meine Lebensgeister, und ich bin gleichfalls in eine Ohnmacht verfallen, auch darinnen, wie mir Olympia gesagt, über drei Stunden verharret, so dass sie an meinem Wiederaufleben gezweifelt hat.
Man musste mir, sobald ich mich wieder besonnen, alle Viertelstunden Nachricht von Eurem Zustande bringen, ich konnte mich aber dennoch nicht eher zufriedengeben, bis ich vernahm, dass Ihr wiederum ganz munter wäret und eine lebhaftere Farbe bekommen hättet. Ich gab sogleich Befehl, Euch aufs allersinnlichste beste zu traktieren, um aber Euer Naturell auszuforschen, liess ich aus Padua eine Dame de Fortun kommen, welcher ich 50 Zechinen zum voraus schickte. Dieser gab ich alle Anschläge, wie und welchergestalt sie Euch in Versuchung führen sollte. Sie spielte auch ihre person vortrefflich, denn ich habe dem ganzen Spiele durch ein Loch, welches mit Fleiss in die Tapeten gemacht ist, jedoch von den wenigsten bemerkt wird, jederzeit vom Anfange bis zum Ende gesehen, auch ausserdem alles beobachtet, was Ihr in der Einsamkeit vorgenommen.
Nimmermehr hätte ich mir eingebildet, dass Ihr diese Versuchung überstehen können, denn diese person ist in Wahrheit eine der schönsten Kreaturen weibliches Geschlechts. Ich hatte mir auch vorgenommen, wenn Ihr dieselbe karessiert, keine andere Rache an Euch auszuüben, als dass Ihr mich nimmermehr wieder berühren sollen, sondern Ihr hättet mir gleich Tages darauf einen körperlichen Eid schwören müssen, von allen dem, was Euch begegnet, niemanden etwas zu offenbaren; hernach würde ich Euch haben bei Nachtszeit in einem verdeckten Wagen bis auf die nächste Poststation bringen lassen.
Jedoch solchergestalt erreichte meine Liebe zu Eurer person den höchsten Grad, jedennoch reizte mich die mir und, glaube ich, dem ganzen weiblichen Geschlechte angeborne überflüssige Neugierigkeit, Euch mit meiner eigenen person doch noch einen Streich zu spielen. Allein ich muss bekennen, dass mich Eure Standhaftigkeit in allen Stücken überwunden und mich zu Eurer Gefangenen gemacht hat. Hierbei bitte ich mir aber dieses aus, dass Ihr zu meinem Vergnügen ohne Euren Verdruss noch eine Zeitlang allhier bei mir bleibet und meine Niederkunft abwartet, denn mein Gemahl wird vor der Zeit nicht zurückkommen, sodann, wenn Ihr erstlich die Frucht unserer Liebe mit Euren Augen gesehen, will ich Euch auf dieses Mal von mir reisen lassen. Ach! wollte der Himmel, ich wäre frei und ledig, es sollte mich nichts verhindern, Euch alle ersinnlichste Divertissements zu machen, so aber, mein Leben! werdet Ihr selbst vors ratsamste erkennen, dass wir unser Liebeswerk so heimlich treiben, als nur immer möglich ist. Unterdessen, da wir uns ausserhalb dieses Schlosses nicht wohl eine Veränderung machen können, will ich doch besorgt sein, Euch im Zimmer, soviel als mir möglich ist, allen angenehmen Zeitvertreib zu verscharren, auch werde ich nicht vergessen, Eurer Versäumnis und ausgestandenen Ungemachs wegen eine billige Vergeltung zu tun, Euren Verleumbdern und Peinigern aber ihren verdienten Lohn geben lassen."
Hiermit beschloss die Dame ihre Erzählung, Elbenstein aber umfassete und küssete dieselbe, schwur erstlich hoch und teuer, dass er nicht nur allen vorher gehabten Verdruss um des vor- und nachher genossenen Vergnügens willen in ganz keine Betrachtung mehr zöhe, sondern auch zeitlebens keinem Menschen ein Wort darvon sagen wollte, vielmehr wünschte er, wenn es die Umstände zuliessen, ihr ewiger Sklave zu sein, wenn er nur versichert wäre, dass sie ihn beständig liebte und nicht etwa durch ungleichen Verdacht von neuen auf andere vor ihn gefährliche Gedanken geriete. "Ich weiss wohl", fiel ihm die Dame in die Rede, "wo Ihr hinzielet, mein Leben! Es ist auch mehr als zu gewiss, dass viele Damen von meiner Nation den Gebrauch haben, ihre Amanten, nachdem sie sich genug mit denselben divertiert, ins Reich der Toten zu schaffen, jedoch die meisten mögen es wohl eben nicht aus einem besonderen Ekel und Überdruss, sondern vielmehr aus Vorsicht tun, damit ihnen nicht etwas Ungebührliches nachgeredet werde. Allein ich, da ich Euch bis auf den letzten Augenblick meines Lebens, auch wo es möglich ist, noch nach dem tod lieben werde, indem mir Eure person und Aufführung vor allen andern Menschen auf der ganzen Welt am allerbesten gefällt, ich auch Eurer Treue nunmehr vollkommen versichert bin, so schwere ich Euch bei allem dem, was heilig heisst, und dass ich auf dieser Welt nicht der geringsten Wohlfahrt, Freude, Glücks noch Vergnügens, viel weniger des allergeringsten Teils der ewigen Seligkeit gewürdiget werden, hergegen zeitlich und ewig verflucht und verdammet sein will, und zwar von Rechts wegen nach meinem eigenen Willen und Verlangen, woferne ich einigen Rat oder Befehl einwilligen, geben oder stellen will, der Eurem Glück, Vergnügen und Leben schädlich oder im allergeringsten nachteilig sein sollte oder könnte, zumalen da ich weiss, dass, ob Ihr gleich mit der Zeit mich zu lieben überdrüssig werden möchtet, Ihr dennoch mir nichts zur Schmach und Schande nachreden werdet." Indem nun die Dame hierbei einige Tränen fallen liess, Elbenstein aber durch diesen ihren teuren Schwur und andere zärtliche Reden sich aus allen innerlichen Kummer und Sorgen in das grösste Vergnügen und Sicherheit gesetzt sah, trocknete er erstlich ihre Augen mit seinen Lippen und blieb hernach mit seinem mund eine gute Weile stillschweigend auf ihren Lippen liegen. Endlich aber fing er so an zu reden: "Ist's auch möglich, dass ein Mensch in der Welt glücklicher ist als ich? von so einer himmlischen Schönheit und irdischen Göttin sich so zärtlich geliebt zu sehen, die ich nicht allein von Grund des Herzens und