der Seelen liebe, sondern in der grössten Ehrfurcht anbete." Hiermit liess er sich vor ihr nieder, küssete derselben die Füsse, wagte hernach ihre Knie zu entblössen und dieselben zu küssen, ja, da er wahrnahm, dass die Dame mit halb gebrochenen Augen in einer süssen Ohnmacht lag, verirrete sich sein Mund noch weiter hinauf, und in solcher Positur verharrete er, bis sich die Dame ermunterte und ihn selbsten vom Boden aufhub.
Es würde viel zu weitläuftig, auch undiensam fallen, alle fernerweitigen Karessen und verliebten gespräche dieser beiden vergnügten Personen zu referieren, doch ist dieses noch zu bemerken, dass Elbenstein, da er aus ihren Reden vernommen, wie sie gesonnen, seine Verleumbderin und seinen Inquisitorem bestrafen zu lassen, eine Vorbitte vor diese beiden Verbrecher bei der Dame einlegte; allein diese gab darauf zur Antwort: "Alles bittet von mir, mein Leben! was Ihr wollet, alles was in meinem Vermögen ist, auch sogar das Blut aus meinen Adern soll Euch zu Diensten stehen, nur in diesem Stücke lasset mir meinen Willen und der Gerechtigkeit den Lauf." Er fuhr im Vorbitten fort, indem er befahrete, sie möchte diese beiden bösen Personen gar ums Leben bringen lassen, allein sie gab zur Antwort: "Mein Engel, nur in diesem Stücke lasset mir meinen Willen, in allen andern aber will ich nicht nur Eure Bitten, sondern auch Eure Befehle gelten lassen, denn ich bin die Eurige." Wie nun Elbenstein merkte, dass sie diese Rede mit einiger Heftigkeit vorbrachte, schwieg er stille, bis sie endlich sagte, es würde ihm nicht entgegen sein, dass sie heunte gewisser Ursachen wegen die Abendmahlzeit allein in ihrem und er in seinem Zimmer einnähmen, aufs längste drei Stunden hernach aber bäte sie sich von ihm eine Nachtvisite aus seinem in ihr Bette durch die Zugtüre aus.
Demnach schieden sie auf dieses Mal voneinander, sie in ihr und Elbenstein in sein angewiesenes Zimmer, wo er sich die Kleidung abziehen liess und seinen Schlafhabit anlegte, erstlich eine Zeitlang im Fenster guckte, bis ihm die Abendmahlzeit gebracht wurde, nach Einnehmung derselben aber sein Historienbuch vor die Hand nahm und sich die Zeit darmit passierte, bis er vermerkte, dass die Stunde gekommen, sich im Bette einzufinden. Er hatte die richtige Zeit getroffen, denn, kaum da er sich niedergelegt, wurde die köstliche Tür aufgezogen, und die Tapeten öffneten sich, da er denn die Dame im Bette sitzend erblickte, welche ihren Arm gegen ihn ausstreckte. Er trat also die kurze Reise an und kam nicht eher wieder zurück, bis der Tag angebrochen war, jedennoch war beiden die Zeit gar nicht lang worden, sondern unter den Händen verschwunden.
Elbenstein schlief fast bis gegen Mittag und wurde kaum eine Stunde hernach, als er sich angekleidet, bei die Dame zur Tafel gerufen, welche sich zwar sehr freundlich gegen ihn, jedoch darbei auch etwas tiefsinnig aufführete. Nach aufgehobener Tafel brachte sie ihm einen Becher Wein zu mit den Worten: "Auf unser beiderseits beständiges Vergnügen." Wie nun Elbenstein Bescheid getan hatte, sagte die Dame: "Nun kommet, mein Engel! Ich will Euch etwas zeugen." Hiermit nahm sie ihn bei der Hand und führte ihn eine verborgene Treppe hernieder in eben dasjenige Gewölbe, wo er anfänglich gefangen und geschlossen gesessen hatte. Es war niemand darinnen befindlich als die beiden Stummen, welche, als ihnen die Dame einen Wink gab, den Teppich von einem Tische abnahmen, da denn Elbenstein auf zwei Schüsseln zwei abgehauene Köpfe liegen sah. Er erkannte beide alsogleich, wie nämlich der eine Kopf der person zugehöret hatte, welche er vor einiger Zeit bei der Dame in Ariqua gesehen, der andere aber dem Schlossverwalter, welcher sein Inquisitor gewesen war. Seine Bestürzung war hierbei sehr gross, und als die Dame selbige bemerkte, führte sie ihn wieder zurück die Treppe hinauf, unterweges aber sagte sie: "Sehet, mein Leben! So habe ich die an mir und Euch begangene Bosheit und Falschheit rächen und bestrafen lassen, nun ist mein herz zufriedengestellet, zu Eurer Satisfaktion aber müsste mein eigener Kopf von Rechts wegen zwischen diesen beiden stehen." Elbenstein fiel abermals zu ihren Füssen und bat, ihn mit dergleichen herzkränkenden Worten nicht ferner zu quälen, kontestierte anbei hoch und teuer, wie er es sehr gern gesehen, wenn sie diese beiden Delinquenten begnadiget und ihnen das Leben geschenkt hätte. "Nein!" versetzte sie, "das konnte nicht sein, sondern ihr Verbrechen und Eure und meine Liebe erforderten ein solches Urteil absolute. Kommet aber weiter, wir wollen uns einen andern Zeitvertreib machen." Hiermit führte sie ihn wieder in ihr gewöhnliches Zimmer, da sich denn alsobald in dem Nebenzimmer eine schöne Musik hören liess, sie aber hielt Elbenstein, der sich neben sie in den Schlafstuhl setzen musste, beständig in ihren Armen und machte ihm alle ersinnliche Karessen, bis sie wiederum zur Tafel und denn zu Bette gingen.
Diese Lebensart, welche man deutlicher zu beschreiben ein Bedenken trägt, währete also so lange fort, bis endlich der Dame die Geburtsschmerzen ankamen und dieselbe einen jungen wohlgestalten Sohn zur Welt brachte, über welchen sich Elbenstein selbst nicht wenig vergnügte. Sie befand sich bei dieser ihrer Niederkunft frischer und stärker, als man hätte vermeinen sollen. Weiln aber nicht allein Briefe von ihrem Gemahl eingelaufen waren, worin derselbe seine baldige Zurückkunft ankündigte, über dieses das fernerweitige Liebeskommerzium sehr gefährlich zu sein schien, war die Dame endlich von