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zwinget? heisst das geliebt, wenn man eine person unschuldigerweise aus blossen Misstrauen zu ewiger Gefangenschaft verdammet? Oh! hole doch der Henker solche Liebe. Wie meint der Herr? wenn der Vice-Roi Ihn zu sich kommen liesse und spräche: Herr von Oegneck, ich habe vernommen, dass Er ein geschickter frommer Mann ist, der keinen Menschen bestohlen noch betrogen noch sich sonsten jemals unartig aufgeführet hat, damit Er nun bis an Sein Ende so fein fromm bleiben und nicht etwa durch böse Gesellschaft oder Seine eigene Lüste zu diesem oder jenem Laster verführet werden möge, will ich Ihn bis an das Ende Seines Lebens auf ein Schloss in genaue Verw[a]hrung bringen, jedoch aufs allerbeste traktieren lassen.

Was gilt's, mein Herr! die Freiheit würde Ihm angenehmer sein als die herrlichsten Traktamenten, denn es ist dem Menschen nichts Angenehmers, auch nichts Edlers auf der Welt als die Freiheit. Gott hat im Paradiese gesagt: Ich will dem Menschen eine Gehülfin (keine Sklavin) schaffen, die um ihn (nicht aber seine Gefangene) sei etc. Wie da? mein Herr! ist es also nun christlich gehandelt, wenn man so gröblich und vorsätzlicherweise wider Gottes Ordnung lebt? Man könnte Demselben noch viel scharfsinnige fragen vorlegen, allein diese Sachen gehören mehr vor die Herrn Geistlichen als vor Soldaten. Doch will ich Ihm noch dieses zur dienstlichen Nachricht sagen, dass Er sich vollkommen glücklich schätzen kann, wenn Ihm seine Frau vollkommen getreu und nicht selbsten zu Ausschweifungen inklinieret, widrigenfalls werden alle superkluge und vorsichtige Anstalten so vortrefflichen Stich halten wie Butter an der Sonnen.' Hierauf erzählte der Major einige Exempel, auf was vor listige Art Ehemänner von ihren Weibern in diesem Stück betrogen worden. Die andern Offiziers und Kavaliers erzähleten auch ein jeder etliche, da denn verzweifelte Streiche herauskamen, welche zu wiederholen viel zu weitläuftig fallen dürfte. Kurz, sie bemüheten sich, den Herrn von Oegneck damit zu überführen, dass das Weiberhüten eine ganz vergebliche und lächerliche Sache wäre und dass auch zuweiln die allerehrlichste Frau durch vermerktes Misstrauen ihres eifersüchtigen Ehemannes und allzustrenger Hut zur Rachgier verleitet werde und dasjenige tue, was sie sonsten wohl unterlassen hätte, wenn sie nicht so scharf gehalten worden. 'Ha! meine Herrn!' rief Oegneck, 'alle die Exempel, so Sie erzählet haben, kommen mir lächerlich vor. Die guten Leute haben alle die Art und Weise nicht recht gewusst, sich ihrer Weiber zu versichren, deswegen sind sie nicht zu beklagen, da sie betrogen worden. Die Sache muss man bei einem ganz andern Zipfel anfangen; was wollte doch alle ihre Praecaution mit meinen Anstalten vor eine Gleichheit haben? Nichts, nichts, meine Herrn, ich habe einen zehnfach mehr verschlagenen und listigern Kopf als alle diejenigen, von welchen Sie mir jetzt erzählet haben, und derjenige, so mich betrügen sollte, müsste noch erst geboren werden, denn wo andere nur hindenken, bin ich längstens gewesen, offenbare aber nicht alle meine Geheimnisse. Nun aber, meine Herrn! mag es vor diesmal genug sein von dieser Materie, ich will kein Wort mehr davon reden, Punktum!'

Die sämtliche Compagnie war nunmehr sattsam überzeugt, dass in seinem kopf vor 100 Narren nur 99 Stühle befindlich, weswegen der überleie gewaltig herumschwärmete, einen bequemen Sitz zu finden, also hätten ihrer etliche gern gesehen, dass man den Hasen noch eine Zeitlang gehetzt, doch der kapitän Reston brachte gewisser Ursachen wegen ein ernstaftes Gespräch aufs Tapet, weswegen die lustigen Streiche vor diesmal beiseite gesetzt wurden.

Mein Herr hatte sich unter der Zeit, da alles dieses gesprochen worden, abermals vom Tische hinweg und an ein Fenster gemacht, auch getan, als ob er von allem nichts gehöret hätte, wiewohl er sich verschiedenes, das zu seinem Vorhaben dienlich, aus diesen begebenheiten angemerkt. Er wurde zwar genötiget, wieder zur Compagnie zu kommen, allein er bat um Erlaubnis, auf die Zurückkunft eines gewissen Kavaliers noch einige Zeit warten zu dürfen. Oegneck, welcher immer ein Auge auf ihn hatte, machte sich diese gelegenheit zunutze, stunde auf und drehete sich mit Manier an seine Seite, plauderte von diesem und jenem so lange, bis er das Gespräch auf die Temperamente derer Menschen brachte und einen Herrn, der ein vollkommener Sanguineo Cholericus war, mit aller Gewalt das melancholische Temperament aufzwingen und dringen wollte. Mein Herr strebte anfänglich lange darwider, endlich da ihm Oegneck allerhand abgeschmackte medizinische Grillen vorgebracht, gab er sich überwunden und sprach: 'Mein Herr von Oegneck, ungeachtet ich bereits unter den Händen vieler Medicorum gewesen, so kann ich Ihm doch ohngeheuchelt versichern, dass mir noch kein einziger das Pflöckgen so akkurat getroffen hat als Er, und zwar in so kurzer Zeit, da Er mit mir noch so wenigen Umgang gehabt. deswegen bin ich willens, mich Seiner Kur völlig anzuvertrauen in Hoffnung, bei Ihm die Erfüllung meines Wunsches zu finden, zumalen wenn ich Ihm noch einige geheime Umstände, so meine selbsteigene person betreffen, werde offenbaret haben, als woran vermutlich das meiste gelegen sein wird. Er wird also so gütig sein und übermorgen früh um sechs Uhr in mein Logis kommen, um sich mit mir zu unterreden. Doch dieses will ich im voraus sagen: Ist Er glücklich in Kurierung meines Malheurs und verschwiegen bei demjenigen Geheimnisse, so ich Ihm anvertrauen werde, soll Er von mir raisonable kontentieret werden, plaudert Er aber nur das geringste davon aus, so werde ich mein Haupt nicht eher sanfte legen, bis