und einem Wagen an, in welchen er mich nebst Olympien hub und schnell fortfahren liess, er aber und seine gefährten begleiteten den Wagen zu Pferde."
Bis hier war die schöne Fürstin in ihrer Erzählung gekommen, als in dem Nebenzimmer das gewöhnliche Zeichen gegeben wurde, dass die Abendtafel zugerichtet wäre, weswegen sie Elbensteinen umarmete und küssete, ihn hernach bei der Hand nahm und zur Tafel führte. Die zwei Stunden über, so sie bei derselben zubrachten, wurde von lauter indifferenten Dingen diskuriert, nachher, als die Tafel aufgehoben und sie noch etliche Gläser Wein miteinander getrunken hatten, sagte die Fürstin: "Ich befinde mich ganz schläfrig, werde mich also zur Ruhe begeben und Euch, mein Herr, dieselbe auch gönnen; Ihr werdet demnach in den angewiesenen Zimmern Eure Bequemlichkeit zu gebrauchen belieben, auch könnet Ihr Euch inwendig verriegeln, damit Ihr von niemanden gestöret werdet, morgen früh sprechen wir einander weiter, da ich Euch dann die angefangene Historie vollends auserzählen will." Hiermit machte sie ein Kompliment und wünschte ihm eine gute Nacht. Elbenstein küssete ihr, weil Olympia darbei stunde, bloss allein die Hand, wünschte gleichfalls angenehme Ruh und ging ganz bestürzt zurück, denn er wunderte sich ungemein, dass sie ihn nicht zu einem nächtlichen Zeitvertreibe eingeladen hatte, endlich aber gedachte er bei sich selbst: 'Sie ist entweder im Ernst schläfrig, oder sie will dir, weil du keine Mittagsruh gehalten, einmal eine ruhige Nacht gönnen, damit du die folgende desto besser wachen kannst, denn es ist ja unmöglich, dass sie so plötzlich kann auf dich erzürnt worden sein, da du mit keiner Miene gelegenheit dazu gegeben. Jedoch', gedachte er weiter, 'vielleicht ist sie gesonnen, mir von selbst eine Nachtvisite zu geben, allein was hatten denn solchergestalt die Worte zu bedeuten: "Ihr könnet Euch inwendig verriegeln, dass Ihr von niemanden gestöret werdet."'
Er sonne demnach in seinem Zimmer noch eine gute Zeit hin und her, endlich aber trunk er noch einige Gläser Wein, klingelte den Stummen, dass sie ihn auskleiden hülfen, ging hernach in das Schlafzimmer und legte sich zur Ruhe. Ob er nun gleich die Tür, so in der Dame Zimmer ging, inwendig seinerseits nicht verriegelte, so hörete er doch im Niederlegen, dass dieselbe auf der andern Seite entweder von der Olympia oder von der Fürstin selbst verriegelt, er aber in der Meinung gestärkt wurde, dass diese letztere wirklich Lust hätte, ruhig zu schlafen; also legte er sich auf die Seite mit dem gesicht nach der Wand zu, hinter welcher seiner Schönen Bette stunde, und fing allmählich an einzuschlummern. Allein er hatte kaum eine Viertelstunde gelegen, da es ihm vorkam, als ob hinter den Tapeten an der Wand etwas schnell hinauf in die Höhe führe, deswegen fuhr er auch im Bette auf. Indem eröffneten sich die Tapeten, und er sah mit Verwunderung, wie die Dame aus ihrem Bette in das seinige getreten kam, sich sogleich an seine Seite legte, ihn in die arme nahm und sagte: "Nein, mein Engel! so haben wir nicht gewettet, ich wollte dich nur probieren und einen kleinen Spass machen, ein paar Stündgen musst du mir noch die Zeit passieren, hernach kannst du morgen schlafen, so lange als dir beliebet. Allein ist dieses nicht eine herrliche Invention vor ein paar Verliebte, ich habe heute den Anfang gemacht, morgende Nacht aber musst du hinüber in mein Bette kommen, und also wollen wir wechseln, so lange wir beisammen sind, damit keinen unter uns beiden zuviel geschicht."
Elbenstein eröffnete ihr die klare Wahrheit, wie er nämlich ganz verwirrt worden, da sie ihn so plötzlich dimittiert, und hätte er besorgt, es wäre eine Unpässlichkeit daran schuld oder sie hätte vielleicht gar, ungeachtet er sich nicht entsinnen können, einen wichtigen Fehler begangen zu haben, eine Ungnade auf ihn geworfen, weswegen ihm recht bange gewesen, so dass er dieserwegen noch eine gute Zeit offen geblieben wäre und allerhand Grillen gemacht hätte. Die Dame lachte hierüber, bat ihn um Verzeihung und kontestierte hoch und teuer, dass ihre Intention bloss allein gewesen wäre, einen Spass zu machen. nachher aber gerieten sie auf ganz andere gespräche, und diese Konferenz, welche nur ein paar Stündgen währen sollte, daurete, bis der helle Tag anbrach, da denn dieser Nachtgeist wieder zurück in ihr Bette ging und die Falltür, welche recht künstlich in der Wand eingefasset war, wieder herunterliess; Elbenstein aber verfiel sogleich in einen süssen Schlaf und verharrete darinnen bis gegen Mittag, da er aufstund und sein rotes Kleid anlegete, sich nach getrunkener Schokolade recht wohl befand und in seinem Zimmer abwartete, bis ihn die Fürstin zur Tafel abrufen liess. Sie sah über sein Vermuten sehr frisch und munter aus und hatte diesen Tag ein himmelblaues Kleid an, welches nicht weniger kostbar war als das, welches sie den vorigen Tag angehabt hatte, auch bemerkte Elbenstein, dass ihr Schmuck zwar der Mode nach anders, allein dem Wert nach fast noch schätzbarer war als der gestrige.
Sie brachten dieses Mal nicht viel länger als eine Stunde Zeit bei der Tafel zu, denn weiln sowohl sie als er viel Schokolade getrunken, war der Appetit zum Essen eben nicht gar stark. Nach der Tafel ging sie ihrer Gewohnheit nach eine gute Stunde mit ihm im Zimmer spazieren, hierauf aber musste er sich neben sie in einen Schlafstuhl, der auf zwei Personen verfertigt war, setzen, da