, mein Engel, nicht auch kommode gemacht und Mittagsruhe gehalten? Ich machte mir schon ein besonderes Vergnügen daraus, Euch auf dem Bette liegend anzutreffen." "Ich kann nicht sagen", erwiderte Elbenstein, "dass mir der geringste Appetit zum Schlafen angekommen wäre, sondern ich habe meine Zeit mit vergnügten Gedanken zugebracht über meine glückselige Gefangenschaft." "Nein, mein Engel", versetzte sie, "Ihr seid kein Gefangener, sondern ich bin eine Sklavin Eurer Liebe." Indem sie nun dieses mit einer besonders zärtlichen Miene vorbrachte, konnte sich Elbenstein nicht entalten, sie etlichemal auf den Mund zu küssen, welche gefälligkeit sie beständig erwiderte, endlich aber bat, dass er nunmehr mit in ihr Zimmer gehen möchte. Er gehorsamte, und sie setzten sich beide in bequeme Stühle neben den Konfekttisch, da denn die Dame, nachdem sie ihn gebeten, nach Belieben Konfekt und Wein zu geniessen, also zu reden anfing:
"Mein Auserwählter! Ich habe Eure Treue und Redlichkeit über die Gebühr probiert und dieselbe in grösster Vollkommenheit befunden, nunmehr nehme ich mir auch kein Bedenken mehr, Euch mein ganzes Herz zu offenbaren, meinen Stand aufrichtig zu entdecken und meine Lebensgeschicht ausführlich zu erzählen. Ich bin eine geborne Prinzessin aus dem haus P. und die jüngste unter meinen Geschwistern. Auf künftigen Dienstag ist mein Geburtstag, da ich in mein 20stes Jahr trete. Meine Eltern haben mich zwar als ihr jüngstes Kind jederzeit am allerzärtlichsten geliebt, jedoch auch in der Erziehung ziemlich scharf gehalten und wenig müssig gehen lassen, wiewohl sie mir auch darbei alle zulässige Ergötzlichkeiten erlaubt und mich, weil ich mich in allen Stücken selbst sehr zu moderieren wusste, nicht so strenge traktiert, wie sonst unsere Landsleute ihre Weiber und Töchter zu traktieren pflegen. Ich war ungefähr 14 Jahr alt worden, als ein kaiserlicher Graf an unsern Hof kam, welcher vielleicht mit meinem Herrn Vater einige Heimlichkeiten zu überlegen haben mochte. Dieser hatte seinen Sohn bei sich, welches in Wahrheit ein vollkommener artiger Kavalier, nicht allein von person und gesicht, sondern auch von Sitten war. Ich kann nicht leugnen, dass seine artige und geschickte Aufführung in meinem Herzen eine solche Regung erweckte, die ich damals noch nicht zu nennen, viel weniger deren Folgerungen zu erraten wusste; nunmehr aber weiss ich wohl, dass es das Ding ist, welches man die Liebe nennet. Kurz zu sagen, der artige junge Graf kam mir gar nicht aus den Gedanken, vielmehr präsentierte sich sein Bildnis stets vor meinen Augen. Ich merkte zwar bei allen Gelegenheiten, dass er seine Augen jederzeit mehr auf mich als auf andere Gesichter gerichtet hatte, wünschte auch, dass ich nur dann und wann einige Minuten im Vertrauen hätte mit ihm sprechen mögen; allein zu meinem Unglück hatten sich meine beiden ältern Schwestern auch alle beide in den schönen jungen Grafen von H. verliebt, welches ich sehr zeitig merkte, also mich, weil ich sozusagen noch ein Kind war, nicht blossgab, sondern zurückhielt. Wenn ich sah, dass sie sich zwungen und drungen, um ihn zu sein, ging ich zurücke, und wenn ich hernach hörete, dass sie sich miteinander zankten, wenn er einer (ihren Gedanken nach) mehr Höflichkeit erwiesen hatte als der andern, so hatte ich zwar darüber eine innigliche Freude, seufzete aber auch in geheim und liess mich gegen keine etwas davon merken, dass ich ebensowohl als wie sie beide in den jungen Grafen verliebt wäre. Es kam die Zeit, dass mein Herr Vater seinen Geburtstag zelebrierte, deswegen viele hohe und vornehme Standespersonen zu gast lude und ein herrliches Festin gab, sonderlich aber dem alten Grafen von H. zu Gefallen. Hier fügte es sich von ungefähr, dass der junge Graf mich, die eben die nächste bei ihm war, zum Tanze aufforderte. Ich entschuldigte mich mit lachenden mund, jedoch auch mit einer etwas nachdenkenswürdigen Miene damit, wie es nicht Sitte in diesem land wäre, dass man die jüngste den ältern vorzöhe, wollte deswegen bei meinen Schwestern keine Jalousie erwecken, sondern ihn erstlich an selbige gewiesen haben, hernach bäte mir die Ehre aus, von seiner Höflichkeit zu profitieren. Er stunde, als ob er durch diese meine Worte vom Donner gerührt wäre, und es war gut, dass eben ein Wachslicht von ungefähr vom Wandleuchter herunter und einer Dame in das hinten aufgesteckte Kleid fiel, auch dasselbe sogleich anzündete, weswegen auf dem ganzen Tanzplatze ein Lärmen entstunde. Jedoch der Schrecken war bei allen grösser als der Schade, mein junger Graf aber war unter der Zeit verschwunden, und da bald nach ihm gefragt wurde, hörete man, dass er sich wegen einer zugestossenen kleinen Unpässlichkeit hätte in sein Zimmer bringen lassen. Ich sollte es fast merken, dass dieses eine verstellte Krankheit wäre, und deswegen prognostizierte ich mir daraus etwas Guts vor meine Liebe. Jedoch weil mir auch bange wurde, dass er sich meinetwegen im Ernst möchte alteriert haben und krank worden sein, so verging mir aller Appetit zum Tanzen, ich klagte demnach meiner Mama, dass mir sehr übel wäre, weil mich das Mägdgen zu feste geschniert, ging deswegen mit ihrer Erlaubnis zu Bette, konnte aber fast die ganze Nacht nicht schlafen, weil ich immer besorgte, der artige Graf könnte doch wohl wirklich krank worden sein. Demnach seufzete ich fast beständig und warf mich im Bette herum, da aber auch bei Anbruch des Tages noch kein Schlaf in meine Augen kommen wollte, sagte meine Wächterin (eben diese