jetzt ziemlich leidlich. Dero Zuschrift ist mir nicht unangenehm gewesen, die letzteren Zeilen darinnen aber sind so stilisiert, dass ich nicht wohl darauf zu antworten weiss. Immittelst werde jederzeit sein,
werter Herr Graf,
Dero
gute Freundin.
"Olympia las dieses Antwortschreiben durch und sagte darauf: 'Da ist wenig Zucker drinnen.' 'Ich bin keine Zuckerkrämerin', war meine Antwort, 'soll es besser sein, so schreibt es selbst, aber nicht in meinem Namen.' Hiermit legte ich mich wieder ins Bette und schlief, in Wahrheit, noch ganzer drei Stunden hintereinander weg. Unter der Zeit hatte Olympia dem Bedienten des jungen Grafens meinen Brief zugestellet, welchen dieser letztere mit ungemeinen Vergnügen empfangen und unzähligemal geküsset, wie er mir solches nachher selbst erzählet hat. Er ging zwei Tage hernach schon wieder aus, ich aber befand mich im Ernste dergestalt matt, dass ich es noch nicht wagen durfte, mich aus meinem Zimmer zu begeben, brachte auch die meiste Zeit auf dem Bette zu, und was das schlimmste war, so kam des Nachts fast gar kein Schlaf in meine Augen. Da ich aber einst um die Mitternachtszeit kaum eine Stunde etwas fest geschlafen, hatte mittlerweile Olympia den Hazard begangen und den jungen Grafen in mein Zimmer praktiziert, welcher, da ich mich ermunterte, vor meinem Bette niederkniete u. mit herzbrechenden Worten seiner Kühnheit wegen um Pardon bat, worzu ihn, wie er vorgab, nichts anders als die heftige Liebe verleitet hätte.
Ich wäre vor Schrecken des Todes gewesen, wenn nicht Olympia mir zum Füssen auf dem Bette gesessen hätte. Anfänglich wusste ich nicht, was ich antworten sollte; da aber der Graf in solcher Positur liegenblieb und mir einmal über das andere die Hand küssete, welches ich vor Verwirrung fast erstlich nicht gewahr worden, gab ich ihm eine Reprimende, welche doch weit stärker gewesen wäre, wenn ich ihn nicht so heftig geliebt hätte. Endlich bat ich ihn aufzustehen und sich auf den bei meinem Bette stehenden Sessel neben mich niederzulassen. Wir redeten erstlich von gleichgültigen Dingen, sobald aber der Graf merkte, dass Olympia, die sich nachher in einen Schlafstuhl gesetzt, etwas eingeschlummert war, fassete er sich ein herz, mit den schmeichelhaftesten Worten mir seine gegen mich tragende heftige Liebe zu entdecken. Anfänglich wollte ich zwar von dem Affekt der Liebe weder wissen noch hören, allein er wusste mir denselben dergestalt annehmlich einzuflössen, dass ich endlich versprach, ihn nicht allein ewig zu lieben, sondern auch, wenn es mit Bewilligung meiner Eltern geschehen könnte, mich mit ihm zu vermählen. Hierbei erlaubte ich ihm auch meinen Mund und Brust zu küssen und kann versichern, dass er, ausser meinen Blutsfreunden, die erste Mannesperson gewesen, die mich geküsset hat. Wir schwuren also bei dieser ersten nächtlichen Zusammenkunft einander ewig feste Treue, beredeten uns aber auch, unser Verbündnis noch eine Zeitlang verborgen zu halten, bis wir sähen, was die künftigen zeiten mit sich brächten. Wir haben nachher manche schöne Nacht miteinander zugebracht und öfters die schönste gelegenheit gehabt, uns vollkommen zu vergnügen, allein es ist bei den blossen Küssen geblieben und weiter nichts vorgegangen, denn wir liebten einander recht von Herzen, befürchteten deswegen, wenn wir unsern Affekten den vollen Zügel schiessen liessen, üble Folgerungen, wollten also lieber warten, bis wir Recht und Macht dazu hätten.
Mittlerweile, ob wir gleich täglich miteinander in Gesellschaft waren, konnte doch niemand leichtlich merken, dass wir einander so stark liebten, und obgleich der junge Graf mich so wie ich ihn mit aller ersinnlichen Höflichkeit begegnete, so gedachte doch niemand daran, dass die Liebe darunter verborgen wäre. Meine älteste Schwester hingegen konnte ihre Flammen ohnmöglich verbergen, sondern gab sich gewaltig bloss, dass der junge Graf das einzige Ziel ihrer Begierden wäre. Bald hernach besuchte der alte Graf eines Morgens seinen Sohn in dessen Zimmer und eröffnet ihm, wie er mit meinem Herrn Vater verabredet habe, zwischen ihm, dem jungen Grafen, und meiner ältesten Schwester eine Heirat zu stiften. Der junge Graf erschrickt und wird so blass als eine Leiche, kann auch kein Wort antworten, weswegen ihm sein Herr Vater freundlich zuredet und um die Ursache seiner Verwirrung fragt. Dieser fasset sich ein herz und bekennet freimütig, dass es die älteste Prinzessin nicht wäre, welche er vollkommen lieben könnte, mit der jüngsten aber versicherte er sich die allervergnügteste Ehe auf der Welt zu führen, glaubte auch gewiss, dass ihm dieselbe ihr Herz nicht versagen würde. Sein Herr Vater redet ihm zu und preiset die starken Vorzüge, welche die älteste in diesen und jenen Stücken vor den beiden jüngern Schwestern hätte, allein da der junge Graf auf seinem Sinne blieb und sagte, dass er die jüngste lieber mit einem schlechten Rittergute als die älteste mit einem ganzen Fürstentume haben möchte, spricht sein Herr Vater: 'Es ist gut und mir gleichviel, ich will sehen, was ich bei dem Fürsten ausrichten kann, ob er Euch die jüngste vor der ältesten geben will, glaube aber schwerlich, dass er dahin zu disponieren sein wird, unterdessen aber möchte ich wegen unsers Kaisers Interesse gar zu gern mit diesem fürstl. haus nahe verwandt sein.'
Hiermit gehet der alte Graf wieder fort und recta zu meinem Herrn Vater, welchem er die ganze Sache unfehlbar vorgetragen haben mag, was sie aber miteinander gesprochen, weiss icht nicht, sondern bemerkte nur mittags bei der Tafel, dass mein Herr Vater, Frau Mutter, meine ältesten Schwestern