Vergnügen zu verursachen bemühet leben.'
Ich befand mich", fuhr die Dame im Reden fort, "wegen innigster Betrübnis nicht imstande, auf diesen Antrag eine positive Resolution von mir zu geben, er aber, als er dieses merkte, sprach: 'Mein Kind, ich halte davor, dass es Euch allerdings schwerfällt, eine plötzliche Resolution zu ergreifen, demnach will ich Euch vier Wochen Bedenkzeit überlassen, überlegt alles wohl, denn es wird nicht leicht ein ander Mittel zu erfinden sein, Euch aus diesem Kerker zu erlösen. Nach Verlauf der bestimmten vier Wochen will ich wieder zu Euch anhero kommen und Eure Entschliessung vernehmen, sodann die Sache mit Euren durchl. Eltern bald zum stand bringen, inmittelst auch bedacht sein, dass Eure Schwestern vorher standesmässige Heiraten treffen.'
Hiermit überliess er mich meinem eigenen fernern Nachsinnen und reisete wieder fort. Ich muss bekennen, dass mir der Tod des jungen Grafen ungemeine Herzensschmerzen verursachte, wenn ich aber im Gegenteil auch bedachte, dass es nunmehr unmöglich, mit ihm auf dieser Welt vereinigt zu werden, über dieses wohl spürete, dass mir kein Nonnenfleisch gewachsen, auf keine andere Art aber nicht leicht aus diesem Labyrint herauszukommen wäre, als resolvierte mich, den Vorschlägen meines Vettern, des Fürsten von C., Gehör zu geben. Dieser kam um die bestimmte Zeit wieder und brachte seine Werbung noch liebreicher als das erstemal an. Demnach gab ich endlich so viel zu verstehen, dass ich ihn liebte und mein Glück, Unglück, Vergnügen oder Missvergnügen bloss allein in seine hände stellte. Er war hiermit höchst vergnügt, steckte einen kostbaren Ring an meinen Finger, und ich ersetzte diesen mit einem andern, so gut ich ihn eben bei mir hatte, wir wechselten einige Verlöbnisküsse, worauf er ohngesäumt zu meinen Eltern reisete und ihnen die Sache vortrug. Diese stutzen anfänglich gewaltig darüber, da sie aber nur in einer Nacht überlegt, dass dieser reiche Vetter gar leicht auf andere Gedanken geraten und ihrem haus auf den Sterbefall alles das Seinige entwenden könnte, schlagen sie zu und versprechen mich an ihn, zumalen da er vor meine beiden Schwestern ein paar solche Freier vorgeschlagen hatte, an denen nichts auszusetzen war. Er tat mir diese seine glückselige Verrichtung sogleich schriftlich ins Kloster zu wissen, zwei Tage aber hernach kam er mit meiner Frau Mutter selbst dahin und holete mich ab auf unser Schloss, wo vier Wochen hernach unser drei Schwestern zugleich auf einmal Beilager hielten.
Ich muss ihm, meinem Gemahl, nachsagen, dass er mich jederzeit ungemein karessiert und mir allen Willen gelassen hat, denn er ist der Jalousie nicht so stark ergeben als wohl andere Italiäner, nur in einem gewissen Stücke, das ich voritzo nicht ausführlich erzählen will, hat er mir nachher einen starken Ekel gegen seine person verursacht, sonsten wäre ich ihm auch wohl nimmermehr untreu worden. Es haben sich seit meiner Vermählung unzählige hohe Personen die grösste Mühe gegeben, sich in meine Gunst zu setzen und ein geheimes Liebesverständnis mit mir aufzurichten, indem sie leicht erachten konnten, dass ein so bejahrter Herr, als mein Gemahl ist, einer Dame von meinen Jahren und lebhaften Temperamente wohl nicht allerdings Satisfaktion zu geben im stand befindlich. Allein ich habe mich jederzeit sehr eingezogen und moderat aufgeführt, wodurch ich denn bei meinem Gemahl ein vollkommenes Vertrauen gegen mich erweckt, so dass er mir jederzeit die Freiheit gelassen hinzureisen, wohin ich gewollt habe.
Allein wenn ich die klare Wahrheit sagen soll, so haben ein und andere begebenheiten, die mir zu Ohren gebracht worden, einen besonderen Ekel in meinen Herzen gegen alle Mannspersonen meiner Nation erweckt, ungeachtet ich wohl glaube, dass sonderlich unter den vornehmen Personen sehr viele an denjenigen Lastern unschuldig sind, welche in diesen Landen im Schwange gehen. Hergegen aber und da zumalen mein erster Liebhaber ein Deutscher gewesen, habe ich die Deutschen allen andern vorgezogen, weil sie die Reinlichkeit und Zärtlichkeit auf eine ungezwungene Art lieben und sozusagen in ihrem gesetzten Wesen und herrlichen Qualitäten alle andere Nations übertreffen. Demnach kann ich nicht leugnen, dass ich mir gewünscht, einen appetitlichen Deutschen in geheim zu meinem Amanten zu haben, zumalen da ich noch und immer mehr und mehr bemerken lernete, worin doch wohl eigentlich das wahrhafte und vollkommene Liebesvergnügen bestehen müsste. Olympia hatte ich nach meiner Vermählung sogleich wieder zu mir genommen, und bei derselben haben sich alsobald verschiedene Standespersonen mit grossen Présenten eingefunden, um sie zu gewinnen, dass sie mich dahin bewegte, ihnen einen geheimen Zutritt bei mir zu verschaffen, allein weil ich keinen Appetit dazu bezeigte, nahm sich Olympia auch wohl in acht, ungeachtet sie zwar alles vorbrachte, mir dennoch nicht dazu zu raten, indem sie befürchtete, aufs neue meine Gunst zu verscherzen oder sonsten Gefahr zu laufen. Kurz! Olympia war gar nicht mehr so wie ehemals, sondern ginge sehr behutsam; hergegen liess sich die ariquische Margareta dergleichen Sachen besser angelegen sein. Diese kam fast alle Woche drei- oder viermal zu mir, brachte bald von diesen, bald von jenen Liebhaber Komplimente, auch wohl gar Liebesbriefe, allein, ich wies sie jederzeit darmit zurücke und sagte, wenn ich mich ja zu einer Nebenliebe entschliessen wollte, würde ich mir schon selbsten jemanden nach meinen Appetite auslesen. Unterdessen befahl ich ihr, dass, wenn sie etwa einmal einen rechten feinen deutschen Herrn zu sehen bekäme, mir alsobald Nachricht von ihm zu geben, da ich denn ihre Mühe mit etlichen Zechinen belohnen wollte. nachher hat sie mir zwar zu verschiedenen Malen gelegenheit