verschafft, einige derselben zu sehen, allein ich fand keinen darunter, der mir anständig war. Endlich fügte es das Glück, dass mein Gemahl Lust bekommen, nebst einigen guten Freunden die Weinlese bei Ariqua zu besuchen. Ich liess mich sehr bitten, Gesellschaft zu leisten, nachher aber hat es mich nicht gereuet, denn als wir bei Nachtszeit daselbst angekommen, sah ich gleich morgens darauf Eure angenehme person, mein Leben! in dem am wirtshaus gelegenen Garten ganz tiefsinnig spazierengehen. Es war mir, als ob ich sogleich vom Donner gerühret würde, denn ich vermeinete nicht anders, als dass Ihr der junge Graf von H. wäret, weil Ihr demselben so ähnlich sehet als ein Ei dem andern. Es stiegen die Gedanken bei mir auf, man hätte mir vielleicht dessen Tod fälschlich vorgebracht, deswegen ich mich von den andern ab und, forschete sogleich bei dem Wirt und der Wirtin nach Eurem stand und Wesen. Diese konnten mir keine andere Nachricht geben, als dass Ihr ein deutscher Kavalier wäret, der nur vor wenig Wochen dieses Land betreten, auch mit der italiänischen Sprache noch nicht recht fortkommen könntet, daher zu blöde wäret, vornehme Gesellschaft zu suchen. Also fiel nun zwar die Meinung bei mir hinweg, dass Ihr der junge Graf von H. wäret, denn dieser redete perfekt Italiänisch, unterdessen, da ich Euch noch eine Zeitlang im Garten, hernach in den Hof und Stall spazieren sah, nahm die Liebe gegen Eure artige person auf einmal dergestalt zu, dass ich vermeinete zu verzweifeln, wenn ich nicht das Vergnügen haben sollte, mit Euch in geheim zu sprechen. Demnach schickte ich zur Margareta und vertrauete derselben, sobald sie zu mir kam, mein Geheimnis, wie ich nämlich einmal eine person selbst gefunden, die ich lieben könnte und wollte, gab ihr dabei alle Anschläge, wie sie es anfangen sollte, Euch dahin zu bringen, um mir in ihrem haus eine Nachtvisite zu geben. Die Art und Weise wird Euch, mein Herz! wohl noch im guten Gedächtnisse sein. Ich gestehe es, dass es mich nicht wenig verdross, als Ihr der ersten Ordre nicht pariertet, und da ich nachher vernahm, dass Ihr meine Gewogenheit gar nicht ästimiertet und aus dem Garne zu gehen gesonnen wäret, wurde ich durch Chagrin ganz ausser mir selbst gesetzt, ja der Zorn war dergestalt heftig, dass ich einen hohen Schwur tat, diese Verachtung zu bestrafen, etliche 100 Zechinen daran zu spendieren und Euch durch etliche nachzuschikkende Banditen das Lebenslicht ausblasen zu lassen. Allein Margareta, ungeachtet sie Euch nur ein einzigmal gesehen, war damals Euer Schutzengel, indem sie meine Raserei mit lauter guten Worten und süssen Vorstellungen zu besänftigen wusste, anbei nicht eher zu ruhen versprach, bis sie Euch in ihr Haus gelockt hätte. Sie hat auch ihr Wort endlich gehalten, Euch aber, mein Leben, bin ich noch jetzt unendlich verbunden vor das entzückende Vergnügen, welches Ihr mir in einigen Nächten zu Ariqua verursacht und wovon ich das Angedenken voritzo noch unter meinem Herzen trage. Mein Gemahl hatte zeit unseres Daseins nur zweimal eine schlechte Nachlese in meinem Weinberge der Liebe gehalten, war aber vor Freuden ganz ausser sich selbst, als ich ihm einige Tage hernach mit schamroten Wangen offenbarete: wie ich davor hielte, dass Luft und wasser in Ariqua weit gesünder und fruchtbarer sein müsste als an unserm Orte, indem ich eine starke Veränderung bei mir verspürete. Er befahl der Olympia, ja wohl auf mich acht zu haben und eines guten Gratials gewärtig zu sein. Da nun diese noch etliche Tage hernach bekräftigte, dass ich mich ganz sicher und gewiss gesegnetes Leibes befände, schenkte er ihr im grössten Vergnügen 50 Zechinen, mich aber trug er sozusagen fast auf den Händen, stellte ein Freudenfest an, liess vor allen Dingen meine Eltern dazu einladen, welche einige Wochen bei uns geblieben sind, und eben diese waren ursache, dass ich zur bestimmten Zeit nicht habe in Padua sein können. Endlich, da dieselben wieder nach haus gekehret, trat ich mit Erlaubnis meines Gemahls, als welchem ich die ehelige Beiwohnung ohnedem bis nach meiner Niederkunft aufgekündiget, die Reise zu einer nahen Befreundtin nach Padua an. Weil ich leicht ermessen konnte, dass Ihr Eure Rückreise von Venedig nicht leicht anders als durch Padua nehmen können, so liess mich unter der Hand bei dem Kommendanten darnach erkundigen und erfuhr, dass Ihr noch nicht zurückgekommen wäret. Demnach liess ich alle Tage genauere Kundschaft darauf legen, bis ich endlich Eure Ankunft gleich in der ersten Stunde erfuhr. Ich machte mir die vergnügten Gedanken, dass Ihr Euch abends unfehlbar in der Oreda Todesca melden würdet, allein es geschahe nicht, deswegen ward ich aufs neue entrüstet, konnte auch in der Nacht vor Eurer Abreise kein Auge vor Eifersucht und Grimm zutun. Olympien hatte ich wegen einer ihr zugestossenen Unpässlichkeit zu haus lassen müssen, deswegen keine andere vertraute Bediente bei mir als diejenige, welche Ihr zum ersten Male zu Ariqua als eine Bäurin gekleidet werdet gesehen haben. Diese hatte sich seit etlichen Tagen viele Mühe gegeben, mir einen gewissen italiänischen Prinzen zuzuführen, welcher ihr unfehlbar einen guten Rekompens versprochen oder vielleicht schon gegeben hatte, allein sie konnte mich mit allen ihren glatten Worten nicht dahin bereden, ihm bei Tage, noch viel weniger bei Nachte eine Visite zu verstatten.
nunmehr merke ich erst (allein, sie soll ihren Lohn schon empfangen), dass es ihr gewaltig verdrossen haben mag, in ihrer Kupplerei unglücklich zu sein. deswegen passete