Geschenken überhäuft worden, dass er nicht genugsame Worte vorzubringen wüsste, seine Dankbarkeit an den Tag zu legen. "Ich will", versetzte sie hierauf, "dass Ihr mir hiervon durchaus nichts gedenken sollet, sondern redet mir heute zu guter Letzte noch etwas vor, das ich lieber höre." Diesemnach gerieten sie beide auf verliebte gespräche, nahmen auch Abrede, wie sie ihre Korrespondenz einrichten wollten, endlich aber wurde das Zeichen gegeben, zur Tafel zu kommen, da sie denn über zwei Stunden miteinander speiseten, nachher eine gute Zeit im Zimmer herum spazierengingen und von ihren Geheimnissen sich unterredeten; allein sie vertieften sich dergestalt, dass die Dame endlich sprach: "Mein Engel, es ist heute der 18te Tag nach meiner Niederkunft, an welchen ich dich von mir lassen muss, weil mein Gemahl, wo nicht diese, doch längstens die andere Woche zurückkömmt. Ich befinde mich sonsten in vollkommen gesunden stand, deswegen kann ich den Abschied nicht so trocken geschehen lassen. Meine Augen haben die vergangene Nacht und heute früh Tränen genug fliessen lassen, deswegen ist es billig, dass ich noch etwas zur Gemütsberuhigung empfange." Wie aber das übrige Bezeigen einige Schwachheit anzeigte, indem sie ganz ermüdet auf das Bette darniedersank, war Elbenstein auch so unbarmherzig nicht, dieselbe trostlos zu verlassen, sondern gab ihr von dem bei sich führenden, probat befundenen Lebensbalsame, den er nun fast drei Wochen daher präpariert und aufgesparet, noch etliche Doses ein, welche ihr dergestalt wohl bekamen, dass sie vor Freuden, jedoch mit schwacher stimme ausrief: "Nun ist's genug! Habe Dank, mein Engel! Es hat seine Richtigkeit aufs neue, oder ich verwette mein Leben."
Es ist nicht zu beschreiben, wie zärtlich sie ihn hierauf karessierte, und Elbenstein wurde hierdurch dergestalt eingenommen, dass er fast selbst nicht wusste, wie ihm zumute war. Endlich richtete sich die Dame wieder auf, lösete ihre mit kostbarn Juwelen versetzten Armbänder ab, entblössete Elbensteins arme und befestigte sie darum, welcher, wo er sie nicht alterieren wollte, mit sich machen lassen musste, was ihr beliebte, ja er durfte sich nicht einmal davor bedanken, sondern musste nur angeloben, dass er sie beständig verdeckt an seinen Armen tragen und niemals ablegen wollte.
Unter allen diesen verliebten Unternehmungen rückte endlich der Abend herbei, weswegen die Dame der Olympia ein Zeichen gab, dass sie keine ordentliche Abendmahlzeit, sondern nur kalte Küche auf die Serviette verlangete. Wie nun dieses bereit, hielten beide Verliebte die Abschiedsmahlzeit miteinander, und zwar sehr kurze Zeit, denn Elbenstein, welcher sich ungemein wehmütig angestellet, gab zu vernehmen, wie er noch ein und anderes von Kleinigkeiten zu besorgen hätte. Die Dame fragte ihn, ob er seinen Coffre, den ihn die Stummen überbracht, eröffnet hätte. Er gab zur Antwort, wie er es willens gewesen, wäre aber durch die Olympia, welche ihn abgerufen, daran verstöret worden ... Alsobald fiel ihm die Dame ins Wort und sagte: "Mein Kind, es ist unnötig, dass Ihr denselben allhier eröffnet, jedoch weil ich mich besinne, dass Ihr Eure Barschaften neulich wohl meistens von Euch gegeben, will ich Euch solche wieder vergüten." Hiermit ging sie über ihr Chatoull und langete einen gestickten Beutel mit 300 Zechinen heraus, welchen Elbenstein ohne einige Widerrede annehmen musste, nach diesem erlaubte sie ihm, erstlich nach seinen Sachen zu sehen und den Stummen zu befehlen, dass sie dieselben alsofort auf den Wagen bringen sollten, damit er, wenn die Nacht eingetreten, gleich abreisen könnte; jedoch solle er sich nicht säumen, alsobald wieder bei ihr zu sein.
Der in seinem Gemüte ziemlich verwirrte Elbenstein packte demnach alles, was er etwa von Kleinigkeiten noch herumliegen hatte, vollends ein, erteilete den Stummen die Ordre und schenkte jeden 25 Zechins vor die bisherige Aufwartung, der Olympia aber, die einen neuen Reiserock und ein Flaschenfutter mit Wein herbeitragen liess, verehrete er 50 Zechins, welche sich zwar anfänglich sehr wegerte, dieselben anzunehmen, jedoch endlich erbittlich war und ihm die Hand davor küssete.
Endlich rückte die Stunde heran, da es allmählich anfing dunkel zu werden, deswegen Elbenstein sich nicht säumete, nochmals zu seiner Gebieterin zu gehen und Abschied von ihr zu nehmen. Er traf sie abermals weinend an, und seine Tränen vereinbarten sich mit den ihrigen, jedoch er fassete ein Mannsherze, sprach ihr den kräftigsten Trost zu und malete die Hoffnung eines baldigen Wiedersehens so lebhaft ab, dass sie endlich ganz munter ward und sagte: "Nun, so reise glücklich, mein Leben! der Himmel bewahre dich vor allem Unglück. Verbleibe mir getreu, und vergiss meiner nicht leichtsinnigerweise, weil ich dich über alles in der Welt liebe. Halt dein Versprechen und komm so bald, als es möglich ist, nach Padua, so werde ich binnen 24 Stunden Nachricht von deinem Dasein haben können, wenn du dich bei demjenigen meldest, wo ich dich hingewiesen." Elbenstein versicherte, dass er ihren Befehlen in allen Stücken aufs genauste nachleben wollte, und endlich sagte er: "Noch eine Gnade bitte mir von Ew. Durchl. aus." "worin bestehet diese, mein Herz?" fragte sie. "Dasjenige noch wenigstens ein einzigmal zu küssen, welches Sie das Pfand unserer Liebe zu nennen belieben." Augenblicklich ging die Schöne selbsten hin und holete den kleinen Prinzen, welchem Elbenstein mehr als 100 Küsse gab. Dieses affizierte die Dame dergestalt,