doch es wachte nicht die geringste Liebesregung in meiner Brust gegen sie auf, sondern ich war gesonnen, nach Urteil und Recht mit ihr verfahren zu lassen; allein Doris spielete das Praevenire und richtete sich selbst im Gefängnisse mit Opio hin, nachdem sie vorher einen Brief an mich geschrieben, dessen Inhalt mir noch täglich in Gedanken sowohl als der Schatten ihres Körpers vor Augen schwebt. Aus wenigen Worten, mein Herr! die ich Euch aus dem Briefe hersagen will, werdet Ihr leicht erachten können, wie der ganze bogenlange Brief müsse gelautet haben: Siehe, Verteufelter, hatte sie geschrieben, durch Deine geile Bru[n]st und Hurenliebe hast Du solchergestalt zwei der schönsten Fräuleins um Ehre und Leben, ja was das erschrecklichste, um ihrer Seelen Seligkeit gebracht. Jedoch ich weiss ganz gewiss und sehe bereits in meiner bittern Todesstunde mit süssen Vergnügen vor Augen, wie Du noch auf Erden an demjenigen Gliede, womit Du gesündiget hast, aufs grausamste gepeiniget wirst. Glühende Eisen, scharfe Messer, Scheren und Zangen werden Dich in Zukunft kitzeln, doch wirst Du statt empfindender Wollust Ach! Weh! Zeter und Mordio! schreien müssen etc. etc.'
Hier hielt mein Herr etwas mit Reden inne, legte sich mit zugemachten Augen (wie ich durch ein klein Loch aus dem Cabinet bemerken konnte) zurück aufs Bette und stiess etliche tiefgeholte Seufzer aus; mir, ungeachtet ich sogleich merkte, dass er keine wahrhafte geschichte, sondern ein blosses Gedichte hererzählete, stunden jedennoch fast die Haare zu Berge, und kann nicht leugnen, dass mir dergleichen Beginnen sehr frevelhaft vorkam. Bald hernach aber setzte er seine Erzählung folgendermassen fort:
'Ach mein Herr von Oegneck! wie haben der sterbenden Doris Prophezeiungen doch so richtig bei mir eingetroffen, ob ich gleich wenige Tage nach ihrem tod alles aus dem Sinne schlug und mich um nichts bekümmerte, als wo ich wieder eine neue wohlqualifizierte Mätresse hernehmen wollte. Unterdessen aber, weil ich nicht sogleich finden konnte, was meine sehnlichen Augen suchten, hielt ich mich zu den gemeinen barmherzigen Schwestern und führte ein dermassen garstiges Leben mit ihnen, dass ich mich nunmehr selbst schäme, ferner daran zu gedenken. Jedoch die gerechte Strafe des himmels rückte herbei, ehe es von mir vermutet wurde, denn als ich einsmals des Abends mit schlummerenden Augen auf meinem Bette lag und in einer wollüstigen Positur auf eine bestellte Coquette wartete, erschien mir der Geist der erblasseten Doris, welcher mit einem glühenden Eisen das Unterteil meines Gemächts berührete und mich dermassen brennete, dass ich vor Schmerzen helle zu schreien anfing und mich solchergestalt ermunterte. Anfänglich vermeinte ich zwar, es sei ein blosser Traum, und suchte mir dergleichen Phantasien aus dem kopf zu schaffen, allein es war mir unmöglich, zudem überfiel mich ein eiskalter Schauder, welcher mit der grössten Hitze zum öftern abwechselte, auch fing der im Traume gebrannte Fleck an, heftig zu schmerzen, so dass ich statt der verhofften Wollust diese Nacht über die allerentsetzlichste liebes- und Gemütsmarter empfinden musste.
Mit anbrechenden Tage, verhoffte ich, würde zugleich mein schmerzhafter Zustand unterbrochen werden, indem sich meine Sinnen ohnmöglich einbilden konnten, dass mir dergleichen re vera begegnet sei. Aber! aber! ich verspürete bald mit ermunterten Sinnen und Augen, dass mein Zustand einer der allergefährlichsten sei, inmassen mein Gemächte seine gewöhnliche Gestalt verlor und sich in eine unbändig grosse Wasserblase verwandelte. O Himmel! wie wurde mir zumute? Fast hätte ich mich, um der grausamen Schmerzen auf einmal loszukommen, resolviert, mir selbst eine Pistolenkugel durchs Herz zu jagen, jedoch mein guter Engel hielt mich davon zurück. Ich schickte nach den erfahrensten Ärzten, welche zwar bald genug ankamen und mir die allerkostbarsten innerlichen und äusserlichen Arzeneien gebrauchten, allein die grausame Höllenpein, welche ich noch immerfort erlitte, konnte kaum binnen acht Tagen ein wenig gelindert werden. Endlich, nachdem zwei Wochen verflossen waren, wurden zwar die Schmerzen etwas erträglicher, im Gegenteil schien es, als ob diese Extremität meines Leibes gänzlich abfaulen wollte. Ins Scrotum fielen etliche Löcher, beide Testiculi wurden vom kalten Brande angegriffen befunden, demnach herausgezogen und zu meinem grössten Leidwesen abgeschnitten. Also half mir mein getanes Gelübde, welches darinnen bestund, dass ich nach völliger Genesung nimmermehr kein Frauenzimmer uneheligerweise wieder berühren wollte, vor dieses Mal gar nichts, sondern es wurde mir vom Schicksale auferlegt, die Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts andern zu überlassen. Doch dieses ist höchst zu verwundern, dass, sobald ich solchergestalt kastriert war, sich sofort alle Schmerzen verloren, ja und kurz zu sagen, ich befand mich, ehe vier Wochen verflossen, vollkommen restituiert und wundere mich nunmehr selbst, dass von dem entsetzlichen Schaden so wenige Narben zu fühlen sind. Nach der Zeit habe zwar wenige oder gar keine Incommodité weiter davon empfunden, doch ein berühmter Operateur hat mir geraten, beständig eine solche Bandage, wie mein Herr um meinem leib herum hier siehet, zu tragen, denn seinem Sagen nach könnte ich gar