, der alte und junge Graf insgesamt nicht wohl aufgeräumt waren, absonderlich bekam ich von meiner ältesten Schwester zum öftern solche Mienen, als ob sie mich zu ermorden gesonnen sei.
Meine mittelste Schwester und ich, welche von der ganzen Intrigue ganz und gar nichts wussten, führeten uns zwar eben nicht allzu stille auf, brauchten aber doch bei der Freimütigkeit einige Behutsamkeit, um unsern Eltern nicht missfällig zu werden.
Nach der Tafel gab mir meine Frau Mutter einen Wink, ihr in ihr Zimmer zu folgen, da sie mich denn folgendermassen anredete: 'Ihr wisset, dass Ihr mein liebstes Kind seid, sonderlich Eurer Aufrichtigkeit wegen, darum wollet Ihr in diesem Kredite bleiben, so bekennet mir jetzt die Wahrheit frei und offenherzig und sagt mir: Habt Ihr Euch mit dem jungen Grafen von H. in ein Liebesverständnis eingelassen?' 'Ich kann nicht leugnen', war meine freimütige Antwort, 'dass er mir zu verschiedenen Malen beim Spazierengehen im Garten oder auch sonsten bei Lustbarkeiten, wenn wir etwa allein an einem Fenster gestanden oder sonsten von niemanden behorcht werden können, seine Liebe angetragen, jedoch allezeit auf eine honette und redliche Art. Worauf ich ihm endlich, nachdem er viele süsse Worte verschwendet, zur Antwort gegeben, dass ich an seiner person, stand und Wesen nichts auszusetzen hätte und wohl wünschen möchte, mit ihm vermählt zu werden, allein da ich noch unter der Gewalt meiner durchl. Eltern stünde, müsste ich alles deren Disposition anheimstellen.'
'So liebt Ihr doch den jungen Grafen im Ernst?' fragte meine Mutter weiter. 'Ich kann es nicht leugnen', war meine Antwort, 'dass ich ihn liebe, denn er ist's wert, und wenn ich ja heiraten sollte, wollte ich mir diesen erwählen oder gar keinen.' 'Es ist gut', sagte meine Mutter, 'gehet nur in Euer Zimmer.' Sie sah zwar eben nicht zornig aus, jedoch merkte ich, dass ihr der Kopf nicht recht stunde, weswegen ich mich alsobald in mein Zimmer retirierte, auch abends nicht zur Tafel kam, doch hatte ich das Vergnügen, dass mir der junge Graf abermals um Mitternachtszeit von der Olympia zugeführet wurde.
Wir hielten alle drei geheimbden Rat, bis fast der Tag angebrochen, kamen aber zu keinem andern Schlusse, als erstlich mit Gelassenheit abzuwarten, was weiter passieren würde. Hierauf retirierte sich der junge Graf, ich aber legte mich zur Ruhe, hatte jedoch kaum zwei Stunden geschlafen, als meine Frau Mutter melden liess, wie mein Herr Vater den beiden Grafen zu Gefallen eine Lustbarkeit und Fischerei auf dem einen unserer Landgüter angestellet, wobei sowohl sie als meine Schwestern und ich auch gegenwärtig sein sollten, deswegen möchte ich mich eiligst ankleiden, damit ich nebst der Olympia in ihren Wagen mitfahren könnte. Ich zauete mich, sosehr ich konnte, und traf, als ich mich zu meiner Frau Mutter in den Wagen setzen wollte, die Mannespersonen alle zu Pferde, meine beiden Schwestern aber mit ihren Kammerfräuleins bereits in einen andern Wagen sitzend an. Unser Wagen fuhr voraus, da wir aber kaum eine Stunde gekutscht hatten, stiess meiner Frau Mutter eine kleine Übligkeit zu, welches sie meinem Herrn Vater melden und darbei um Erlaubnis bitten liess, in das etwa einen Steinwurf weit von der Strasse gelegene Kloster zu fahren, um sich von der Äbtissin daselbst, welches unsere gute Freundin war, etwas Arzenei eingeben zu lassen, sie hoffte darbei die Gesellschaft noch zu rechter Zeit einzuholen.
Mein Herr Vater kam selbst an den Wagen geritten und bat, keinen Augenblick zu versäumen, um das Kloster zu erreichen, damit wir, wenn es sich gebessert, noch vor der Mittagsmahlzeit auf dem Lustschlosse eintreffen könnten. Wir fuhren also aufs allerschnelleste nach dem Kloster zu, wo wir von der Äbtissin aufs allerfreundlichste bewillkommnet wurden, welche auch, da sie vernahmen, dass meiner Frau Mutter nicht wohl wäre, derselben sogleich Arzenei eingab und derselben riet, sich wenigstens eine halbe Stunde auf ein Faulbette niederzulegen, da denn ihre Kammerfrau und eine alte Nonne bei ihr blieben, ich aber und die Olympia wurden in ein besonderes Zimmer geführt und aufs herrlichste bewirtet. Der Zufall meiner Mutter verschlimmerte sich ihrem Vorgeben nach, und als ich nach der Mittagsmahlzeit sie besuchte, sprach dieselbe zu mir: 'Mein Kind! ich befinde mich nicht im stand, den Lustbarkeiten mit beizuwohnen, wollet Ihr nun mit der Olympia dahin fahren oder lieber bei mir bleiben?' Die kindliche Liebe reizte mich also zu der Erklärung, dass ich schlechte Lust haben würde, wenn ich sie krank zurückliesse, wollte deswegen alle Lust gern entbehren und bei ihr verbleiben. 'Nun', sagte sie, 'so macht Euch denn heute ein Vergnügen mit den schönen Nonnen in diesem vortrefflichen Kloster, es wird ja, ehe es Morgen wird, besser mit mir werden, denn ich merke, es ist einer von meinen gewöhnlichen Zufällen, welche von keiner langen Dauer sein.' Weiln sich nun meine Frau Mutter etwas schläfrig stellte, wollte ich ihr nicht hinderlich sein, sonder folgte vielmehr ihrem Rate und begab mich zu den Nonnen, welche mir allerhand abwechselndes Vergnügen mit Musik, allerlei Lustspieln und Spazierengehen im Garten machten, so dass mir dieser Tag ohnvermerkt unter den Händen wegging und ich abends, da ich meine Frau Mutter noch erstlich besuchen wollte, erfahren musste, dass sie bereits eingeschlafen und hätte sich den Abend fast vollkommen frisch und gesund befunden.
Ich legte mich