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mit einigen Kopfschütteln folgendes: 'Es ist wahr, meine Herrn! ich habe eine Frau bekommen, die einen recht englischen Verstand besitzt, denn sie ist nicht allein in der Schrift, sondern auch in allen andern curieusen Wissenschaften vortrefflich wohlerfahren. Kann einen zierlichen Vers machen, nebst der Laute unterschiedene andere musikalische Instrumente recht charmant spielen, sauber schreiben, perfekt rechnen, künstlich malen und in Wachs poussieren, die schönste gestickte Arbeit und summa summarum alles, was ihre Augen sehen, können ihre hände nachmachen.

Nackend und bloss', fuhr er fort, 'ist sie nicht zu mir kommen, sondern hat ein Heiratsgut von mehr als 1000 Dukaten mitgebracht, welches Kapital ich in Banco gelegt, der vortrefflichen Meublen zu geschweigen. Ihre Jungfrauschaft ist mir zu meinem allergrössten Vergnügen unversehrt zuteile worden, und habe ich die Marquen und Beweistümer hiervon bis dato noch unter meinen kostbarsten Raritäten verwahrt liegen. Es hat ihr niemals nach einer andern Mannesperson gelüstet als nach mir allein, auch führet sie beständig ein einsames, stilles und frommes Leben, woraus ihr tugendhaftes Wesen sattsam erhellet. Was die Schönheit meiner Frauen anbetrifft, so kann ich dieselbe mit allem Rechte ganz unvergleichlich nennen, denn ihre Augen sind wie ein paar blaue Crystallen und schicken mir so vieles Feuer zu, dass ich mich zuweilen mit Gewalt von ihnen entfernen muss, um durch allzu hitziges Lieben mein Leben nicht vor der Zeit abzukürzen; ihre Wangen sind wie Milch und Blut, die Haut über den ganzen Leib beschämet das allerweisseste und glattpolierteste Helfenbein; und die übrigen Leibesteile, an und in welchen die Verliebten die Quintam Essentiam der Wollust zu suchen pflegen, sind so beschaffen, dass ...'

Hierauf brach der mit Hasenschrot geschossene Herr v. Oegneck auf einmal in seiner Rede ab, sagte aber bald hernach: 'Basta! Meine Herrn, ich muss schweigen, sonsten möchte einer oder der andere einen unordentlichen Appetit bekommen, mich zum Hahnrei zu machen. Vivat indessen', rief er, indem er zugleich ein Glas Wein an den Mund setzte, 'mein schönstes und liebstes Weibgen!' Mittlerweile hatten alle Anwesende genug zu tun, sich des lauten Lachens zu entalten, gaben aber einander ihre Gedanken mit den Füssen unter dem Tische zu verstehen.

Mein Herr aber stunde unter der Zeit, da Oegneck seiner Frauen Gesundheit trank, jählings auf, nachdem er einigen von der Compagnie einen heimlichen Wink gegeben, ging zur Tür hinaus und lachte sich satt. Oegneck, da er das grosse Glas ausgeleeret hatte, sagte mit einer lächelnden Miene: 'Hab ich es nicht gedacht, dass sich unter dieser Gesellschaft hitzige Venusbrüder befänden? Wenigstens dieser Kavalier, welchen ich heute zum ersten Male zu sehen die Ehre habe, gibt sattsam zu verstehen, dass unter meinen Reden Cupido einen Pfeil auf ihn abgedruckt hat.' Hierauf gab der kapitän Reston zur Antwort: 'Der Herr von Oegneck irret sich vor diesmal gar gewaltig, denn ich kann denselben versichern, dass dieser Kavalier ein Erzmelancholicus und Abstemius von allem Frauenzimmer, demnach chagriniert ihn nichts mehr, als wenn von Frauenzimmer, Heiraten und verliebten Händeln geredet wird, jedoch dieses wollen wir uns insgesamt nicht irren lassen, sondern ihm zum Possen dergleichen gespräche weiter fortführen.' 'Ei, das ist ein anders', sagte Oegneck, 'allein wenn es so mit ihm beschaffen ist, möchte sich der liebe Herr doch nur zu mir in die Kur begeben, denn ich kuriere Melancholiam ex fundamento, wenn ich nur weiss, dass ich raisonabler Zahlung versichert bin.' 'Wo sich der Herr von Oegneck', replizierte der kapitän Reston, 'verobligieren kann und will, den Kavalier von diesem Malheur zu befreien, will ich sogleich mit ihm davon sprechen, auch werden mir die Herrn allhier alle bezeugen, dass er sich sonsten jederzeit sehr généreux aufgeführet.' 'Ach, tun Sie doch dieses, mein Herr Hauptmann', bat Oegneck, 'ich werde niemals ermangeln, Ihnen alle Gegen-Erkenntlichkeit zu erweisen.'

Demnach ging der kapitän Reston hinaus und berichtete meinem Herrn, was man in seiner Abwesenheit von ihm gesprochen. Dieser, weil er ein extraordinär verliebter Mensch, darbei einen überaus lustigen, listigen und verschlagenen Kopf hatte, fragte sogleich: 'Ist's denn wahr, mein Herr Hauptmann, dass dieses Haselanten Frau etwas Schönes an sich haben soll?' 'Ich kann Ihnen', gab Reston zur Antwort, 'bei meiner Ehre versichern, dass, wie schon gesagt, nicht allein meine eigene Frau, sondern auch viele andere Offiziersfrauen, welche dieselbe bei gewissen Angelegenheiten gesehen und gesprochen, ihre ganz besondere Schönheit und Artigkeit mir nicht sattsam beschreiben können.' Hierbei wäre aber nichts zu beklagen, als dass sie einen solchen Hasenfuss und eifersüchtigen Grillenfänger zum mann hätte, welcher sie weit strenger als eine Nonne hielte. Das gute Weib beweinete ihren unglückseligen Ehestand, welcher sie fast gänzlich von der Gesellschaft anderer Menschen verbannete, zwar täglich, dürfte dieses dem törichten Kerl aber im geringsten nicht merken lassen, weiln er sonsten sogleich Verdacht auf sie legte, als ob sie Lust hätte, Ausschweifungen zu begehen. Im Gegenteil müsste sie sich zwingen, ihm verliebt und freundlich zu begegnen, übrigens ihr Unglück mit Gedult ertragen.

'Ich vor meine person', verfolgte Reston seine Rede, 'würde mir eine unbeschreibliche Freude daraus machen, wenn ich erführe, dass jemand so glücklich gewesen, diesem Narren einen Possen zu reissen, doch ein solches ist