was er lase, beständig pombardierte und quälete. Allein, auch diesen Hauptsturm schlug er glücklich ab. Die Unverschämte hing demnach ihren Rock wieder über, sagte weiter nichts als: "Addio, du Barbar! nun komme ich dir nicht wieder!", und verschwand hinter den Tapeten.
Kaum war sie hinweg, als Elbenstein seine hände gegen Himmel aufhub und Gott inbrünstig anrief, doch nicht zuzugeben, dass dieses lasterhafte Weibsbild noch einmal wieder vor seine Augen kommen möchte. Er dankte dabei dem Höchsten, dass er ihm sattsame Kraft und Stärke verliehen, diesen so oft wiederholten satanischen Versuchungen zu widerstehen, bat um Vergebung wegen der dann und wann aufgestiegenen wolllüstigen Gedanken und bat um fernern kräftigen Schutz und hülfe. Hierauf legte er sich mit ganz getrosten Herzen aufs Bette und schlief abermals, bis er schon die Sonne im Zimmer sah.
Folgendes Tages wurde er weder von dem Alten noch von jemand anders inkommodieret, von den Stummen aber mit allen, was er nur verlangen mögen, vollkommen wohl bedienet, hierbei nun hatte er gute Musse zu lesen und kam in dem grossen Historienbuche sehr weit. Abends aber kam der Alte etwa zwei Stunden vor Mitternacht jählings in sein Zimmer getreten und sagte: "Mein Herr! kommen Sie doch geschwind mit mir, es will Sie jemand sprechen." Elbenstein erschrak und gedachte bei sich selbst: 'Nun, was wird dieses vor ein neuer Sturm sein?', stunde aber auf und folgte dem Alten, welcher ihn quer über den Saal hinüber bis an die Tür eines Vorgemachs führte, selbige eröffnete und sagte: "Nun mein Herr! gehen Sie gerade fort auf die Tür zu, welche Ihnen entgegenstösset, eröffnen Sie selbige nur ohne Bedenken und treten in das Zimmer hinein." Elbenstein ging etliche Schritte fort, blieb sodann eine lange Weile stehen und wusste selbst nicht, wie wunderlich ihm zumute war, noch was er tun sollte. Jedoch endlich besann er sich und bedachte, weil er doch einmal in frembder Leute Gewalt wäre, müsse er Gehorsam leisten, es käme nun, wie es wolle, mehr könnte es ihm doch nicht kosten als das Leben. Demnach schritt er weiter fort, eröffnete die Tür ohne Anpochen, trat hinein und zohe dieselbe hinter sich zu, welche denn von selbsten abschloss. Aber, o Himmel! wie wurde ihm zumute, als er oben am Tische ein masquiertes Frauenzimmer sitzen sah, und zwar in eben dem Habit und von eben der Taille, als zu Ariqua in der Margareten haus in der zweiten Nacht erschienen war. Er war ganz ausser sich selbst, stunde als ein steinern Bild, vergass dabei auch sogar, der Dame ein Kompliment zu machen, und blieb im Zweifel, ob es die würkliche damalige masquierte Dame oder das Frauenzimmer wäre, welche ihn nunmehr drei Nächte daher so gewaltig vexieret hatte. Endlich, da die Dame nur die wenigen Worte sprach: "Tretet doch näher her, mein Herr!", bemerkte er gleich an der Sprache, dass es nicht die gestrige, sondern die ariquanische wäre. Er machte demnach, da er zugleich seine Mütze abnahm, einen tiefen Reverenz, ging näher hinzu, blieb etwa drei Schritte vor der Masque stehen, machte einen nochmaligen Reverenz und bemerkte nunmehr erst, dass die Dame einen entblössten Dolch in der Hand hatte.
'nunmehr', gedachte Elbenstein, 'wird dir dein letztes Brot gebacken sein.' Die Masque aber fragte: "Kennet Ihr mich?" "Wie ist's möglich, dass ich eine masquierte person kennen kann?" war Elbensteins Gegenfrage. "Habt Ihr mich", sprach die Masque weiter, "in diesem Habit und in dieser Masque sonst nirgends als jetzt allhier gesehen?" "Meines Wissens nicht", gab dieser zur Antwort. "Auch nicht zu Ariqua in der Margareta Behausung?" so fragte sie weiter. Elbenstein antwortete mit "Nein!" Hierauf fing sie folgenden Sermon an: "Verwegener Verräter, es mag endlich gut genug sein, dass du etliche Tage her ungeachtet aller dir angetanen Marter allhier in diesem haus nichts bekennen wollen, allein warum hast du diese Tugend in deiner vollen Freiheit nicht beobachtet, da dich niemand um unser Liebesgeheimnis befragt hat, du aber dennoch alles ausgeplaudert und mich dergestalt abgemalet hast, dass mich auch in der Masque jedermann erkennen können? Ist das der Dank, du Verräter! vor meine getreue Liebe, von welcher ich dir alle ersinnliche Proben gegeben und dir zugeschworen, dass ich dergleichen zärtliche Regungen noch niemals gegen eine Mannesperson empfunden als gegen dich allein. Dieser Dolch soll dir voritzo den Lohn geben vor deine Verräterei, Falschheit und Bosheit, sage nur selbst, ob du nicht einen weit schmähligern Tod verdienet hast?"
Hier hielt sie etwas inne und wollte Elbensteinen erstlich zur Antwort kommen lassen, welcher sich zu ihren Füssen warf und in grösster Gelassenheit also redete:
"Wenn mich Verleumbder und falsche Zungen aus Dero Gunst und Gnade, ja aus Dero Herzen gerissen, bin ich meines Lebens ohnedem überdrüssig, der Tod kann mir auch niemals süsser und angenehmer sein, als wenn ich denselben von Dero schönen Händen empfange, welche ich seitero in Gedanken täglich 1000mal geküsset. Kann ich aber eines einzigen verräterischen Wortes überführet und überzeugt werden, dass ich meinen Schwur wegen der Verschwiegenheit nur mit einem einzigen Worte gebrochen, so schätze ich mich eines solchen süssen Todes unwürdig und spreche mir auf den Fall mein Urteil selbst, dass mir nämlich die Zunge