aus dem Halse gerissen, ein Glied nach dem andern mit glühenden Zangen abgeknippen und mein Körper gevierteilt werden sollte."
Die Masque fiel ihm ins Wort und sagte: "Habe eine kleine Gedult, ich will dir alsobald Zeugen heraufrufen, die dich überführen sollen. vorher aber sage mir noch, wie du so leichtsinnig und unerkenntlich sein können, mein Bitten nicht stattfinden zu lassen und mich in Padua zu besuchen, da es doch in der letzten Nacht meine letzte Bitte war und ich dir alle gelegenheit angewiesen. Allein die venetianischen Canaillen haben dir im kopf gesteckt, die dir vielleicht besser gefallen als ich, und auch auf den Rückwege hast du in Padua nicht einmal nach mir gefragt, vielmehr die unbedachsamsten Reden im Gastofe von einem masquierten Frauenzimmer, worunter du mich gemeinet, geführt. Verantworte dich, ungetreuer Verräter."
Elbenstein gab ganz sanftmütig zur Antwort: "Auf meiner Reise nach Venedig habe ich mich an dem bestimmten Orte eingefunden, es ist auch ein gewisser Mensch zu mir gekommen, welcher mir Nachricht gegeben, dass die Dame, welche mich zu sprechen verlangte, erstlich nach zehn Tagen daselbst eintreffen würde; weiln ich nun in meines Fürsten nötigen Verrichtungen verschickt, war mir ohnmöglich, dieselben zu verabsäumen und so viele Tage in Padua stille zu liegen, vielmehr vermeinte ich binnen der Zeit wieder in Padua zurücke zu sein. Habe ich", redete er weiter, "in Venedig ein Frauenzimmer berühret, so nehme der Himmel heute und nimmermehr meine Seele zu Gnaden an. Auf der Rückreise, da ich wieder nach Padua gekommen, bin ich die ganze Zeit in den grössten Ängsten gewesen wegen der vielen Gelder meines Fürsten, die ich unter meiner Aufsicht hatte. Ihnen wird selbst bewusst sein, wie es in Padua zuzugehen pfleget. Wäre nun nur etwas oder alles weggekommen, so hätte ich ja zum Schelme werden müssen, so aber bin ich nicht vom platz gekommen, habe auch fast die ganze Zeit über kein Auge zugetan. Ach leider! dass ich vor dieses Mal die Ehre meinem vollkommenen Vergnügen vorziehen müssen. Was das Geschwätz von der Masque anbelanget, so rief mich ein paduanischer Kavalier ans Fenster und sagte zu mir: 'Mein Herr! ich bitte Sie um aller Heiligen willen! betrachten Sie einmal das schändliche gesicht, so daherspaziert kommt.' Ich musste über seine Reden lachen und bekannte selbst, dass ich fast in meinem ganzen Leben kein Frauenzimmer mit einem hässlichern gesicht gesehen hätte, wobei ich aus Scherz sagte: 'Wenn dieses Frauenzimmer auf das instehende Karneval nach Venedig reisen will, darf sie nur andere Kleider, aber keine Masque mitnehmen, denn ihr gesicht siehet ohnedem einer Masque ähnlicher als einem ordentlichen gesicht.' Dieses ist es alles", beschloss Elbenstein seine Rede, "was ich gesündiget habe."
"Es ist noch nicht alles", erwiderte die Dame. "Steh auf! Ungetreuer! und setze dich in jenen Stuhl." Elbenstein sprach: "Da ich sterben soll, bitte ich mir noch die einzige Gnade aus, dass ich zu Dero Füssen sterben darf." Sie: "Steh auf! sage ich, und setze dich in jenen Stuhl." "Nein, ich bitte", sagte Elbenstein, "dass mein Blut zum Angedenken meiner Treue und Liebe an Dero Kleider spritzen möge." "Steh auf!" sagte sie zum dritten Male, "und setze dich auf jenen Stuhl, sonsten wird augenblücklich Mannschaft da sein." Indem sie nun dieses mit einer ganz veränderten wunderlichen stimme vorbrachte, hielt Elbenstein vors ratsamste, Gehorsam zu leisten, er stunde demnach auf und setzte sich jenseit des Tisches in einen Lehnestuhl. Die Dame stunde gleichfalls auf, liess ihren goldbrokatenen Oberschlafrock fallen und stunde da in einem weissen atlassenen Nachtkleide, behielt aber den Dolch beständig in der Hand, weswegen Elbenstein nicht anders vermeinete, als dass sie sich's nur deswegen kommode machte, ihm den letzten Stoss desto nachdrücklicher beizubringen. Er wandte demnach seine Augen nach dem Boden, faltete die hände und betete einige Sterbegebete, die er noch im frischen Gedächtnis hatte. Ehe er sich's aber versahe, warf sich die Dame, welche ihre Masque abgelegt hatte und sich ihm in blossen Angesichte zeigte, zu seinen Füssen und redete ihn also an: "O teure allergetreuste Seele, es wird zwar wohl das erstemal in deinem Leben sein, dass sich eine geborne Prinzessin zu deinen Füssen wirft, allein die Schuldigkeit befiehlt es, weil mich das Verhängnis nunmehr zu deiner Sklavin gemacht hat. Nicht du, sondern ich bin des Todes schuldig, nimm hin diesen Dolch und durchbohre meine tyrannische Brust." Unter welchen Worten sie Elbenstein den Dolch über seine gefaltenen hände legte und ihre ganze Brust entblössete. Elbenstein aber sass als ein steinern Bild und wusste fast gar nicht, wie ihm geschahe. "Ich, ich bin die Furie gewesen, die dich teils aus Eifersucht, teils aus allzu heftigen Liebsbegierden so grausam hat martern lassen. Räche deinen Hohn an mir, denn ich habe es verdienet, und ob ich gleich seit unserer zweiten Zusammenkunft in Ariqua mich von dir schwanger befinde, so ist doch mein Leib nicht einmal würdig, diese Frucht zu tragen, weil ich mit deren Vater so grausam und unbarmherzig umgegangen bin. Einen einzigen Kuss von deinen Lippen vergönne mir noch zum Labsal mit ins Reich der Toten zu nehmen, hernach durchstich mein barbarisches herz."
Elbenstein hatte kaum noch soviel Vernunft, dass er den Dolch