legte ich mich augenblicklich zur Ruhe und bekam noch in selbiger Nacht ein würkliches hitziges Gallenfieber. Demohngeacht liess ich mich in den ersten drei Tagen durchaus nicht bewegen, die geringste Arzenei zu gebrauchen, sondern sehnete mich im rechten Ernste nach dem tod. Da aber meine Frau Mutter, welche mich zu besuchen angekommen war, nicht das geringste von meinem begangenen Fehler gedachte, sondern mich bald mit guten Worten, bald mit Tränen bat, nicht meine eigene Mörderin zu werden, sondern Arzenei zu gebrauchen, liess ich mich endlich bewegen zu folgen, brachte aber über sechs Wochen zu, ehe ich wieder ausserhalb des Bettes dauren konnte.
Es wunderte mich höchlich, dass weder meine Frau Mutter noch die Äbtissin auch nach meiner Wiedergenesung nicht das geringste Wort von meiner Flucht erwähneten, ehe ich es mich aber versahe, war meine Olympia fortgeschafft, an deren Statt ich ein anderes frembdes Mägdgen zur Bedienung bekam, auch erfuhr ich von einigen vertrauten Nonnen, dass der Gärtner benebst seiner Frau abgeschafft und in ein Gefängnis gebracht worden. Es ging mir dieses sehr nahe, allein ich verbiss meinen Verdruss und war über ein halbes Jahr beständig sehr traurig und missvergnügt, liess mich auch sehr selten bereden, nur auf kurze Zeit aus meinem Zimmer und an die freie Luft zu kommen. Meine Frau Mutter besuchte mich zuweiln alle 14 Tage oder drei Wochen, einsmals aber brachte sie ihren Bruder, den Kardinal, wie auch noch einen andern Befreundten, nämlich meinen jetzigen Ehegemahl, mit sich.
Der Kardinal liess sich in ein besonderes Gespräch mit mir ein und eröffnete mir endlich mit guter Manier, dass mein Liebster, der junge Graf von H., aus Desperation ein Malteserritter worden wäre, jedoch hätte er das Unglück gehabt, in dem ersten Gefechte, welches er mit einem türkischen Seeräuber gehabt, erschossen zu werden. Ich konnte mich dieserhalb der Tränen nicht entalten, weswegen der Kardinal alle seine Beredsamkeit anwendete, mich zu trösten, endlich aber fragte, ob ich lieber wieder auf unser Schloss mit zurückkehren oder noch eine Zeitlang oder gar auf Lebenszeit in diesem Kloster verbleiben wollte. Meine Antwort war, dass ich mich eben nicht sonderlich nach den Meinigen sehnete, indem ich vorhersehen könnte, dass mir meine Schwestern viel Schmach und Verachtung antun würden. Diese meine Reden machte sich der Kardinal, welcher mich, wie ich hernach erfahren habe, aus dermassen gern, ich weiss aber nicht aus was vor Ursachen, in ein Kloster gesteckt haben wollte, sogleich zunutze, preisete mir das Klosterleben ungemein herrlich an, und ich gab so viel zu verstehen, dass es mir bei meinen jetzigen Umständen eben so grausam schwer nicht fallen würde, diese Lebensart zu erwählen, jedoch b[ä]te nur, man möchte mich nicht übereilen, indem alles gezwungene Wesen meiner natur höchst zuwider wäre. Er versprach mir, dass ich noch ein halbes, auch wohl ganzes Jahr zur Bedenkzeit haben könnte, und weiln ich hierauf grosse Kopfschmerzen vorschützete, liess man mich alleine.
Der Kardinal eröffnet meiner Frau Mutter und der Äbtissin mit Freuden, dass er mich fast gänzlich disponiert, den Nonnenhabit anzunehmen. Diese bezeigen sich ebenfalls sehr vergnügt darüber, allein der andere Befreundte, mein jetziger Eheherr, mag mich mit andern Augen angesehen haben, bekömmt deswegen auch andere Gedanken, lässt sich aber damals gegen niemanden etwas merken, sondern reiset wieder mit zurück auf unser Schloss. Zwei Wochen hatte er sich daselbst aufgehalten, und als er von dannen wieder zurück nach seiner Residenz kehren wollte, sprach er erstlich noch einmal in unserm Kloster ein. Weil er schon ein Herr von 50 Jahren und dazu ein, wiewohl nicht allzunaher Freund von mir, war ihm ein leichtes, mit mir in geheim zu reden zu kommen. Als nun eben niemand zugegen, der unser Gespräch vernehmen konnte, redete er mich ohnverhofft also an: 'Meine schönste Muhme! Ich bedaure Euer Unglück, hättet Ihr und der junge Graf, Euer Liebster, Euch an mich adressiert, so sollet Ihr schon würkliche Eheleute sein, denn ich hätte zu Eurem Vergnügen alles anwenden und die Sache wohl ausmachen wollen. Allein was ist nun zu tun: der Graf, den Ihr geliebt habt und der wegen seiner vortrefflichen Qualitäten kein unwürdiger Gemahl vor Euch gewesen wäre, ist nunmehr wirklich tot, Ihr tut wohl, dass Ihr seinen Tod beklagt, denn ich zweifele nicht, dass Ihr einander aufrichtig und getreu geliebt habt. Allein, dass Ihr dieserwegen das Klosterleben erwählen wolltet, dieses wäre eine grosse Torheit, denn eine solche Liebeswunde, wie sehr sie auch schmerzt, heilet in wenig Monaten oder Jahren, aber so viele Jahre bis an sein Ende als eine Nonne zu leben, möchte Euch nachher tausendmal schmerzlicher fallen. Darum höret mich an, mein Engel, ich biete Euch mein herz, Hand und Ehebette an, ich mag Erben mit Euch zeugen oder nicht, so sollet Ihr dennoch die Erbin aller meiner Güter und meines ganzen Vermögens sein. Eure Eltern können und werden mir Eure person, wenn ich darauf dringe, nicht versagen, wenn sie nicht haben wollen, dass ich mein Vermögen von ihrem Geschlechte ab- und einem frembden zuwende, denn es ist bekannt, dass ich mit dem Meinigen disponieren kann, wie ich will. Dass der Kardinal Euch lieber eine Nonne als verheiratete person sehen will, ist gewiss, ich weiss auch seine Ursachen, allein wenn Ihr mich lieben könnet und mir die eheliche Hand geben wollet, will ich Euch von dieser elenden Lebensart befreien und Euch alles ersinnliche