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fast unmöglich, denn obgleich das schöne und artige Weibgen wohl leichtlich bewogen werden könnte, ihrem närrischen ... hut Hörner aufzusetzen, so liegt doch beständig ein alter rotäugiger Drache, welcher noch ärger ist als der Teufel, neben ihr, welcher sie, der Mann sei zu haus oder nicht, bewachen muss.' 'Herr Hauptmann', versetzte hierauf mein Herr, 'Ihre Reden und das, was ich vor einigen Tagen an einem gewissen Orte von dem närrischen Oegneck und seiner Frau vernommen, trifft überein, ich traue Ihrer Verschwiegenheit und versichere, dem Oegneck eine Ochsenkrone aufzusetzen, ob er auch gleich seine Frau beständig bei sich im Schubsacke herumtrüge; inzwischen bleiben Sie nur dabei, dass ich ein Melancholicus und Abstemius von Frauenliebe sei.' Reston hätte sich über meines Herrn Vorsatz und ernstaftes Vorbringen mögen scheckig lachen, bestärkte ihn aber nicht wenig in diesem Vorsatze und versprach, nach Möglichkeit dazu behülflich zu sein, worauf einer nach dem andern wieder ins Zimmer zur Compagnie ging.

Sobald sie sich beiderseits niedergelassen und den Herrn von Oegneck in tiefen Gedanken sitzend antrafen, rief der kapitän Reston: 'Allons! Herr von Oegneck, wie so tiefsinnig? A propos! wir haben vorhin mit Verwunderung gehöret, was Derselbe vor eine ungemeine glückliche Heirat getroffen, wie aber reimet sich das mit dem, da Er anfänglich sagte, es würde Ihm angst und bange, wenn Er nur an das Heiraten gedächte, da doch, meines Erachtens, wohl kein Mensch auf der Welt mehr ursache hat, vergnügter davon zu gedenken und zu reden als eben Er.' 'Meine Herren!' gab Oegneck hierauf zur Antwort, 'vielleicht finden sich einige in dieser Gesellschaft, welchen die gespräche vom Ehestande und dergleichen ekelhaft und verdrüsslich vorkommen möchten; jedoch mit Erlaubnis, ich will das Meinige kurz machen und Ihnen allerseits nur zu erwägen geben, ob diejenigen Beschwerlichkeiten, womit der Ehestand verknüpft ist, nicht vermögend sind, einem Angst und Bangigkeit zu verursachen. Ich meinesteils empfinde zwar das wenigste davon, weil ich mit meiner Frauen ein vergnügtes Leben führe, auch werde ich von dem Kindergeschrei und andern dabei vorfallenden Ungelegenheiten nicht geplagt. Warum? Ich breche meiner Wollust ab und menagiere meine Frau, um selbige desto länger schön, glatt und zart zu behalten, denn es ist nach aller vernünftiger Medicorum, Physicorum, Philosophorum, Naturaeque expiscatorum Meinung klar, richtig und wahrhaftig wahr, dass die Weiber von öftern Kinderzeugen runzlich, unscheinbar und hässlich werden. Am allererschröcklichsten aber kömmet mir die grosse Gesellschaft der Hahnreier vor. Par Dieu! wenn ich daran gedenke, möchte ich bersten wie eine Maikröte. Und ob zwar ich in Erwägung meiner Frauen treuer und ruhmwürdiger Conduite, vornehmlich aber meiner selbsteigener gemachten Praecaution die Tage meines Lebens über nimmermehr in diesen Orden zu kommen befürchten darf, so können mir doch die Exempel anderer unglückseliger Hörnerträger täglich dergestalt viel, teils Mitleiden, teils Grimm, verursachen, dass ich mich öfters fast nicht zu lassen weiss. Alle diese Grillen aber, welche ich aus christlicher Liebe gegen andere vereheligte Mitbrüder zu erdulten mich fast gezwungen sehe, wären wohl unterweges geblieben, wenn ich nicht selbst verehligt wäre, denn was gingen mich sonsten die Ehestandsaffären an.'

nunmehr war es einigen von der Gesellschaft unmöglich, das lachen länger aufzuhalten, deswegen fingen sie mit vollem Halse an; Oegneck aber sah so ernstaft aus als ein anderer Cato. Jedoch, da sich das Gelächter geendigt, sprach er mit Seufzen: 'Ja, ja, Ihr lieben Herrn habt alle gut lachen, allein fangt nur erstlich an, ein recht christliches Ehestandsleben zu führen, so werdet Ihr Kreuz, Trübsal und Bekümmernis genug, ja mancher vielleicht mehr als ich darinnen finden.'

Hierauf sagte ein Major namens Morster: 'Der Herr von Oegneck hat recht, doch aber getraue mich, Ihn zu überzeugen, dass Er einen recht unchristlichen und Gott höchst missfälligen Ehestand führet. Denn ist denn das wohl der rechte Zweck des Ehestandes, wenn man dasjenige Werk der Liebe, welches Gott zur Fortpflanzung des menschlichen Geschlechts verordnet und in die natur gelegt, nur Wollust halber treibt und den Leibesacker seiner Frauen nur deswegen nicht behörig pflüget und dünget, dass er fein derb und glatt bleiben soll? Ist's verantwortlich, dass man um eines kurzen Kindergeschreies und einiger andern Inkommoditäten wegen verhindert, dass dem Himmel viel 1000 Bet-, Lob- und Dankopfer, ja etliche Seelen mehr zugeschickt werden? Ja soll man sich selbst um das Vergnügen bringen an denjenigen Kindern, welche uns in der Jugend die Ohren vollgeschrien haben, mit der Zeit Ehre, Freude und Ruhm, ja Beistand im hohen Alter zu erleben? Ich sage nein dazu und halte es vor eine himmelschreiende Sünde. Dieses war ein Punkt, mein Herr! Bei dem andern aber fragt sich's: worin denn, ausser seiner Frauen ehelicher Treue, die eingebildete vortreffliche Praecaution bestehe, welche Er sich gegen die Immatrikulierung des Hahnrei-Ordens gemacht? Ich merke zwar schon, was Er, ohne die Wahrheit zu beleidigen, sonderlich nach hiesiger Landesart darauf vorstellen kann; allein es fragt sich auch noch, ob es recht und billig sei, dass man, von einer törichten Jalousie angereizt, den Ehestand zu einem ängstlichen Kerker des Frauenzimmers macht und seiner Ehefrau nicht die Freiheit gönnet, welche andere Weiber an den allermeisten Orten der Welt geniessen, sondern dieselbe in der Einsamkeit die Strengigkeit ihres Mannes zu beweinen, die Blüte ihrer Jugend aber zu verwelken